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Ashvagosha

Ashvagosha (um 80 – um 150 v.Chr.) war ein indischer Philosoph und Dichter, geboren in Saketa in Nordindien. Man hält ihn für den ersten Sanskrit-Dramatiker und für den größten indischen Dichter vor Kalidasa. Er war der bekannteste aus einer Gruppe buddhistischer Hofpoeten. Der traditionellen Biografie zufolge – von Kumarajiva ins Chinesische übersetzt und auch in dieser Sprache überliefert – schrieb Ashvagosha im klassischen Sanskrit. Er war ursprünglich ein Asket, der umherwanderte und dazu imstande war, jeden im Wortgefecht zu besiegen. Er forderte die buddhistischen Mönche heraus und verlangte, dass sie den Gong nicht mehr anschlagen durften, der den Menschen normalerweise das Signal dazu gab, ihnen Opfergaben zu bringen, wenn keiner von ihnen dazu imstande war, ihm im Wortgefecht Paroli zu bieten. Da keiner da war, der die Herausforderung annehmen konnte, hörten die Mönche damit auf, den Gong zuschlagen.
Im Norden jedoch lebte zu dieser Zeit ein älterer Bhiksu namens Parsva, der erkannte, dass es für die Verbreitung des Dharma eine große Bereicherung darstellen würde, wenn er es schaffen könnte, diesen Asketen zu bekehren. Also kam er von Nordindien angereist und ließ den Gong anschlagen.
Der Asket kam, um zu fragen, warum der Gong geschlagen worden war. Wenngleich er der Meinung war, der alte Mönch sei unfähig, es mit ihm aufzunehmen, nahm er die Herausforderung an. Nach sieben Tagen wurde das Wortgefecht ausgetragen – vor dem König, dessen Ministern und vielen Asketen und Brahmanen. Beide willigten ein, als Verlierer der Schüler des anderen zu werden.
Sie kamen überein, dass der ältere Parsiva zuerst sprechen sollte, und er sagte: „Die Welt soll befriedet werden, einen langlebigen König und eine reiche Ernte haben; im ganzen Land soll Freude herrschen, die nicht von den Myriaden von Widrigkeiten gestört werden soll“. Dazu fiel dem Asketen nichts ein und so musste er Parsvas Schüler werden – er erhielt die volle Bhiksu-Ordination.

Der Weg zur Erleuchtung

Die Mahayana-Lehre von Ashvagosha – der Weg zur Erleuchtung, um unsere Buddha-Natur zu finden

Die Texte sind wie Dharanis geschrieben.


Da der koreanische Text der Übersetzung aus der ersten Hälfte des achten Jahrhunderts von dem Mönch Wonhyo voller Klarheit für die Menschen in der heutigen Zeit die Bedeutung der Lehren des Buddha darlegt, entschloss sich Sunim zu der Übersetzung.

Der schwierige Text von Ashvagosha ist ein klassisches Werk des Mahayana. Die Menschen in Korea sind von klein auf mit dem buddhistischen Gedankengut vertraut; die Novizen in den Tempeln lernen die Darlegungen von Ashvagosha und dadurch erwacht in den Menschen ein unerschütterlicher Glaube in die Lehre des Buddha; ihr Ziel ist es, die Erleuchtung zum Wohle aller Lebewesen zu erreichen.

In den Belehrungen und Kommentaren von Sunims Übersetzung spürt man die große Liebe und das große Mitgefühl, das er und die Menschen, die daran gearbeitet haben, für die Lebewesen und ihre Dharma-Schwestern und -Brüder empfinden.

Dabei ist es nicht so wichtig, welche buddhistische Schule recht behält; die Essenz des Mahayana-Buddhismus besteht darin, den Lebewesen einen Weg aus dem großen Leiden und den weltlichen Sorgen zu zeigen. Mit tiefem Vertrauen zur Lehre des Buddha und einem gläubigen Herzen voll Dankbarkeit zu Ashvagosha verfasst, möge dieses Buch vielen Menschen helfen, schnell die Erleuchtung zu erlangen.

Ignoranz und Täuschung lassen vergängliche Gedanken entstehen – um von Tod und Geburt und den Leiden im Samsara frei zu werden und das Tor zu Tathata zu öffnen, wurde diese Übersetzung verfasst.




Vorwort

Ashvagosha, skr.: Großer buddhistischer Meister aus Indien – der Bodhisattva, der die Pferde zum Weinen brachte

Von Kumarajiva aus dem Sanskrit ins Chinesische übersetzt.
Aus dem Koreanischen und Chinesischen übersetzt von Tenzin Tharchin und Elisabeth Lindmayer.

In einem kleinen Land in Mittelindien lebte im 1. oder 2. Jahrhundert Ashvagosha . Aufgrund einer besonderen Begebenheit erhielt er den Namen „der Bodhisattva, der die Pferde zum Weinen brachte“. Sein Lehrer, bei dem er Zuflucht zu Buddha, dem vollständig Erleuchteten, zu der edlen Lehre, dem Dharma, und zu der edlen Gemeinschaft, der in Harmonie lebenden Sangha, genommen hatte, hieß Punasa.

Eines Tages machte sich Punasa, der im Samadhi verweilte, darüber Sorgen, wer Buddhas Lehre verbreiten und die Lebewesen zur Erleuchtung führen werde. Im tiefen Samadhi erblickte Punasa in Mittelindien einen Mönch einer anderen Religionszugehörigkeit. Dieser Mönch hieß Mahallaka; er war sehr weise, mit großem Sprachtalent ausgestattet und sprach über die Wahrheit. Es hieß von ihm, wenn es in dieser Welt jemanden gäbe, der sich mit ihm messen könne, dann möge man den Gong (skr. Gantha) schlagen und Gaben von den Menschen erhalten. Nur derjenige könne Spenden oder Schenkungen erhalten, der ihn in der Debatte besiegen könne, verkündete Mahallaka lauthals.

Zu dieser Zeit erhob sich Punasa aus dem Samadhi und schritt die Straßen entlang, vorbei an dem Schloss der Sakya, wo er viele Novizenmönche (Samaneras) traf. Einer von ihnen sprach verächtlich in neckischem Ton zu ihm und sagte: „Gib mir deine Schuhe.“ Punasa aber reagierte nicht. Friedvoll und unverrückbar verharrte er, obwohl der Samanera so unhöflich zu ihm sprach. Einige Samaneras erkannten, dass er ein bedeutender Mensch war, andere wollten Punasa prüfen und stellten ihm Fragen und beobachteten ihn. Dieser blieb reglos und wusste auf alle Fragen die besten Antworten zu geben. Punasa schritt weiter mit edlem Antlitz und offenem Geist. Da erkannten die Samaneras seine Tugendhaftigkeit, respektierten ihn und verabschiedeten den alten Mönch. Mit überirdischer Wunderkraft erreichte Punasa in Windeseile einen buddhistischen Tempel in Mittelindien, wo sich viele Mönche versammelt hatten. Punasa fragte die Mönche, warum sie den Gong nicht schlugen.

Man antwortete ihm, Mahallaka habe es verboten, da ihn bei einer Debatte niemand besiegen konnte. Erst dann, wenn ihn jemand bezwingen könne, dürfe der Gong geschlagen werden. Punasa erwiderte, es sei an der Zeit, ihn zu schlagen, er werde mit Mahallaka debattieren.
Die alten Mönche besprachen und fragten sich, ob er wirklich debattieren könne. Daraufhin schlugen sie den Gong. Mahallaka war sehr verwundert und erkundigte sich, warum dieser geschlagen wurde. Die Mönche antworteten: „Von Nordindien ist Punasa gekommen und er hat den Gong geschlagen.“ Mahallaka bestand darauf, Punasa sogleich zu ihm kommen zu lassen.

Bei ihren Zusammentreffen fragte Mahallaka, der einer anderen Religion angehörte, ob Punasa mit ihm debattieren wolle. Lauthals machte er sich über Punasa lustig, da dessen Erscheinungsform nicht besonders schön war. Er sagte: „Du alter Mönch, wie willst Du mit mir debattieren? Was soll’s, wir werden vor dem König, den Ministern und den Meistern aller Religionen debattieren. In sieben Tagen soll es so weit sein.“ Und er blickte geringschätzig auf Punasa herab.

In der sechsten Nacht vor dem Treffen sah der alte buddhistische Meister im tiefen Samadhi vorher, was bei der Debatte geschehen würde.

Frühmorgens am siebten Tag hatten sich viele Menschen versammelt – zahlreich wie die Wolken am Himmel. Punasa traf schon früher ein, setzte sich auf den höheren Sitz und sein Gesicht strahlte Frieden und liebevolle Wärme aus. Als Mahallaka eintraf, nahm er den Platz ihm gegenüber ein. Er blickte dem alten Mönch ins Angesicht, der gelassen und friedvoll zur Debatte bereit war und dachte, das sei ein Heiliger, und freute sich auf eine gute Debatte. Dann fragte er Punasa, wie der Verlierer zu bestrafen sei und schlug vor, diesem die Zunge abzuschneiden. Der alte Mönch erwiderte, so dürfe man das nicht machen. Der Verlierer solle vielmehr der Schüler des anderen werden und das sei genug. Damit zeigten sich alle einverstanden und fragten, wer beginnen solle.

Der alte Mönch sagte, da er von so weit her gekommen und zuerst da gewesen sei, wolle er beginnen. Das sei der richtige Weg. Damit war Mahallaka einverstanden und antwortete: „Beginne jetzt und sei dir sicher: Ich werde dich schlagen!“

Punasa mit seinem unermesslichen Verdienst sprach: „Unter dem Himmel ist dieses Land friedlich; der König wird lange leben; die Menschen in seinem Land sind friedlich, leben in Wohlstand mit großer Freude und ohne Katastrophen.“ Dann sprach Punasa weiter, erhaben und mit einem Herz voll großer Liebe und Mitgefühl und berührte die Versammlung der Zuhörer mit seinen sanften Worten, die er entsprechend den Fähigkeiten der Lebewesen wählte und erfreute das Herz der Anwesenden. Alle Buddhas und Bodhisattvas hatten sich zu seinem Schutz versammelt.

Mahallaka konnte dem strahlenden Punasa, der mit überirdischer Kraft vor ihm stand, nichts entgegnen und blieb stumm. Er verneigte sich, schnitt sein Haar und den Bart ab und wurde ein buddhistischer Mönch. Tief verzweifelt saß er einsam da, der große Debattierer, der nicht antworten konnte.

Punasa wusste um die Verzweiflung des Mahallaka und zeigte ihm seine überirdischen Wunderkräfte, durch das Feuer zu schreiten, zu fliegen und über das Wasser zu gehen. Da willigte Mahallaka ein, der Schüler Punasas zu werden. Mahallaka dachte, aus diesen Gründen sei es richtig, Punasas Schüler zu werden und er erhielt den Namen Ashvagosha .

Punasa sprach zu ihm: „Obwohl deine Intelligenz sehr groß ist, bist du noch nicht vollkommen. Du sollst jetzt von mir den Dharma lernen; du sollst die Erleuchtung und eine vollkommene Sprachbeherrschung erlangen. Unter dem Himmel in diesem Land vermag es keiner, gegen dich zu sein.“

Später ging Punasa in sein Land zurück. Ashvaghosha blieb in Mittelindien und lehrte viele Sutren. Seine Intelligenz und seine Sprachbeherrschung waren exzellent und die Menschen verbeugten sich vor ihm mit großem Respekt. Auch der indische König würdigte ihn sehr.

