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Milarepa Retreatzentrum

Liebe Dharma-Freunde,
Ende Oktober 2012 wurde das Milarepa Retreatzentrum durch S.E. Garchen Rinpoche in der Lüneburger Heide eröffnet. Das dataillierte Programm findet man auf www.drikung.de unter Aktuelles.

Eröffnungsrede

Rede zur Eröffnung des Milarepa Retreat Zentrums
von Dr. Elmar R. Gruber





Verehrter Garchen Rinpoche, Ehrwürdige Mönche und Nonnen, Frau Bürgermeisterin, liebe Gäste.

Wie versetzt man Berge? Sprichwörtlich mit dem Glauben natürlich. Nach buddhistischer Vorstellung mit dem Geist. Der Geist kann alles versetzen, denn er ist die Wurzel von allem, er bringt das Gute hervor oder schafft das Unheilsame.

In Tibet gibt es viele heilige Orte, zu den heiligsten zählen drei Berge: Kailash, Lapchi und Tsari. Diese heiligen Berge sind Teil eines spirituellen Kraftfeldes, eines Mandalas, das mit einer so genannten Meditationsgottheit assoziiert wird, mit Chakrasamvara.

Vor über 800 Jahren erschienen Jigten Sumgön, dem Gründer der Drikung-Kagyü-Linie, im Traum die Schutzgottheiten dieser drei Berge. Sie luden ihn ein, ihre Wohnstätten zu segnen. Jigten Sumgön konnte sich selbst nicht auf die Reise begeben. Also sandte er in drei Wellen eine unvorstellbare Anzahl von Schülern an diese Plätze zur Meditation. Man spricht von vielen Tausenden. Er begründete damit die Drikung-Kagyü-Tradition als eine so genannte Praxislinie. In einer solchen nimmt neben der intellektuellen Ausbildung anhand der Reden des Buddha und der umfangreichen Kommentarliteratur die meditative Übung eine zentrale Stellung ein.

Von alters her war es möglich (natürlich nur mit größten Anstrengungen und Entbehrungen) in der Abgeschiedenheit unwirtlicher Felsenhöhlen auf den heiligen Bergen der meditativen Praxis nachzugehen. Gegenwärtig ist das fast unmöglich geworden. Diese Orte liegen heute in der Volksrepublik China und können aus religionspolitischen Gründen selbst von Einheimischen für Klausuren weitgehend nicht genutzt werden. Deshalb war es die Vision von Seiner Heiligkeit Drikung Kyabgön Chetsang, dem Linienhalter und Oberhaupt der Drikung-Kagyü-Tradition, die heiligen Stätten gleichsam zu versetzen. So sollten sie für westliche Schüler in verschiedenen Teilen der Welt zugänglich werden. Orte der Stille in Abgeschiedenheit aber dennoch für jedermann leicht erreichbar. Er wollte außerhalb des Schneelands Tibet jene Tradition fortführen, die sein spiritueller Ahnherr Jigten Sumgön begründet hatte. Drei große Klausur-Zentren sollten errichtet werden, in denen man unter anderem auch das traditionelle drei Jahre dauernde Retreat durchführen kann.

Diese drei Zentren stehen in Entsprechung zu den drei heiligen Bergen Kailash, Lapchi und Tsari. Eines davon ist dieses Milarepa Retreat Zentrum in Schneverdingen. Es entspricht dem heiligen Berg Kailash.

Seit vielen Jahren verfolgte Seine Heiligkeit diese Vision. Er wollte, dass eines dieser Klausurzentren unbedingt in Deutschland errichtet werde, wo die Drikung-Kagyü-Linie viele Anhänger hat. Mit deutschen Schülern und seinem damaligen Privatsekretär Tsering Geleg, der heute hier unter uns ist, begann die Suche vor allem im Osten Deutschlands, im Umland von Berlin. Aber der passende Ort wurde nicht gefunden. Eine Zeit lang ruhte das Projekt, bis Drikung Kyabgön Chetsang wieder einmal in Europa war. Auf dem Weg zu einem Besuch in Ungarn besprach er es mit Frau Dr. Liane Pitsos, der Vorstandsvorsitzenden der Garchen Stiftung. Sie nahm die Suche in Pommern, auf Rügen, an der Ostsee wieder auf. Doch der Zufall, oder besser günstige Umstände, wollten es, dass sie von einem Reiterhof in Schneverdingen erfuhr, der zum Verkauf stand. So kam der Berg nach Schneverdingen – der Kailash.

Und auch wenn Sie hier weit und breit keinen Berg sehen – das macht nichts. Was man mit den Sinnen erkennt, ist nach buddhistischer Vorstellung nur die Wirklichkeit des Anscheins. Außerdem gehört es zu den grundlegenden Übungen im tibetischen Buddhismus, seine Imaginationskraft so weit zu schulen, dass man in der Meditation hervorgerufene komplexe Bilder der Vorstellung festzuhalten lernt. Kein Problem also, sich im flachen Land der Lüneburger Heide vorzukommen wie einst der große Yogi Milarepa im schroffen Fels des Berges Kailash – jener bedeutende verwirklichte Meister, dem dieses Zentrum seinen Namen verdankt.