In Nordindien lebte Ganisega, der König des kleinen Mondlandes Kontera. Dieser zog gegen das Land in Mittelindien, in dem Ashvaghosha lebte, zu Felde und eroberte es. Der besiegte König fragte in einem Brief den siegreichen Mondlandkönig, ob er etwas wünsche, das er ihm geben könne und warum er so lange in diesem Land bliebe, die Bevölkerung unterdrücke und so viel Leid verursache. Der siegreiche König antwortete, er sei zufrieden, wenn sich der Verlierer vor ihm verbeuge und er ihm drei Millionen in Gold übergebe. Der König aus Mittelindien erwiderte, er habe nicht einmal eine Million in Gold in seinem Land. Daraufhin antwortete der Mondlandkönig: „In deinem Land gibt es zwei wertvolle Juwelen. Das eine ist die Bettelschale des Buddha, das andere der buddhistische Mönch Ashvaghosha . Sie haben für mich den Wert von zwei Millionen. Gib mir diese.“ Der König antwortete, diese beiden könne er nicht hergeben.

Der buddhistische Mönch lehrte seinen König, dass es für ihn, als Lebewesen unter dem Himmel, keinen Unterschied gäbe, wo er den Dharma lehre. Buddhas Lehre sei tief und weit und die erste Tugend des großen Menschen sei es, die Lebewesen zu retten.

Es seien viele Schwierigkeiten damit verbunden, die Lebewesen und die Menschen in dieser Welt zu führen. Darum habe ein König auch nur ein Land zu führen. Das sei seine Aufgabe. Allerdings, wenn er als König Buddhas Lehre verbreiten könne, würde er zum Dharmakönig der vier Ozeane werden. Das bedeute, der Gebieter dieser Welt zu werden. Die Mönche seien in gleicher Weise dazu imstande, die Menschen von den Leiden zu retten. Sie würden diese von den Täuschungen von Tod und Geburt befreien und sie dazu führen, alle Leiden zu überwinden. Die Wahrheit sei überall gleich präsent, nicht nah und nicht fern. Es sei nicht genug, nur das zu glauben, was unsere Augen sehen. Wir bräuchten auch ein großes Herz voller Großzügigkeit.

Der König respektierte die Meinung des Mönches und sandte ihn ins kleine Mondland. Als Kriegsbeute nahm König Ganisega den buddhistischen Mönch Ashvaghosha unter seinen Schutz und brachte ihn in sein Königreich Kontera. Dort verbreitete Ashvaghosha die Lehre des Buddha. Der siegreiche König besprach sich mit seinen Ministern über den Wert der Bettelschale des Buddha. Alle waren einverstanden, dass sie den Gegenwert von einer Million in Gold darstelle. Als es um den Wert des Mönches ging, waren sie allerdings uneins mit dem König, weil sie ihn für zu kostbar erachteten. Der Mönch war zu kostbar, um bewertet zu werden, und seine Sprache war vollkommen, um den Dharma zu lehren. Er hinterließ einen gewaltigen Eindruck, der die Menschen erschütterte.

Der siegreiche König wollte alle verwirrten Menschen zur Erleuchtung führen – darunter auch die Lebewesen in seinem Land. Er verstand die unerträglichen Leiden der Höllenwesen, der hungrigen Geister mit ihrer unerträglichen Gier nach Essen und die Leiden der Tiere, und er wusste, dass nur die Drei Juwelen vor diesen Leiden zu schützen vermögen.
Darum ersuchte er Ashvaghosha, den Dharma zu lehren. Der König berief eine große Versammlung ein, bei der auch sieben Pferde einer schönen Rasse anwesend waren. Die große Versammlung, an der eine unzählbare Menge von Menschen und die hungrigen Pferde teilnahmen, bat den Mönch, den Dharma zu lehren. Dies dauerte sechs Tage und als der König den Pferden, den besten Freunden der Menschen, Heu geben wollte, fraßen sie nicht. Sie wollten nur den Dharma hören, und sie weinten. Friedlich und still standen sie da. Alle Anwesenden sahen es als ein Wunder, dass die Pferde den Dharma begriffen hätten, und auch sie verstanden den Dharma gut. So wurde die Lehre des Buddha, die für alle unwissenden sowie wissenden Lebewesen gelehrt wurde, in Nordindien mit Begeisterung aufgefasst und weit verbreitet, und der Mönch wurde Ashvaghosha, der Bodhisattva, der die Pferde zum Weinen brachte, genannt.

Hinweis 01



Herr Lothar Scholl-Röse, Herr Jürgen Drews und Frau Christel Drescher-Hammerby haben lektoriert, Frau Claudia Savelli hat die abschließenden Korrekturen angebracht – ihnen gebührt herzlicher Dank.
Dank gebührt ebenso dem die zeitlose Wahrheit vermittelnden Alan und seiner Frau Iris sowie Herrn Georgi Buschmann mit seinem fachkundigen und logistischen Wissen.
Frau Irmentraud Schlaffer stellte freundlicherweise ihre Übersetzung zur Verfügung:
„Die Erweckung des Glaubens" Originaltitel: The Awakening of Faith. Attributed to Ashvagosha. Translated with Commentary by Yoshito S. Hakeda, , unveröffentlicht; ein Auszug der Übersetzung kann auf der Studienprogramm-Seite der Deutschen Buddhistischen Union heruntergeladen werden:
www.buddhismus-studium.de/studienmaterial/

Frau
Irmentraud Schlaffer sei an dieser Stelle herzlich dafür gedankt.

Hinweis 02

Wie die Drei Juwelen Schutz gewähren können: Der Dharma ist die eigentliche Zuflucht, die vor dem Furchtbaren bewahrt. Die Buddhas sind die Lehrer dieses Dharma. Der Sangha ist wie ein Helfer beim Ausüben der Lehre. Daher wird es kein Mittel zur Befreiung aus dem Abgrund der furchtbaren niederen Daseinsbereiche und den besonderen und allgemeinen Gefahren im Samsara geben, wenn wir uns nicht von ganzem Herzen auf die drei unfehlbaren, höchsten Zufluchten als unsere Beschützer stützen.

Der Mönch Won-Hyo

Der Mönch Won-Hyo

lebte 617– 686 n.Chr. während der Silla-Dynastie und war ein berühmter buddhistischer Gelehrter, der die verwitwete Prinzessin Yosok heiratete. Mit der Prinzessin zeugte er einen Sohn, den großen konfuzianischen Gelehrten Sol Chong.

Im kleinen Diamantgebirge (Kwanak-San) gründete Won-Hyo einige zum Teil noch heute bestehende Einsiedeleien. Im Jahre 634 ließ Königin Sondok den „Tempel des berühmten Kaisers" als Sitz der Dharmata-Schule (Popsong-Jong) des Won-Hyo errichten. Er gilt als brillanter Denker, Verfasser philosophischer Schriften und Exzentriker in der Geschichte des koreanischen Buddhismus. Zu seinen Ehren wurde im Kloster Silluk-Sa ein Pagode errichtet.

Won-Hyo machte den Buddhismus gemeinverständlich. Laut Überlieferung pflegte er, auf der Straße mit dem Volk zu trinken, selbst verfasste Lieder religiösen Inhalts zu singen und zu tanzen. Berühmt ist die Geschichte seiner Erleuchtung: Einst wollte der junge Mönch Won-Hyo mit Uisang, einem weiteren berühmten Mönch, nach China reisen, um den Buddhismus zu studieren. In der Nacht suchten sie eine Schlafgelegenheit und fanden eine leerstehende Behausung, in der sie sich zur Ruhe begaben. Mitten in der Nacht erwachte Won-Hyo mit brennendem Durst. Im Raum herumtappend fand er zum Glück ein Gefäß voll köstlich frischem Wasser. Bei Tagesanbruch stellte sich heraus, dass die Mönche die Nacht in einer Grabkammer verbracht hatten und dass das Gefäß ein menschlicher Schädel war. Angewidert erbrach sich Won-Hyo, gelangte aber im selben Augenblick zu folgender Einsicht:

„Wenn das Bewusstsein entsteht, entstehen die unterschiedenen Phänomene.
Wenn das Bewusstsein verschwindet, verschwinden auch die Phänomene.
Die drei Welten (die Welt der Begierde, die Welt der Form, die formlose Welt des reinen Geistes) sind nichts anderes als geistige Erkenntnis.
Alle Phänomene sind nichts anderes als Bewusstsein."

Ihm war übel geworden, als ihm bewusst wurde, dass das Gefäß tatsächlich ein Schädel war; erst dann war seine Unbekümmertheit in Grausen umgeschlagen. Gegensätze wie die zwischen Reinheit und Unreinheit, Friede und Unfriede werden nur vom Bewusstsein gebildet, existieren jedoch nicht in Gegenständen an sich. Weil er einsah, dass man auch in Korea die Erleuchtung erreichen könne, gab Won-Hyo seine Chinareise auf und kehrte zurück.

Shantideva: Wenn Existierendes und Nicht-Existierendes vor dem Geist nicht erscheinen, dann bleibt ihm nichts anderes übrig. Ohne Konzepte ist der Geist zur stillen Ruhe gekommen.

Dharma

Dharma:
Das zugrunde liegende Tragende.
Dharma ist ein außerordentlich komplexer Begriff mit vielen Bedeutungen.
In erster Linie bezeichnet er die Lehre des Buddha im Sinne eines universalen Weltgesetzes. Desweiteren werden mit diesem Begriff Ethik und Recht ausgedrückt. Der Begriff bezeichnet aber auch alle Phänomene und alle Daseinsfaktoren.
Sangha (wörtlich Schar):
Bezeichnung für die buddhistische Gemeinde der Ordinierten, also Mönche (Bhikshu) und Nonnen (Bhikshuni), Novizen (Samanera) allgemein, aber auch die Gemeinde der buddhistischen Laienanhänger (Upasaka), die Gemeinschaft aller, die Zuflucht zu den Drei Juwelen genommen haben. Man unterscheidet drei Ebenen: Dharma-Geschwister, Ordinierte, Versammlung der Bodhisattvas.

Inhalte

Inhalte der Kommentare von Ashvagosha

Das Buch ist in fünf Teile gegliedert:

Die Gründe für das Niederschreiben

Die Bedeutung

Die Erklärung

Vertrauen, Gläubigkeit und Praxis

Ermutigung zur Praxis und der daraus erwachsende Nutzen



Die Gründe für das Niederschreiben

Fragt mich jemand nach der Ursache, dem abhängigen Entstehen und der Bedeutung, warum ich diese Kommentare schreibe, so antworte ich: Es gibt acht Beweggründe:

Der erste und wichtigste Grund ist,
die Lebewesen von den weltlichen Sorgen und Leiden zu befreien, um sie Freude, Glückseligkeit und den höchsten Frieden des Nirvana zuteilwerden zu lassen. Ich trachte nicht etwa nach weltlichem Ruhm, materiellem Profit oder nach Ehre und Anerkennung.

Der zweite Grund ist,
dass ich die grundlegenden Bedeutungen der Lehren des Buddha erklären möchte, so dass die Menschen sie richtig verstehen können und keine falschen Vorstellungen über sie haben.

Der dritte Grund ist,
dass die Lebewesen, deren gute Samen für die Lehren des Mahayana gereift sind, von dieser Stufe nicht mehr umkehren.

Der vierte Grund ist,
die Lebewesen mit wenig gutem Karma die Lehre des Buddha mit einem gläubigen Herzen praktizieren zu lassen.

Der fünfte Grund ist,
mit geschickten Hilfsmitteln die Unwissenheit der Lebewesen, ihren Stolz, das Netz ihrer falschen Ideen und die Hindernisse ihres negativen Karma wegzufegen.

Der sechste Grund ist,
den Hörern, die als Hauptziel die persönliche Befreiung aus dem Daseinskreislauf anstreben (das Ergebnis des kleinen Fahrzeugs), und den Alleinerkennern (Pratyekabuddhas), die auf der Stufe der Befreiung noch nicht die vollkommene Erleuchtung erlangten, durch die Praxis der zwei Meditationsmethoden der Shamatha-Meditation, die auch Geistesruhe-Meditation genannt wird, bei der sich der Übende auf ein einziges Objekt konzentriert, und der Vipassana-Einsichtsmeditation durch die „Einsicht“ in die Drei Daseinsmerkmale, Unbeständigkeit (Anicca), Leidhaftigkeit bzw. schwer zu ertragendes (Dukkha) und Nicht-Selbst (Anatta), die Erleuchtung erlangen zu lassen.

Der siebte Grund ist,
den Lebewesen mit geschickten Hilfsmitteln zu erklären, dass sie durch konzentriertes Beten zum Buddha des endlosen Lichtes „Namo Buddha Amithaba“ und zum Buddha des unermesslichen Lebens „Namo Buddha Amitayus“ sicherlich im Land des Buddha wiedergeboren werden; den Lebewesen, den Kindern des Buddha, den Samen ihrer Gläubigkeit an das Mahayana aufblühen zu lassen, um ihre Zweifel zu beseitigen, damit sie die falschen Anhaftungen loslassen.

Der achte Grund ist,
den Lebewesen zu zeigen, welchen Nutzen sie durch das Praktizieren der Lehre des Buddha erlangen können.
Das sind die Gründe, warum ich dieses Buch schreibe.

Jemand fragte Ashvagosha:
Warum werden die Lehren des Buddha, die in den Sutren ausführlich dargelegt sind, nochmals in Kommentare gefasst?

Seine Antwort:
Obwohl in den Sutren die Dharma-Lehren dargelegt sind, sind weder das Karma noch das Verständnis der Lebewesen für die Lehre des Buddha dasselbe. Zu Lebzeiten des Buddha waren die Lebewesen von scharfer Intelligenz und als der Buddha mit seiner wundervollen Buddhaform und seinem Ausstrahlungskörper (Nirmanakaya) lehrte, erklang seine heilige Stimme auf achtfache Weise, gleich dem Donnergrollen: süß, rein und höchst tiefgründig. Die Lebewesen verstanden die Lehre gemäß ihren Anlagen und ihrem Karma. Ihre Auffassungskraft war größer als heutzutage und daher war es nicht notwendig, die Kommentare zu schreiben.
Nach dem Nirvana des Buddha gab es sehr unterschiedliche Lebewesen mit verschiedenen Arten von Karma. Einige konnten aus eigener Kraft die Lehren des Buddha verstehen, andere brauchten nur sehr wenig zu hören, um vieles zu verstehen; wieder andere gab es, die sich ohne eigene geistige Kraft auf die ausführlichen Darlegungen anderer stützten, um Verständnis zu erlangen. Dann gab es jene, welche die ausführlichen Kommentare als zu kompliziert ansahen und nach dem suchten, was umfassend, bündig, aber doch voller Bedeutung war. Aus den genannten Gründen und im Einklang mit dem abhängigen Entstehen habe ich diese Kommentare zu der wunderbaren, herausragenden und tiefgründigen Lehre des Buddha für alle Lebewesen verfasst.
Im Interesse der Menschen unserer Zeit schreibe ich dieses Werk, in dem die tiefste unerschöpfliche Lehre des Tathagata in Kürze umfassend behandelt wird.

2. Die Bedeutung

Als Nächstes wird eine Inhaltsübersicht über das große Fahrzeug (Mahayana) und über die zwei Aspekte gegeben:

Was es ist:

Mahayana ist der große Weg, der für das Ziel steht, alle fühlenden Wesen aus Samsara, dem „beständigen Wandern“, dem immerwährenden Zyklus des Seins, dem Kreislauf von Werden und Vergehen, dem Kreislauf der Wiedergeburten zu befreien. Diese Motivation wird im Mahayana-Buddhismus als Bodhicitta, „Erleuchtungsgeist“ bezeichnet. Dieser Geist ist durch zwei Wünsche gekennzeichnet: Primär geht es darum, anderen zu helfen, sekundär besteht der Wunsch, die volle Erleuchtung eines Buddha zu erlangen.

Die Bedeutung: maha bedeutet groß, yana bedeutet Fahrzeug,

Der Geist umfasst alle Seinszustände der Welt der Erscheinungen und der transzendenten Welt. Der Geist umarmt die irdische wie die überirdische Welt. Die Essenz, die unendliche große Form und die Schatzkammer des unendlichen Raumes, ist der absolute Aspekt dieses klaren und erkennenden Geistes in seiner natürlichen Reinheit.

Alle geschaffenen Phänomene befinden sich im Prozess ewigen Wandels; das gilt auch für den Geist des Buddha. Dieser Prozess hat aber keine Umwandlung im Sinne einer Weiterentwicklung zufolge; es finden einfach Veränderungen statt. Anders verhält es sich mit unserem unreinen befleckten Geist. Er verwandelt sich nicht nur in dem Sinne, dass er ständig wechselnde Situationen erfasst, sondern darüber hinaus im Sinne eines geistigen Fortschritts, wenn wir die entsprechenden Mittel dazu anwenden. In diesem Fall vollziehen wir mit dem Fortgang der Zeit auch eine geistige Umwandlung. Dieser Entwicklungsprozess findet ein Ende mit dem Erreichen der Buddhaschaft.

Damit hat man sich alle positiven Eigenschaften angeeignet und alle negativen Eigenschaften vollständig überwunden. Es gibt nichts Höheres – das Ziel unserer spirituellen Entwicklung ist erreicht. Da das Bewusstsein ein unbeständiges, sich von Moment zu Moment wandelndes Phänomen ist, geht der Prozess der Veränderung aufgrund der sich wandelnden Objekte des Bewusstseins immer weiter.
Alle Buddhas, die Erleuchteten und die Bodhisattvas sowie die zukünftigen Erleuchteten steigen in das Große Fahrzeug, um vom Samsara, dem Kreislauf der Existenzen als Folge von Wiedergeburten, zum Nirvana, Buddhas Land, zu gelangen.

3. Die Erklärung



Nun wird der aus drei Kapiteln bestehende Abschnitt über die Interpretation vorgelegt.

Die Offenbarung der wahren Lehre. Gegen die falschen Anhaftungen. Die Praxis des Weges zur Erleuchtung.

1.Kapitel: Die Bedeutung des Titels.

Der eine Geist und seine zwei Aspekte:

Ein Aspekt des Geistes vom Standpunkt des Absoluten:

Das eine ist Soheit.

Tathata als die Essenz alles Seienden.
„Die Essenz des Selbst ist der subtile Tathagatagarbha“, ein anderes Wort für die Buddha-Natur – das wahre Selbst, das Selbst des Buddha, das keinen Tod kennt. Der Buddha zeigt uns, dass im Inneren jedes Menschen ein großer „Schatz, der ewig und unveränderlich ist", existiert. Dies ist nicht weniger als die innewohnende Buddha-Natur selber.
Die Buddha-Natur wird auch als die Natur des Geistes oder als klares Licht ursprünglichen Gewahrseins bezeichnet.

Der andere Aspekt des Geistes vom Standpunkt der Phänomene:
Das andere ist der Aspekt des Geistes, wie der Kreislauf von Geburt und Tod, Werden und Vergehen.
Die Phänomene verweilen nicht einmal für einen Augenblick, sie erscheinen augenblicklich, verweilen, verändern sich und vergehen wieder. Diese beiden Aspekte akzeptieren alle Dharmas, sie sind nicht voneinander getrennt und schließen sich gegenseitig ein.

Das Wesen der Soheit: Der Bereich (Sphäre) der Phänomene, das Wesen der Soheit, in dem Leerheit und abhängiges Entstehen untrennbar sind. Die Natur des Geistes ist ungeboren, jenseits zeitlicher Bestimmung und unvergänglich. Nur aufgrund von Illusionen erscheinen alle Dinge als unterschiedlich. Die zwei Aspekte, der absolute Aspekt und der Aspekt der Erscheinungen, unterscheiden sich nicht, sondern schließen einander ein. Es ist nicht möglich, die Dinge in ihrer grundlegenden Natur in irgendeiner Form der Sprache angemessen auszudrücken.

Allgemein betrachtet lassen sich alle Phänomene entweder dem Daseinskreislauf (Samsara) oder der Freiheit von Leid (Nirvana) zuordnen.

Das eigentliche Wesen von dem, was Daseinskreislauf (Samsara) genannt wird, ist Leerheit. Seine Erscheinungsweise ist Täuschung und seine charakteristische Eigenschaft ist das Auftreten von Leid.

Dazu sagt Nagarjuna: „Es gibt nicht den geringsten Unterschied zwischen Nirvana und Samsara; es gibt nicht den geringsten Unterschied zwischen Samsara und Nirvana.“

Das eigentliche Wesen von dem, was Freiheit von Leid (Nirvana) genannt wird, ist (ebenfalls) Leerheit. Seine Erscheinungsweise ist völliges Erschöpfen und Auflösen von Täuschung und seine charakteristische Eigenschaft ist Befreiung von allem Leid.

Wer unterliegt dieser Täuschung im Daseinskreislauf? Es täuschen sich alle Lebewesen der drei Daseinsbereiche.

Was ist die Basis der Täuschung? Die Täuschung bezieht sich auf die Leerheit selbst.

Was ist die Ursache der Täuschung? Man wird durch große Unwissenheit getäuscht.

In welcher Form zeigt sich die Täuschung? Die Täuschung manifestiert sich als die sechs Daseinsbereiche der Lebewesen.

Was sind Beispiele für Täuschung? Täuschung ist ähnlich wie Schlaf und Traum.

Wie lange dauert die Täuschung schon an? Die Täuschung besteht, seit es den Daseinskreislauf ohne Anfang gibt.

Was für einen Nachteil hat die Täuschung? Man erfährt ausschließlich Leid.

Wann wird sich diese Täuschung in ursprüngliches Gewahrsein verwandeln? Wenn die unübertreffliche Erleuchtung erlangt ist. Denkst du jedoch, diese Täuschung würde sich von selbst auflösen, (so höre): Der Daseinskreislauf ist bekannt dafür, endlos zu sein!

Weil der Daseinskreislauf tatsächlich Täuschung und großes Leid von langer Dauer ist und nicht von selbst endet, sollten wir uns von jetzt an – mit allen Mitteln – um die unübertreffliche Erleuchtung bemühen.

Das, was die wesentliche Natur des Geistes genannt wird, ist ungeboren und unvergänglich. Nur aufgrund von Illusionen scheinen alle Erscheinungen unterschiedlich zu sein. Alle Erscheinungen und Töne entspringen subtilen geistigen Eindrücken, die von den Gedanken hinterlassen werden.
So, wie eine Zeichnung im Wasser von selbst wieder verschwindet, lösen sich auch die täuschenden Erscheinungen von selbst auf, wenn man versteht, dass sie jeglicher Realität entbehren. Wer von Täuschungen befreit ist, dem erscheinen keine Objekte als absolut unabhängig (Kapitel 8).

Ursprünglich gibt es keine Erklärungen durch Worte. Alle Erklärungen durch Worte erfolgen versuchsweise und sind ohne letztendliche Gültigkeit. Die Essenz von Tathata ist die unbeschmutzte, reine, ursprüngliche Durchdringung alles Seins, die man mit der Sprache nicht erklären kann, (hier begegnet uns die Grenze der Verbalisierung).

Nagarjuna: Während das Objekt des Denkens abwesend ist, hört die Aussage auf; denn, genau wie im Fall von Nirvana, kann die wesentliche Natur aller Dinge, die weder geboren ist noch vergeht, mit Aussagen nicht belegt werden.