Der Buddha wirkte in der Welt, um das Leiden zu vermindern. Ich habe darum nicht vor, Ihr Leiden zu vermehren, indem ich mich hier zu lange ausbreite. Eines will ich aber noch deutlich machen:

Zentral für den Buddhismus ist das Prinzip des abhängigen Entstehens – ein alles durchdringendes Gesetz der Kausalität. Alle Dinge der Erscheinungswelt, aber auch unsere inneren Erfahrungen, sind nicht unverrückbar da. Sie sind vielmehr durch Ursachen und Bedingungen zustande gekommen und von diesen abhängig. Nichts existiert von sich aus, nichts hat eine innewohnende unveränderliche, eine dauerhafte Existenz. Alles steht von Natur aus in wechselseitiger Abhängigkeit. Mithin ist das, was uns erscheint auch niemals vollendet. Es ist stets Ursachen und Bedingungen ausgesetzt und darum im Wandel begriffen. Diese Vorstellung bleibt meist abstrakt, weil wir die Dinge gewöhnlich als unabhängig, aus eigener Kraft existierend und als dauerhaft wahrnehmen. Ich kann Ihnen versichern, für uns im Vorstand der Garchen Stiftung und für alle jene, die an diesem Projekt tatkräftig mitgewirkt haben, ist eben die Vorstellung, dass alles fortlaufend einem Wandel unterworfen und somit nichts jemals vollendet ist, zu einer sehr konkreten Wirklichkeit geworden.

Für den, der einmal gebaut hat, ist eine solche Ansicht ein Gemeinplatz, ja geradezu eine Binsenweisheit. Und bei einem so ambitionierten Projekt wie das Milarepa Retreat Zentrum gilt das umso mehr. Wie Sie bemerkt haben: hier ist viel geschehen aber es ist nicht wirklich fertig, geschweige denn vollendet. Ich kann sie beruhigen: Es wird nie wirklich fertig sein. Und um die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung nun nicht zu beunruhigen: In nicht allzu ferner Zukunft, wird es den meisten fertiggestellt erscheinen.

Die Dinge kommen eben nie zu einem Ende. Nach buddhistischer Vorstellung vermag man zum Wohl der Lebewesen in dieses Räderwerk des abhängigen Entstehens einzugreifen, indem man lernt, unheilsame Gewohnheiten durch heilsame zu ersetzen. Dafür muss man sich erst seiner unheilsamen Haltungen gewahr werden. Man muss die Gewohnheiten des Geistes kennen lernen, und das kann man durch die besonderen Techniken der Innenschau, die uns die Meditation bereitstellt. Darum ist die Meditation das Herzstück der buddhistischen Praxis und zu eben diesem Zweck wurde dieses Zentrum errichtet.

Das abhängige Entstehen wirkt fort zum Guten durch jene, die hier wirken werden: Die Meister, die lehren und zur Meditation anleiten, die Besucher, die nach Antworten auf Fragen ihrer Existenz suchen, die Praktizierenden, die in der Versenkung trachten, ihren Geist heimzuführen. Und so wird dieser Ort nicht nur ein sich wandelnder Ort sein, er kann auch für viele ein Ort der Wandlung sein und einer, der selbst Ursachen und Bedingungen bereitstellen wird um auf Lebewesen seine nützliche Wirkung zu entfalten.

Eines noch zum Abschluss: Wenn wir von Wirkungen durch das Prinzip des abhängigen Entstehens im Hinblick auf visionäre buddhistische Projekte sprechen, dann dürfen wir nicht allein ihren Nutzen in der Gegenwart im Auge haben. Wir müssen gleichsam ständig über den Tellerrand unserer eigenen Imaginationsfähigkeit hinausdenken. Dieser ist kein Ort für eine überschaubare Zeit. Das haben Drikung Kyabgön Chetsang und Garchen Rinpoche sehr deutlich gemacht. Es soll ein Ort sein für zahlreiche Generationen nach uns, beständig und unverrückbar wie der Berg Kailash.

Nun, ich kann Ihnen im Namen des Vorstands der Garchen Stiftung versichern: Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir in dieser wunderbaren Landschaft in der Nachbarschaft aufgeschlossener Menschen und einer bereits florierenden buddhistischen Tradition mitwirken dürfen, diesen besonderen Platz seiner Bestimmung zuzuführen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Eindrücke aus Hamburg

Milarepa Retreat Zentrum
Reimerdinger Str. 18
29640 Schneverdingen
Tel +49-5193-97432-000
Fax +49-5193-97432-099
carolina.gravenreuth@milareparetreat.de
www.milareparetreat.de
www.garchen-stiftung.de


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