Wenn man von der ursprünglichen Natur der Lebewesen spricht, ist das die Dharma-Natur, die man verbal nicht erklären kann. Obwohl in allen Lebewesen Formen geistiger Verunreinigungen gefunden werden können, haben sie eine Buddha-Natur. Wenn das Tor des Geistes, durch das alle Erscheinungen hervortreten, nicht mehr von Konzepten versperrt und entstellt wird, wird sichtbar, dass sie ohne jede substanzielle Wirklichkeit sind; sie sind leuchtende Klarheit und was auch immer erscheint, bleibt einem natürlichen Geschehen überlassen.
Verfälschte Wahrnehmungen entstehen aus dem Glauben an eine Wirklichkeit.
Unterstützt von einer beständigen Einsicht in ihre Unwirklichkeit, verweilt man entspannt, um auszuruhen in der spontanen, ursprünglichen Natur, und die offene Weite, in der nichts mehr zu tun ist, wird mühelos erlangt. Man geht auf dem Weg zur Buddhaschaft und öffnet das Tor zum Zimmer des großen Mitgefühls und der großen Liebe – mit einfühlsamer, sanfter und friedlicher Geduld –, in dem die Reinheit der Weisheit weilt.

1. Leerheit,


die sich nur erfahren lässt, wenn alle fehlerhaften Erkenntnisse überwunden sind, ist die wahre Wirklichkeit des Universums. Tathata ist, wie die Sonne am blauen Himmel, ohne Wolken, ohne Konzepte und ohne Unterscheidungen.

2. Die Nicht-Leerheit
Sogar die Leerheit erklärt Nagarjuna für leer von inhärenter Existenz.

Da der Geist gewöhnlicher Lebewesen stets von dualistischer Wahrnehmung begleitet ist, ist die Erkenntnis der Leerheit die beste Methode, um jede Negativität zu bereinigen – darum ist es notwendig, sie zu verwirklichen. Wenn die Täuschungen beseitigt sind, indem wir Methode und Weisheit anwenden, erlangen wir die Buddhaschaft, durch die sich alle unsere Wünsche erfüllen und durch die wir zudem in der Lage sind, den Lebewesen zu helfen.

Nagarjuna sagt, dass falsch verstandene Leerheit (Shunyata) einen dummen Menschen zerstört, so wie das eine Schlange, mit der man nicht richtig umgeht, oder ein Zauber, der schlecht ausgeführt wird, tun würde.

Die buddhistische Sicht des Geistes hat drei Merkmale:

Die Substanz des Geistes, von der man sagt, sie sei Leerheit.

Die Natur des Geistes, von der man sagt, sie sei Klarheit.

Die Form oder Beschaffenheit des Geistes, von der man sagt, sie sei ungehindert in dem Sinne, dass sie nicht entsteht, verweilt oder vergeht.

Geist erscheint wie alle Phänomene nicht aus seiner eigenen Natur heraus, sondern durch das Auftreten passender Ursachen und Bedingungen. Speicherbewusstsein (Alaya-vijñâna)

Dieses Bewusstsein hat zwei Aspekte: den Aspekt der Erleuchtung und den Aspekt der Nicht-Erleuchtung. Alaya bedeutet ursprünglich Wohnsitz, Speicherbewusstsein: die Funktionsweise des Geistes, positive, negative oder neutrale Eindrücke zu speichern und beim Auftreten entsprechender Bedingungen wieder heranreifen und sich nach außen manifestieren zu lassen. (Sie ist mit der Festplatte eines Computers vergleichbar.)
Das Speicherbewusstsein ist weder gleich noch verschieden, weder individuell noch kollektiv. Gleichheit und Vielfalt bedingen und durchdringen einander.
Das Kollektive und das Individuelle bringen einander hervor. Sämtliche Grundlagen, die als Körper und Geist manifest werden, als Daseinsbereiche, Stufen und Welten, sind in unserem Bewusstsein gespeichert.
Deshalb wird es Speicherbewusstsein genannt. Die Funktion des Speicherbewusstseins ist es, diese Grundlagen und ihre entsprechenden Gewohnheitsenergien aufzunehmen und zu bewahren, damit sie in der Welt manifest werden oder weiter ruhen können. Bis zur Quelle des Geistes erleuchtet zu sein, wird „endgültige Erleuchtung“ genannt, nicht bis zur Quelle des Geistes erleuchtet zu sein, heißt „nicht endgültige Erleuchtung“.

Wenn sich Menschen bewusst sind, dass ihre früheren Gedanken falsch waren und sie in der Lage sind, das erneute Entstehen solcher Gedanken aufzuhalten, nennt man das die Praxis der Erleuchtung.

Unverstellt und unbestimmt fließt das Speicherbewusstsein in dauernder Veränderung. Gleichzeitig ist es mit den Sinneswahrnehmungen versehen.

Obwohl vergänglich und ohne ein eigenständiges Selbst, enthält das Speicherbewusstsein sämtliche Erscheinungen des Universums. Die Qualität unseres Lebens hängt von der Qualität der Wurzeln ab, die tief in unserem Bewusstsein haften.

Die Hörer, die als Hauptziel die persönliche Befreiung aus dem Daseinskreislauf anstreben, und die Alleinerkenner, die ohne Lehrer über die Natur des Geistes und das abhängige Entstehen meditieren, sowie die Bodhisattvas mit dem aufstrebenden Erleuchtungsgeist befinden sich in einer Phase, in der die erleuchtete Essenz noch nicht gereinigt ist. Ihre Erfahrung wird die ähnliche stufenweise Erleuchtung genannt. Für sie sind die zwei Punkte schwer zu verstehen: der Geist in seiner natürlichen Reinheit und die Tatsache, dass eben dieser Geist befleckt ist. Sie können diese Einsichten ausschließlich durch Vertrauen in den Tathagata gewinnen.

Sämtliche Manifestationen tragen die Zeichen sowohl des Individuellen als auch des Kollektiven.
Die Reifung des Speicherbewusstseins funktioniert gleichermaßen durch seinen Anteil an den verschiedenen Stufen, wie durch die Daseinsbereiche.

Mit der zehnten Bodhisattva-Stufe ist die Praxis der geschickten Hilfsmittel beendet. Die groben, dann die feineren und schließlich die subtilsten Täuschungen wurden einem Klärungsprozess unterzogen, um die endgültige Erleuchtung zu erreichen. Der Bodhisattva wird das Einssein mit Tathata, der Wirklichkeit der Soheit, in einem Augenblick erfahren; er wird sich bewusst sein, wie die Anfänge der täuschenden Gedanken entstehen und er wird von der Entstehung jeglicher Art von täuschenden Gedanken frei sein. Da er selbst von subtilen täuschenden Gedanken weit entfernt ist, ist die grundlegende Unwissenheit erschöpft. Er ist in der Lage, eine Einsicht in die ursprüngliche Natur des Geistes zu haben.

Deshalb wird in einem Sutra gesagt, dass ein Mensch, der in der Lage ist, das, was jenseits von Gedanken ist, wahrzunehmen, sich in die Richtung der Weisheit des Buddha bewegt.

Wird Verblendung überwunden, herrscht Verstehen vor und das Speicherbewusstsein ist keinen Trübungen mehr unterworfen. Es wird zur „großen spiegelgleichen Weisheit“ und spiegelt das Universum in allen Richtungen.
Sein Name lautet nun „reines Bewusstsein“.

Was die Kontinuität anbelangt, ist Tathata von immerwährender Natur, da Tathata im Absoluten frei von Entstehen und Vergehen ist. Die Gedanken gewöhnlicher Wesen haben seit endlosen Zeiten angesammelte Gewohnheitstendenzen, die eine gemeinsame Ignoranz darstellen; daher wird gesagt, dass sie nicht erleuchtet sind.

Seit anfangslosen Zeiten existiert diese Unwissenheit. Durch die Praxis auf dem Pfad der Kultivierung, wo sich die Praktizierenden immer mehr daran gewöhnen sollen, wie die Dinge wirklich sind, gewinnen die Praktizierenden Einsicht in das, was frei von Gedanken ist, und sie erreichen den Raum zwischen den täuschenden Gedanken, die Situation, in der man das Speicherbewusstsein für Gewohnheiten erkennen kann.

Die Meditationsmethode besteht jedoch nicht darin, das täuschende Denken einfach zu unterbrechen, indem Zurückhaltung oder Disziplin angewandt wird. Das gleichzeitige Entstehen, Verweilen und Vergehen von täuschendem Denken tritt automatisch auf. Es braucht keine Mühe, damit dies geschieht. Wir müssen uns jedoch bemühen, um dies zu erkennen und uns mit Verständnis darauf auszurichten. Anderenfalls folgen wir entweder bei geistiger Abschweifung unseren Gedanken oder wir verfallen bei geistiger Dumpfheit in eine Benommenheit und verstehen nichts. Alle Phänomene sind wie ein Traum. Wenn wir aus dem Traum erwachen, ist die wahre Natur des Traumes nicht mehr zu erkennen. Solange man träumt, ist man sich nicht bewusst, dass man träumt. Die Erkenntnis, dass es ein Traum war, kann vom Traum befreien. Auf ähnliche Weise kann man erst dann, wenn die korrekte Sichtweise gefestigt wurde, erkennen, dass die eigenen, früher gehegten Sichtweisen falsch waren und ist in der Lage, zu verstehen, warum falsche Sichtweisen auf bruchstückhaften oder nicht korrekten Annahmen aufgebaut worden sind. Dann wird man erst vom Entstehen aller täuschenden Gedanken frei sein.

Verweilen, Verändern und Vergehen geschieht auf die gleiche Art und Weise. Die Praktizierenden, die diese vier Aspekte vom Entstehen bis hin zum Vergehen vollständig erfasst und verstanden haben, werden als Nächstes beobachten, dass alle diese Phänomene nicht einmal für einen Augenblick verweilen, sondern dass sie in jedem Moment neu entstehen und vergehen; und sie werden weiters klar erkennen, dass sie augenblicklich erscheinen, verweilen, sich verändern und vergehen.

Es wird gesagt, dass die Essenz des Geistes frei von Gedanken ist und die eine Lehre frei von Form in Abhängigkeit von Ursachen und Wirkungen existiert und es daher keine Form gibt. Begründet in der Ignoranz und dem abhängigen Entstehen sind die gewöhnlichen Lebewesen nicht erleuchtet. Weil sie immer einen ständigen Strom von täuschenden Gedanken hatten und niemals frei von ihren Gedanken gewesen sind, wird deshalb davon gesprochen, dass sie sich in anfangsloser Unwissenheit befinden. Wenn ein Mensch durch das Praktizieren Einsicht gewinnt, ist der Dharma wie Wasser, das den Schmutz der anfangslosen Unwissenheit und der täuschenden Gedanken fortwäscht und reinigt. Er erkennt, wie die falschen täuschenden Gedanken entstehen, verweilen, sich verändern und aufhören zu sein, denn er ist identisch mit dem, das frei von Gedanken ist. Die Essenz des Geistes ist das Freisein von Gedanken, das Nicht-in-Gedanken-Sein. Dass kein Phänomen einen substanziellen Wesenskern besitzt, ist eine der Grundaussagen des Buddha. Vielmehr existieren alle Dinge und Wesen lediglich aufgrund bestimmter Ursachen und Bedingungen. Sie entstehen in wechselseitiger Abhängigkeit und Bezogenheit, eine unveränderliche Selbstidentität besitzen sie nicht. Daher gibt es auch keinen Unterschied zwischen der praktizierenden Erleuchtung und der ursprünglichen Erleuchtung. Da die Wünsche, die Charaktere und die Begierden der Lebewesen verschieden sind, lehrte der Buddha auf unterschiedliche Art und Weise. Da das Verständnis der Lebewesen verschieden ist, sind auch die Erlangungen des Dharma, die Verdienste und die Pfade verschieden. Ohne die vergänglichen täuschenden Gedanken gibt es die vier Aspekte Entstehen, Verweilen, Verändern und Vergehen nicht. Man ist vom Traum erwacht.

Die ursprüngliche Erleuchtung in Beziehung zu den verunreinigten Zuständen wird folgendermaßen erklärt:

1. Die Reinheit der Weisheit.

2. Die Karma-Handlungsform ist unvorstellbar und jenseits gewöhnlicher Gedanken.

Die Reinheit der Weisheit:

Aufgrund der Durchdringung und durch das Praktizieren des Dharma – der Lehre des Buddha –, dank dieser Dharmakraft und der ursprünglichen Erleuchtung hat ein Wesen die Fähigkeit mit geschickten Hilfsmitteln die Lebewesen zu lehren. Durch diese Entwicklung sind die weitergehenden vergänglichen Gedanken erloschen, die Manifestation des täuschenden Geistesstroms ist beendet und die Weisheit und Reinheit des Dharmakaya erscheint.

Die Reinheit der Weisheit des Dharmakaya ist dem Spiegel gleich; vom Staub der vergänglichen Gedanken befreit, strahlt er wie eine Sonne im vollen Glanz.
Wenn man in einem reinen, hellen Spiegel oder in einem Gefäß mit klarem Wasser Schmutz oder Staub bemerkt und sich dann bemüht, diesen Schmutz oder Staub zu entfernen: das ist die unvorstellbare Karma-Handlungsform. Tief in jedem Wesen verborgen ist demnach das überweltliche und unvergängliche wahre Selbst. Dessen volle Wahrnehmung kann jedoch nur durch die Erleuchtung erreicht werden. Über die wahre Erleuchtung kann nichts ausgesagt werden. Das ist der wahrhaft unbegreifliche und tiefgründige Zustand der Buddhas. Menschen der zwei Fahrzeuge können ihn nicht erfassen und sogar Bodhisattvas der zehn Stufen können ihn nicht erlangen. Nur ein Buddha zusammen mit einem Buddha kann es verstehen.
Alle Erscheinungsformen sind demnach tatsächlich nur eine Ansammlung von sich konstant verändernden, physischen und psychischen Bestandteilen; solange Unwissenheit besteht, entsteht Leiden. Die Empfindungen des materiellen Körpers mit seinen Sinnesorganen, die Gefühle, die Wahrnehmung, die Geistesformationen und schließlich das Bewusstsein haben kein festes Selbst, denn sie sind der Veränderung und dem Verfall unterworfen – jenseits dessen befindet sich Tathata, das ewige Buddha-Prinzip, die Buddha-Natur, die nicht von den drei Merkmalen der Existenz losgelöst ist: Vergänglichkeit, Leiden und das Nichtvorhandensein eines permanenten und unveränderlichen Selbst. Der Mensch, mit anderen Worten das menschliche Selbst, existiert in Form einer begrifflichen Beifügung, die mit den fünf körperlichen und geistigen Aggregaten verbunden wird.
Es ist dieses als Konvention existierende Selbst, das seit anfangsloser Zeit von Leben zu Leben geht.
Beide Zustände sind nicht voneinander getrennt. Wie es ohne das Wasser des Ozeans nicht eine Welle geben kann, existiert auch kein Tropfen Wasser ohne Welle. Wasser und Wellen sind nicht verschieden. Dies ist wie die Beziehung, die zwischen dem Wasser des Ozeans der Erleuchtung und seinen Wellen, den Zuständen des Geistes, die vom Wind der Unwissenheit aufgewühlt werden, besteht. Wasser und Wind sind untrennbar. Wasser ist von Natur aus nicht beweglich, und wenn der Wind sich legt, hört die Bewegung auf, aber die nasse Natur bleibt erhalten. Auf gleiche Weise wird der Geist des Menschen, der in seiner Eigennatur rein ist, vom Wind der Unwissenheit bewegt. Weder Geist noch Unwissenheit verfügen von sich aus über bestimmte Formen und sind untrennbar.
Durch die Dharmapraxis mit ihren unzählbaren Verdiensten, unterstützt von ethischem Verhalten und Meditation, nützt man den Lebewesen und der Weg zur Erleuchtung, der völligen Befreiung (Nirvana), kann erfolgreich gegangen werden.

Teil 2






Teil 2

Die Buddhaschaft hat drei Aspekte oder Körper: den Wahrheitskörper, Dharmakaya; den Freudenkörper, Sambhogakaya; den Ausstrahlungskörper, Nirmanakaya.

Der Formkörper und der Ausstrahlungskörper dienen dem Nutzen anderer. Wir sprechen vom Wahrheitskörper, wenn durch das Erkennen des wahren Sinnes der Leerheit, des Raumes und der Phänomene alle Fehler ein Ende haben. Wahrheitskörper ist eine konventionelle Bezeichnung.
Die drei Körper haben drei gemeinsame Merkmale. Sie sind gleich hinsichtlich Grundlage, Geisteshaltung und Aktivität.
So wie die Sonne in allen Wassergefäßen, so spiegelt sich ein zur Freude Gegangener zugleich im reinen Geiste einer unbegrenzten Zahl von Schülern.
So agiert der Körper der vollkommen Erwachten für das Wohl der Wesen frei von Vorstellungen.
Essenz der Erleuchtung.
Tathata, die Soheit, ist für alle unterschiedslos gleich.
Aus diesem Grund besitzen alle Lebewesen diese Essenz, doch nur wer sie freigelegt hat, ist ein Vollendeter.
Die Essenz der Erleuchtung ist identisch mit der des Himmels oder des reinen Spiegels. Der Himmel ist überall, der Buddha ist überall, im reinen Spiegel erscheint alles.

1. Die reine Essenz des Geistes.
Sie ist die höchste Reinheit und Einheit, die allumfassende Ganzheit, die Quintessenz der Wahrheit. Die Essenz des Geistes gehört weder zu Tod noch Wiedergeburt, sie ist ungeboren und ewig. Die Essenz der Erleuchtung ist ein reiner Spiegel. Er ist frei von allen Merkmalen geistiger Objekte und er hat von sich selbst aus nichts zu zeigen. Die Essenz der Erleuchtung ist frei von allen falschen vergänglichen Gedanken, und frei von Gedanken existiert sie selbst ohne Objekt. Vom Standpunkt des Absoluten aus existiert die Pluralität nicht. Was existiert, ist einzig das Absolute, so wie der Raum ohne einen zweiten ist.

Diese Realität des ungeteilten Universums wird Bhutatathāta (skr. Soheitdes Daseins) genannt und ist in vier Stufen eingeteilt.

Dharma-Dhatu der phänomenalen Welt : unsere Welt, deren Phänomene in gegenseitiger Abhängigkeit entstehen und vergehen (Samsara).

Dharma-Dhatu des herrschenden Prinzips : die Welt, in der es keine Unterscheidungen gibt und daher nichts mehr entsteht oder vergeht. Dies ist die Welt des Bewusstseins, das keinerlei Anhaftungen an die materielle oder immaterielle Welt kennt. Dies ist die Welt der Madhyama-Shunyata, die Welt der absoluten Gleichheit.

Dharma-Dhatu der ungehinderten phänomenalen Welt: Welten der Unterscheidung und Welten der Nichtunterscheidung hängen dennoch von Ursache und Wirkung ab. Sie ändern und bewegen sich ständig, sind aber nur Phänomene der Natur. Dies nennt man Tathagata-Garba, die Welt ohne Hindernisse.

Dharma-Dhatu des ungehinderten herrschenden Prinzips: der reine Körper des Universums hat keine Form und keine Grenzen und kein individuelles Bewusstsein. Er durchdringt alles, jeden Zustand und jede Form. Daher ist jeder Aspekt in unserem Universum nichts anderes als eine ungeteilte Wesenheit. Alles ist in Einem, Eines ist in Allem. Dies ist die Welt, in der vollkommene Gleichheit und Unterschiedslosigkeit herrscht.


2. Trübung durch Unwissenheit.
Avidya


Bedeutet so viel wie Nichtwissen, aber nicht im Sinne von Unwissen oder unbekannt, sondern im Sinne von vorhandenem, aber falschem Wissen bzw. Täuschung. Avidya wird als die Mutter oder Quelle betrachtet, aus der die anderen „Kleshas“, Leiden, entstehen.

Ein Schleier legt sich über die Wahrnehmung und trübt diese. Unter Avidya versteht man eine falsche Art des Verstehens, eine falsche (subjektive) Art der Interpretation einer Situation. Avidya ist das Ergebnis angehäufter Erfahrungen: In einer bestimmten Situation wurde einmal auf eine bestimmte Art empfunden, gedacht, verstanden, gehandelt – fortan wird automatisch, mechanisch, beinahe blind wiederholt. Der Mensch ist in seiner Wahrnehmung und seinem Handeln festgelegt (Samskara).

Das bedeutet, dass im Spiegel alle Objekte gleichzeitig als abhängig von Ursachen und Gewohnheiten erscheinen, die weder nach außen treten noch hereinkommen und die weder verloren gehen noch zerstört werden.
Gewahrsein und Leerheit sind untrennbar wie Spiegel und Spiegelbild. Nichts entsteht und nichts vergeht. Die Gedanken manifestieren sich aus der Leerheit und vergehen wieder in ihr, so wie Dinge im Spiegel erscheinen und wieder verschwinden.
Da die Dinge nicht tatsächlich im Spiegel sind, hören sie nicht auf zu bestehen, wenn sie nicht mehr widergespiegelt werden. Die Natur des Spiegels ist frei von den verunreinigten Objekten, von weltlichen Sorgen und Leiden, die sich in ihm spiegeln. Frei von Gedanken ist sie wie ein blauer Himmel, hell und klar; sie kennt keine Hindernisse und keine Unterscheidungen.
Weil der Körper vollkommenen Erwachens (vor Qualitäten) strahlt, da die Soheit keine Unterschiede aufweist und
alle Wesen die Essenz der Erleuchtung zu eigen haben,
besitzen sie für immer die Buddha-Natur.

Das allwissende verwirklichte Gewahrsein umfasst die Verwirklichungen, die ausschließlich den edlen Buddhas vorbehalten sind.

Das verwirklichte Gewahrsein des Pfades umfasst die Verwirklichungen, die alle Bodhisattvas – einschließlich der edlen Buddha – gemeinsam haben.

Das grundlegende verwirklichte Gewahrsein umfasst die Verwirklichungen, die Hörer, Alleinerkenner und Bodhisattvas – einschließlich der edlen Buddhas – gemeinsam haben.

Der Aspekt der Nicht-Erleuchtung: Weil das Einssein mit der Soheit nicht wirklich erkannt wird, taucht der unerleuchtete Geist auf und als Folge davon auch dessen verwirrte Gedanken. Der Geist ist in der Lage Formen, Töne und andere Phänomene zu erfassen sowie Glück und Leid zu erleben. Die Tatsache, dass dieser Geist durch die Anhäufungen verschiedener Arten von Karma und die Macht der Unwissenheit befleckt ist, hält uns im Daseinskreislauf gefangen. Das wird grundlegende Unwissenheit genannt. Wenn sich Menschen wegen ihrer falschen Vorstellung verirren, geschieht das wegen ihres falschen Gefühls; wenn sie gänzlich von der Ausrichtung befreit sind, dann können sie sich auch nicht mehr verirren. Das Gleiche gilt für die Menschen, wenn sie von Erleuchtung sprechen – aufgrund der falschen Vorstellung von der Erleuchtung sind sie verwirrt. Wenn sie von der Vorstellung von Erleuchtung befreit sind, dann wird es so etwas wie Nicht-Erleuchtung nicht geben. Weil es Menschen gibt, die einen nicht erleuchteten und verwirrten Geist haben, wird zu ihnen von Erleuchtung gesprochen. Unabhängig von dem nicht erleuchteten Geist gibt es keine Merkmale der wahren Erleuchtung selbst.

Das erleuchtete Bewusstsein ist im Nicht-Manifesten verwurzelt und ist letztendlich damit eins. Es weiß, dass es das ist. Selbst, wenn es sich um eine kleine Sache handelt wie die visuelle Wahrnehmung einer Form, die, wenn man sie in einem Zustand großer Wachsamkeit und tiefer Stille wahrnimmt, frei von Zukunft und Vergangenheit ist, dann ist es im gleichen Moment bereits das Nicht-Manifeste. In dem Augenblick ist man keine Person mehr. Das Nicht-Manifeste nimmt sich selbst in der Form wahr.
Dann entstehen alle Handlungen daraus und die besitzen eine völlig andere Qualität als Handlungen, die aus dem nicht erleuchteten Bewusstsein entstehen, das etwas braucht und sucht, um sich zu beschützen. Hier sind die nicht greifbaren und kostbaren Qualitäten zu finden, die wir Liebe, Glück, Mitgefühl und Frieden nennen. Sie alle sind eins mit dem Nicht-Manifesten.
Der nicht erleuchtete Geist bringt drei Aspekte hervor, die mit der Nicht-Erleuchtung verbunden und von dieser untrennbar sind.

Handlungen aus Unwissenheit, Bewegungen des Geistes aufgrund seines nicht erleuchteten Zustandes heißen Aktivität. Im erleuchteten Zustand ruht der Geist; er bewegt sich nicht. Wenn der Geist in Bewegung ist, folgt Leiden; die Resultate sind nicht getrennt von der Ursache, das heißt, von der durch die Unwissenheit bedingten Bewegung.

Das wahrnehmende Subjekt. Wo es Lebewesen gibt, gibt es Karma und emotionale Verblendung durch die sechs Sinnesorgane Auge, Ohr, Nase, Zunge, Tastsinn und das Denkorgan.

Wo immer es Raum gibt, da gibt es auch Lebewesen mit vergänglichen Erscheinungsformen; durch falsch verstandene Wahrnehmungen bringt der Geist sechs Aspekte hervor.

Die sechs Aspekte.

1. Der Aspekt der unterscheidenden Denkfähigkeit.
Wobei der Geist, gestützt auf die falsche, unwissende Anschauung in Bezug auf die Phänomene, zwischen Zuneigung und Abneigung unterscheidet.

2. Der Aspekt der Kontinuität.
Aufgrund der unterscheidenden Denkfähigkeit bringt der Geist ununterbrochen ein Bewusstsein für Freude und Leid in Bezug auf die Dinge hervor.

3. Der Aspekt der Anhaftung.
Wegen der Kontinuität der Gedanken haftet der Geist an den Objekten von Freude und Leiden an, entwickelt Zuneigung oder Abneigung und hält daran fest.

4. Der Aspekt der Vermutung.

Geistige Prozesse, deren Konzepte zur Bildung von Urteilen, Ansichten und Meinungen führen. Der Begriff bedeutet meist verblendetes oder fehlerhaftes Denken, Emotionen, ist befleckt mit Wünschen und erfasst nicht die wahre Natur, wie sie ist.

5. Der Aspekt des Verursachens von Karma.
Wegen der fehlerhaften Konzepte entwickelt der Geist Anhaftung und schafft viele verschiedene Arten von Karma. In diesem Sinne ist es mit dem Begriff „Prapañca“ synonym, der geistige Ausbreitung bedeutet, eine Aktivität des verblendeten und nicht erleuchteten Geistes.

6. Wegen des Gesetzes vom Karma erhält der Geist Resultate und kann nicht frei sein. Unwissenheit kann alle Arten von verunreinigten Zuständen hervorbringen. Alle verunreinigten Zustände sind Aspekte der Nicht-Erleuchtung.

Das Bewusstsein, das Dinge, die in Abhängigkeit von Ursachen und Wirkungen entstanden sind, als endgültig existent erfasst, wird vom Buddha Unwissenheit genannt.
Von dieser Unwissenheit gehen die Zwölf Glieder des Abhängigen Entstehens aus. (Aus dem Akashagarbha-Sutra)

Sie beschreiben die Abhängigkeit zwischen dem Zyklus und dem Daseinskreislauf, der ein Wesen durch die Anhäufung verschiedener Arten von Karma und durch die Macht der Unwissenheit in den Daseinskreislauf zieht:

Die Zwölf Glieder des Abhängigen Entstehens:

Durch Ignoranz entsteht karmisches Handeln.
Durch karmisches Handeln entsteht Bewusstsein, durch Bewusstsein entstehen Name und Form.
Name und Form bedingen die sechs Sinnesorgane. Die sechs Sinnesorgane bedingen Berührung,
durch Berührung entsteht Empfindung, durch Empfindung entsteht Verlangen. Verlangen bedingt Ergreifen.
Ergreifen bedingt Dasein. Dasein bedingt Geburt.
Durch Geburt gibt es Krankheit, Leiden, Alter und Tod.
Das allumfassende Leiden ist entstanden.
Endet die Unwissenheit, endet karmisches Handeln.
Endet karmisches Handeln, endet das Bewusstsein.
Endet das Bewusstsein, enden Name und Form.
Enden Name und Form, enden die sechs Sinnesorgane.
Enden die sechs Sinnesorgane, endet die Berührung.
Endet die Berührung, endet die Empfindung.
Endet die Empfindung, endet das Verlangen.
Endet das Verlangen, endet das Ergreifen.
Endet das Ergreifen, endet das Dasein.
Endet das Dasein, endet die Geburt.
Gibt es keine Geburt mehr, enden Krankheit, Leiden, Alter und Tod.
Das allumfassende Leiden ist erloschen.

Die Beziehung zwischen Nicht-Erleuchtung und Erleuchtung.

Nicht-Erleuchtung ist der Grund weltlicher Sorgen und weltlichen Leidens. Obwohl in jedem Lebewesen die Buddha-Natur vorhanden ist, ist die zeitgebundene Form des Bewusstseins aufgrund der Unwissenheit zwischen Begierde und Furcht hin- und hergerissen. Erleuchtung ist Befreiung von Leid. Die wahre Natur, die Soheit, ist frei von Unterschieden: Die Soheit (das ursprüngliche Gewahrsein) der Buddhas und die Soheit gewöhnlicher Lebewesen weist keine Unterschiede auf wie besser und schlechter, größer und kleiner, höher und niedriger. Deshalb tragen alle Lebewesen die Möglichkeit des Erwachens in sich. Alle Lebewesen besitzen die Buddha-Natur, die sich nur insofern von einem Buddha unterscheidet, als ihre reine Natur erst hinter einem Schleier geistiger Befleckungen entdeckt werden muss.

Es gibt zwei Sichtweisen:

1. Die gleiche Sichtweise.
Wie die vielen verschiedenen Stücke der Töpferwaren gleicher Natur sind, da sie alle aus Töpfererde sind, und so wie der Töpfer aus dem gestaltlosen Lehm Gefäße formt, so schaffen wir durch Taten, Worte und Gedanken aus dem noch ungeformten Material unseres Lebens und aus unseren Sinneseindrücken die Gefäße unseres künftigen Bewusstseins, nämlich das, was diesem Bewusstsein Form und Richtung gibt. Da ist unermesslicher Raum. Da sind unermessliche Stille und kleine Wellen an der Oberfläche, die nicht voneinander getrennt sind, genauso wie die Wellen und der Ozean nicht voneinander getrennt sind. Da die Buddha-Natur als Essenz tief in unserem Herzen verwurzelt ist, kann man Tathata nicht erschaffen und es kann nichts über die Buddha-Natur ausgesagt werden.

2.Die unterschiedlichen Sichtweisen.
Genauso wie verschiedene Stücke von Töpferware sich voneinander unterscheiden, existieren auch Unterschiede bezüglich der Zustände der Erleuchtung. Erleuchtung ist die Erfahrung, dass Körper, Gedanken und Gefühle kein wirkliches Ich sind und störende Gefühle, weltliche Sorgen und Leiden nicht mehr vorhanden sind („kleine Erleuchtung"). Die Buddha-Natur des eigenen Geistes jenseits von Hoffnung und Furcht

und falschen Vorstellungen erfahren zu können, nennt man die volle Erleuchtung.
Nicht-Erleuchtung, die wesentliche Natur der Soheit, verblendet, unwissend, mit weltlichen Sorgen, Leiden und niederen Motiven befindet sich in Übereinstimmung mit Verunreinigung. Die relative Wirklichkeit bezeichnet die Welt so, wie sie von nicht erleuchteten Wesen wahrgenommen wird. Die Erfahrung absoluter Wirklichkeit manifestiert sich im Nirvana und wird mit dem Erreichen der Erleuchtung dauerhaft.

Die Ursachen und Bedingungen: Das Speicherbewusstsein (Alaya).
Ohne Speicherbewusstsein gäbe es keine heilsamen bzw. unheilsamen Samen.
Die 6 Sinnes-Bewusstseinsarten sind aber mitunter positiv, mitunter negativ. Nur ein neutrales Bewusstsein kann der Speicher für positive und negative Samen sein, eben das Speicherbewusstsein – Alaya.
Das Speicherbewusstsein sammelt sämtliche Erfahrungen eines Lebewesens und stellt die Grundlage der gegenwärtigen und kommenden Existenzen dar. Es erhält Eindrücke der sieben Formen des Bewusstseins und bewahrt diese als mögliche Energie für weitere Handlungen. Es dient als Basis der übrigen Formen des Bewusstseins und wird auch als Basis-Bewusstsein oder ursächliches Bewusstsein bezeichnet.
Dass ein Mensch sich im Samsara, im Kreislauf der Wiedergeburten befindet, resultiert aus der Tatsache, dass sein Geist und sein Bewusstsein sich auf der Grundlage des Speicherbewusstseins entwickeln. Das bedeutet, dass er wegen des Aspekts der Nicht-Erleuchtung des Speicherbewusstseins und der Unwissenheit gefesselt im Samsara verweilt.
Jede Erscheinung in der Welt des Anscheins ist so kurzlebig und flüchtig, dass es aus der Sicht des Absoluten scheint, als wäre alles, was im manifesten Bereich geschieht, bloß ein Schattenspiel. Es scheint wie ein Dunst oder Nebel, in dem immer neue Formen entstehen und verweilen, sich verändern und verschwinden. Jemand, der zutiefst im Nicht-Manifesten verwurzelt ist, könnte es durchaus als irreal bezeichnen. Man nennt es die Gewissheit, weil man es nicht getrennt von Soheit (Tathata) sehen kann.
Freiheit ist ein geistiger Zustand, bedeutet frei zu sein von Bildern, Vorstellungen, Konditionierungen durch unsere Erziehung, wobei wir schon sehr früh intensive Prägungen erhalten haben.

Die Ursachen und Bedingungen:

Ein Phänomen tritt aufgrund seiner innewohnenden Natur, des ursächlichen und abhängigen Entstehens als Wirkung in Erscheinung. Aufgrund seiner innewohnenden Natur, des abhängigen Entstehens, verweilt ein solches Phänomen. Aufgrund seiner innewohnenden Natur, des abhängigen Entstehens, verändert sich dieses Phänomen. Aufgrund seiner innewohnenden Natur, des abhängigen Entstehens, vergeht dieses Phänomen.

Obwohl unser Geist kein körperliches Phänomen ist, entstehen die Geisteszustände ebenfalls aus dem Zusammentreffen verschiedener Ursachen und Bedingungen, so wie es in der physischen Welt der Fall ist.

In dem durch Gewohnheitstendenzen aufgewühlten Geist manifestieren sich Erscheinungen, als seien sie wirklich, doch sie sind nicht wirklich, sie sind aus dem Geist geboren. Sie als äußere Objekte zu betrachten, ist verkehrt. Die substanzielle Ursache unseres gegenwärtigen Geisteszustandes ist der vorherige Augenblick, dabei entwickeln nicht erleuchtete Wesen verwirrte Gedanken, obwohl es eine ständige Verbindung mit der Soheit, Tathata, gibt.

Wasser und Wind sind untrennbar, Wasser ist von Natur aus nicht in Bewegung und wenn der Wind sich legt, hört die Bewegung auf. Die nasse Natur bleibt unverändert. Auf gleiche Weise wird der Geist des Menschen, der in seiner Eigennatur rein ist, vom Wind der Unwissenheit bewegt. Weder Geist noch Unwissenheit verfügen von sich aus über bestimmte Formen und sie sind untrennbar. Damit sind wir alle Teile eines riesigen Ozeans schöpferischer Energie und es gibt keinen grundlegenden Unterschied zwischen Materie und Bewusstsein.
Alles ist mit allem verbunden und die Welt stellt ein komplexes System aus Ursachen und Wirkungen dar, wobei alles von allem beeinflusst ist.

Der aktivierende Geist: Er zerstört, ohne sich dessen bewusst zu sein, das Gleichgewicht des Geistes durch die Kraft der Unwissenheit, wobei sich die Wahrnehmung und das wahrgenommene Objekt gegenseitig bedingen. Wenn das Bewusstsein eine Form wahrnimmt, muss der Geist auf dem einen oder anderen Objekt verweilen. Die gewöhnliche Alltagskenntnis beruht auf der unterscheidenden Wahrnehmung. Jener erscheinen die Phänomene entweder als inhärent existent oder als vollkommen nicht existent.

Der sich entfaltende Geist: Er tritt in Abhängigkeit vom bewegenden Geist als das Subjekt hervor, das fälschlicherweise wahrnimmt.

Der reproduzierende Geist: Er lässt die ganze Welt der Objekte entstehen, so wie ein blanker Spiegel
alle materiellen Dinge widerspiegelt.

Der analytische Geist: Er sieht die Wirklichkeit so, wie sie ist, und unterscheidet zwischen dem, was beschmutzt und unbeschmutzt ist. In diesem Stadium sind wir in der Lage, uns vom trügerischen Geist zu trennen und entdecken, dass das Ich nicht unabhängig existiert. Da wir völlig voneinander abhängig und in jeder Situation Gefährten sind, gibt es keinen Grund, negative Emotionen zu entwickeln. Wenn wir erkennen, dass es kein unabhängiges Ich gibt, durchschneiden wir die Wurzeln des Samsara und erzeugen kein neues Karma mehr.


Der andauernde Geist: Er ist mit den vergänglichen Gedanken vereint und besteht ohne Unterbrechung seit endlosen Leben weiter. Alle jemals gemachten Erfahrungen, wie zum Beispiel Freude oder Leid, gutes oder schlechtes Karma, bewahrt er wie mit einem Maßstab gerechnet auf. Er ist in der Lage, die vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Resultate der Freude oder des Leids zur Reife zu bringen. Aus ihm tauchen die Geisteseindrücke und Erinnerungen auf, die wiederum gefühlsmäßig neu bewertet, wahrgenommen und in neuen Geistesaktivitäten für die Zukunft weiterverarbeitet werden.

Deshalb sind die drei Welten – die Welt der Wünsche und Begierden, die Welt der Formen und die Welt ohne Formen – nicht real. Vom Geist erschaffen sind alle Unterscheidungen nichts anderes als die Unterscheidungen des eigenen Geistes. Allerdings kann der Geist den Geist nicht wahrnehmen und die Natur der geistigen Aktivität selbst bleibt neutral. Ob die geistige Aktivität hilfreich oder schädlich ist, hängt von der Art des Geistesfaktors ab, der tatsächlich gegenwärtig ist, und nicht von seiner essenziellen Natur als geistige Aktivität. Alle Formen sind daher genau wie die Bilder in einem Spiegel, die leer von eigenständiger Existenz sind. „Geist selbst“ hat keine Makel. Die Schleier der Verwirrung und Täuschung – Unwissenheit und Halluzination – verhüllen ihn jedoch. Diese Schleier sind allerdings flüchtig, wie Wolken am Himmel oder ein beschlagener Spiegel. Daher kann man sie beseitigen.

Won-Hyo:
„Wenn das Bewusstsein entsteht, entstehen die unterschiedenen Phänomene.
Wenn das Bewusstsein verschwindet, verschwinden auch die Phänomene.
Die drei Welten [die Welt der Begierde, die Welt der Form, die formlose Welt des reinen Geistes) sind nichts anderes als geistige Erkenntnis.
Alle Phänomene sind nichts anderes als Bewusstsein."


Was Bewusstsein genannt wird, ist der andauernde Geist. Erscheinung ist Geist, Leerheit ist Geist, Erkenntnis ist Geist, Verwirrung ist der eigene Geist, ein Erscheinen ist Geist, ein Aufhören ist der Geist. Wegen ihrer tief verwurzelten Anhaftung bilden sich gewöhnliche Menschen ein, dass „ich“ und „mein“ wirklich sind und haften an dieser trügerischen Vorstellung. Bewusstsein ist eine Reaktion, die eine der sechs Fähigkeiten (Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper und Geist) als Grundlage und eine der entsprechenden äußeren Erscheinungen (sichtbare Form, Ton, Geruch, Geschmack, Tastobjekte und Geistobjekte, d.h. eine Vorstellung oder einen Gedanken) zum Objekt hat. Sehbewusstsein hat das Auge als Grundlage und eine sichtbare Form als Objekt. Denkbewusstsein hat den Geist als Grundlage und ein Geistobjekt, d.h. eine Vorstellung oder einen Gedanken, als Objekt. Bewusstsein ist daher mit anderen Fähigkeiten verbunden. Wie beim Gefühl, bei der Wahrnehmung und beim Wollen gibt es also auch beim Bewusstsein sechs Arten, entsprechend den sechs inneren Fähigkeiten und den sechs äußeren Objekten. Darum spricht man vom unterscheidenden und vom trennenden Bewusstsein. Die Neigung zur Unterscheidung in diesem Bewusstsein wird durch die weltlichen Sorgen und Leiden und durch die anhaftende Liebe aufgrund von Begierde verstärkt. Die Verschmutzungen durch den Schlamm der Dumpfheit und der Verwirrung setzen sich ab.
Die tatsächliche Natur nicht erkennend, kreisen wir im Ozean von Samsara. Die Tatsache, dass der verwirrte Geist und das Bewusstsein aus der Gewohnheit der Unwissenheit entstehen, können gewöhnliche Menschen nicht verstehen. Auch Hörer und Alleinerkenner können es nicht verstehen. Sogar Bodhisattvas korrekten Glaubens auf der zehnten Dharmawolken-Stufe, die die edle Lehre wie von Wolken herabregnen lassen können, verstehen es nur teilweise.
Nur die Erleuchteten haben ein vollkommenes Verständnis davon. Geist ist kein Geist – er ist leer von einer essenziellen Natur als Geist. Leer und daher ungehindert lässt er alles erscheinen.

Das Resultat der Reinigung ist ein makelloser Dharmakaya. Dharmakaya, das allwissende Gewahrsein eines Buddha bezüglich der untrennbaren zwei Wahrheiten, ist hier ein Synonym für „Geist selbst“, wenn er vollständig verwirklicht ist. Das Resultat, das durch die Reinigung erlangt wird, durch die endgültige Beseitigung flüchtiger Befleckungen, ist das Bloßlegen oder Enthüllen des Dharmakaya, ein Spiegel ohne den Staub der Unwissenheit, ein Himmel ohne Wolken.

Die natürliche Reinheit des Geistes ist der natürliche Zustand des „Geistes selbst“, der alle Wesen als die natürlich verweilende Buddha-Natur durchzieht. „Geist selbst“ ist von Natur aus frei von Makeln. Die erlangte Reinheit ist die Reinheit, die man als Resultat der endgültigen Beseitigung der Schleier flüchtiger Befleckungen erlangt. Dies verlangt die vollständige Verwirklichung der Leerheit, wie sie vom Buddha gelehrt wurde. Doppelte Reinheit ist also das vereinte Paar der anfangslosen ursprünglichen Reinheit tiefster Wahrheit (Gewahr sein und Leerheit, die untrennbar sind) und der Reinheit, erlangt durch die Reinigung der oberflächlichen Wahrheit (Erscheinungen), die von der tiefsten Wahrheit hervorgebracht wird.
Hier hat die immanente Buddha-Natur zwei Aspekte: In ihrer eigentlichen Natur ist sie rein und leuchtend, aber als Alaya, Speicherbewusstsein, erscheint sie befleckt. Damit ist die immanente Buddha-Natur Ursache für die heilsamen wie auch für die unheilsamen Samen. Die immanente Buddha-Natur wird wie von Wolken verdeckt durch eine Geisteshaltung, die immer von einem Ich als Subjekt ausgeht. Die Wahrnehmung, dass alle Gefühle und Gedanken vom Ich ausgehen und dieses Ich auch betreffen, bedingt das Leiden. Wird das Bewusstsein vom Ich aufgelöst, findet das Leid keinen Ansatzpunkt mehr.
Die Buddha-Natur wird als unzerstörbar und ungeboren beschrieben, denn sie ist weder von äußeren Einflüssen noch von psychischen Veränderungen beeinflussbar. Die Lehren über die Buddha-Natur stellen die gewöhnliche Wahrnehmung eines nicht erleuchteten Wesens als „relative Wirklichkeit“ der Wahrnehmung eines erleuchteten Wesens gegenüber. Diese nicht duale, erleuchtete Wahrnehmung wird als „absolute Wirklichkeit“ bezeichnet. Aus der Perspektive absoluter Wirklichkeit sind relative und absolute Wirklichkeit untrennbar.

Die geistigen Befleckungen der Lebewesen sind von flüchtiger und vorübergehender Natur. Aus diesem Grund ist der Geist dazu geeignet, sich von diesen Befleckungen wieder zu befreien. Gier und Hass sind beispielsweise aufgrund vorübergehender Umstände und Ursachen entstanden, sie sind aber nicht Teil der eigentlichen Natur des Geistes. Diese Beschaffenheit des Geistes, dass die Befleckungen nicht zur Natur des Geistes selbst gehören, wird als die natürlich anwesende Buddha-Natur betrachtet.
Die Befleckungen des Geistes können entfernt werden, weil sie nicht seiner eigentlichen Natur angehören. Ebenso gehören Wolken nicht zur eigentlichen Natur des Himmels; der Schmutz im Wasser gehört nicht zur eigentlichen Natur des Wassers; und die Oxidation auf der Oberfläche von Gold ist kein Teil der Natur des Goldes selbst. Ähnlich verhält es sich mit den Befleckungen des Geistes. Wären die Wolken ein Teil der Natur des Himmels, so wäre es unmöglich, dass sie entstehen und vergehen. Könnte man den Schmutz im Wasser nicht entfernen, wäre es nicht möglich, das Wasser von Schmutz zu reinigen. Und es gäbe kein reines Gold, wenn sich die Oxidation nicht beseitigen ließe.
Die Leidenschaften gehören nicht zur Natur des Geistes. Wären sie ein Teil der Natur des Geistes, so könnte man die Gegenmittel der Leidenschaften mit noch so großem Eifer anwenden; es würde nicht gelingen, den Geist von ihnen zu reinigen. Das ist aber nicht der Fall. Der Geist kann mit korrekten Mitteln weiterentwickelt und die Leidenschaften können beseitigt werden. Der Buddha hat gesagt: „Mönche, der Geist ist ohne Geist, der Geist ist klares Licht“. Die befleckten Geisteszustände sind nicht die eigentliche Natur des Geistes. Daher ist der Geist in seiner Natur klares Licht.

Die Buddhaschaft hat drei Aspekte oder Körper: den Wahrheitskörper, Dharmakaya; den Freudenkörper, Sambhogakaya; den Ausstrahlungskörper, Nirmanakaya.

Der Formkörper und der Ausstrahlungskörper dienen dem Nutzen anderer. Wir sprechen vom Wahrheitskörper, wenn durch das Erkennen des wahren Sinnes der Leerheit, des Raumes und der Phänomene alle Fehler ein Ende haben. Wahrheitskörper ist eine konventionelle Bezeichnung.
Die drei Körper haben drei gemeinsame Merkmale. Sie sind gleich hinsichtlich Grundlage, Geisteshaltung und Aktivität.
So wie die Sonne in allen Wassergefäßen, so spiegelt sich ein zur Freude Gegangener zugleich im reinen Geiste einer unbegrenzten Zahl von Schülern.
So agiert der Körper der vollkommen Erwachten für das Wohl der Wesen frei von Vorstellungen.
Essenz der Erleuchtung.
Tathata, die Soheit, ist für alle unterschiedslos gleich.
Aus diesem Grund besitzen alle Lebewesen diese Essenz, doch nur wer sie freigelegt hat, ist ein Vollendeter.
Die Essenz der Erleuchtung ist identisch mit der des Himmels oder des reinen Spiegels. Der Himmel ist überall, der Buddha ist überall, im reinen Spiegel erscheint alles.

1. Die reine Essenz des Geistes.
Sie ist die höchste Reinheit und Einheit, die allumfassende Ganzheit, die Quintessenz der Wahrheit. Die Essenz des Geistes gehört weder zu Tod noch Wiedergeburt, sie ist ungeboren und ewig. Die Essenz der Erleuchtung ist ein reiner Spiegel. Er ist frei von allen Merkmalen geistiger Objekte und er hat von sich selbst aus nichts zu zeigen. Die Essenz der Erleuchtung ist frei von allen falschen vergänglichen Gedanken, und frei von Gedanken existiert sie selbst ohne Objekt. Vom Standpunkt des Absoluten aus existiert die Pluralität nicht. Was existiert, ist einzig das Absolute, so wie der Raum ohne einen zweiten ist.

Diese Realität des ungeteilten Universums wird Bhutatathāta (skr. Soheitdes Daseins) genannt und ist in vier Stufen eingeteilt.

Dharma-Dhatu der phänomenalen Welt : unsere Welt, deren Phänomene in gegenseitiger Abhängigkeit entstehen und vergehen (Samsara).

Dharma-Dhatu des herrschenden Prinzips : die Welt, in der es keine Unterscheidungen gibt und daher nichts mehr entsteht oder vergeht. Dies ist die Welt des Bewusstseins, das keinerlei Anhaftungen an die materielle oder immaterielle Welt kennt. Dies ist die Welt der Madhyama-Shunyata, die Welt der absoluten Gleichheit.

Dharma-Dhatu der ungehinderten phänomenalen Welt: Welten der Unterscheidung und Welten der Nichtunterscheidung hängen dennoch von Ursache und Wirkung ab. Sie ändern und bewegen sich ständig, sind aber nur Phänomene der Natur. Dies nennt man Tathagata-Garba, die Welt ohne Hindernisse.

Dharma-Dhatu des ungehinderten herrschenden Prinzips: der reine Körper des Universums hat keine Form und keine Grenzen und kein individuelles Bewusstsein. Er durchdringt alles, jeden Zustand und jede Form. Daher ist jeder Aspekt in unserem Universum nichts anderes als eine ungeteilte Wesenheit. Alles ist in Einem, Eines ist in Allem. Dies ist die Welt, in der vollkommene Gleichheit und Unterschiedslosigkeit herrscht.


2. Trübung durch Unwissenheit.
Avidya


Bedeutet so viel wie Nichtwissen, aber nicht im Sinne von Unwissen oder unbekannt, sondern im Sinne von vorhandenem, aber falschem Wissen bzw. Täuschung. Avidya wird als die Mutter oder Quelle betrachtet, aus der die anderen „Kleshas“, Leiden, entstehen.

Ein Schleier legt sich über die Wahrnehmung und trübt diese. Unter Avidya versteht man eine falsche Art des Verstehens, eine falsche (subjektive) Art der Interpretation einer Situation. Avidya ist das Ergebnis angehäufter Erfahrungen: In einer bestimmten Situation wurde einmal auf eine bestimmte Art empfunden, gedacht, verstanden, gehandelt – fortan wird automatisch, mechanisch, beinahe blind wiederholt. Der Mensch ist in seiner Wahrnehmung und seinem Handeln festgelegt (Samskara).

Das bedeutet, dass im Spiegel alle Objekte gleichzeitig als abhängig von Ursachen und Gewohnheiten erscheinen, die weder nach außen treten noch hereinkommen und die weder verloren gehen noch zerstört werden.
Gewahrsein und Leerheit sind untrennbar wie Spiegel und Spiegelbild. Nichts entsteht und nichts vergeht. Die Gedanken manifestieren sich aus der Leerheit und vergehen wieder in ihr, so wie Dinge im Spiegel erscheinen und wieder verschwinden.
Da die Dinge nicht tatsächlich im Spiegel sind, hören sie nicht auf zu bestehen, wenn sie nicht mehr widergespiegelt werden. Die Natur des Spiegels ist frei von den verunreinigten Objekten, von weltlichen Sorgen und Leiden, die sich in ihm spiegeln. Frei von Gedanken ist sie wie ein blauer Himmel, hell und klar; sie kennt keine Hindernisse und keine Unterscheidungen.
Weil der Körper vollkommenen Erwachens (vor Qualitäten) strahlt, da die Soheit keine Unterschiede aufweist und
alle Wesen die Essenz der Erleuchtung zu eigen haben,
besitzen sie für immer die Buddha-Natur.

Das allwissende verwirklichte Gewahrsein umfasst die Verwirklichungen, die ausschließlich den edlen Buddhas vorbehalten sind.

Das verwirklichte Gewahrsein des Pfades umfasst die Verwirklichungen, die alle Bodhisattvas – einschließlich der edlen Buddha – gemeinsam haben.

Das grundlegende verwirklichte Gewahrsein umfasst die Verwirklichungen, die Hörer, Alleinerkenner und Bodhisattvas – einschließlich der edlen Buddhas – gemeinsam haben.

Der Aspekt der Nicht-Erleuchtung: Weil das Einssein mit der Soheit nicht wirklich erkannt wird, taucht der unerleuchtete Geist auf und als Folge davon auch dessen verwirrte Gedanken. Der Geist ist in der Lage Formen, Töne und andere Phänomene zu erfassen sowie Glück und Leid zu erleben. Die Tatsache, dass dieser Geist durch die Anhäufungen verschiedener Arten von Karma und die Macht der Unwissenheit befleckt ist, hält uns im Daseinskreislauf gefangen. Das wird grundlegende Unwissenheit genannt. Wenn sich Menschen wegen ihrer falschen Vorstellung verirren, geschieht das wegen ihres falschen Gefühls; wenn sie gänzlich von der Ausrichtung befreit sind, dann können sie sich auch nicht mehr verirren. Das Gleiche gilt für die Menschen, wenn sie von Erleuchtung sprechen – aufgrund der falschen Vorstellung von der Erleuchtung sind sie verwirrt. Wenn sie von der Vorstellung von Erleuchtung befreit sind, dann wird es so etwas wie Nicht-Erleuchtung nicht geben. Weil es Menschen gibt, die einen nicht erleuchteten und verwirrten Geist haben, wird zu ihnen von Erleuchtung gesprochen. Unabhängig von dem nicht erleuchteten Geist gibt es keine Merkmale der wahren Erleuchtung selbst.

Das erleuchtete Bewusstsein ist im Nicht-Manifesten verwurzelt und ist letztendlich damit eins. Es weiß, dass es das ist. Selbst, wenn es sich um eine kleine Sache handelt wie die visuelle Wahrnehmung einer Form, die, wenn man sie in einem Zustand großer Wachsamkeit und tiefer Stille wahrnimmt, frei von Zukunft und Vergangenheit ist, dann ist es im gleichen Moment bereits das Nicht-Manifeste. In dem Augenblick ist man keine Person mehr. Das Nicht-Manifeste nimmt sich selbst in der Form wahr.
Dann entstehen alle Handlungen daraus und die besitzen eine völlig andere Qualität als Handlungen, die aus dem nicht erleuchteten Bewusstsein entstehen, das etwas braucht und sucht, um sich zu beschützen. Hier sind die nicht greifbaren und kostbaren Qualitäten zu finden, die wir Liebe, Glück, Mitgefühl und Frieden nennen. Sie alle sind eins mit dem Nicht-Manifesten.
Der nicht erleuchtete Geist bringt drei Aspekte hervor, die mit der Nicht-Erleuchtung verbunden und von dieser untrennbar sind.

Handlungen aus Unwissenheit, Bewegungen des Geistes aufgrund seines nicht erleuchteten Zustandes heißen Aktivität. Im erleuchteten Zustand ruht der Geist; er bewegt sich nicht. Wenn der Geist in Bewegung ist, folgt Leiden; die Resultate sind nicht getrennt von der Ursache, das heißt, von der durch die Unwissenheit bedingten Bewegung.

Das wahrnehmende Subjekt. Wo es Lebewesen gibt, gibt es Karma und emotionale Verblendung durch die sechs Sinnesorgane Auge, Ohr, Nase, Zunge, Tastsinn und das Denkorgan.

Wo immer es Raum gibt, da gibt es auch Lebewesen mit vergänglichen Erscheinungsformen; durch falsch verstandene Wahrnehmungen bringt der Geist sechs Aspekte hervor.

Die sechs Aspekte



1. Der Aspekt der unterscheidenden Denkfähigkeit.
Wobei der Geist, gestützt auf die falsche, unwissende Anschauung in Bezug auf die Phänomene, zwischen Zuneigung und Abneigung unterscheidet.

2. Der Aspekt der Kontinuität.
Aufgrund der unterscheidenden Denkfähigkeit bringt der Geist ununterbrochen ein Bewusstsein für Freude und Leid in Bezug auf die Dinge hervor.

3. Der Aspekt der Anhaftung.
Wegen der Kontinuität der Gedanken haftet der Geist an den Objekten von Freude und Leiden an, entwickelt Zuneigung oder Abneigung und hält daran fest.

4. Der Aspekt der Vermutung.

Geistige Prozesse, deren Konzepte zur Bildung von Urteilen, Ansichten und Meinungen führen. Der Begriff bedeutet meist verblendetes oder fehlerhaftes Denken, Emotionen, ist befleckt mit Wünschen und erfasst nicht die wahre Natur, wie sie ist.

5. Der Aspekt des Verursachens von Karma.
Wegen der fehlerhaften Konzepte entwickelt der Geist Anhaftung und schafft viele verschiedene Arten von Karma. In diesem Sinne ist es mit dem Begriff „Prapañca“ synonym, der geistige Ausbreitung bedeutet, eine Aktivität des verblendeten und nicht erleuchteten Geistes.

6. Wegen des Gesetzes vom Karma erhält der Geist Resultate und kann nicht frei sein. Unwissenheit kann alle Arten von verunreinigten Zuständen hervorbringen. Alle verunreinigten Zustände sind Aspekte der Nicht-Erleuchtung.

Hinweis 03

Das Bewusstsein, das Dinge, die in Abhängigkeit von Ursachen und Wirkungen entstanden sind, als endgültig existent erfasst, wird vom Buddha Unwissenheit genannt.
Von dieser Unwissenheit gehen die Zwölf Glieder des Abhängigen Entstehens aus. (Aus dem Akashagarbha-Sutra)

Sie beschreiben die Abhängigkeit zwischen dem Zyklus und dem Daseinskreislauf, der ein Wesen durch die Anhäufung verschiedener Arten von Karma und durch die Macht der Unwissenheit in den Daseinskreislauf zieht:

Die Zwölf Glieder des Abhängigen Entstehens

Durch Ignoranz entsteht karmisches Handeln.
Durch karmisches Handeln entsteht Bewusstsein, durch Bewusstsein entstehen Name und Form.
Name und Form bedingen die sechs Sinnesorgane. Die sechs Sinnesorgane bedingen Berührung,
durch Berührung entsteht Empfindung, durch Empfindung entsteht Verlangen. Verlangen bedingt Ergreifen.
Ergreifen bedingt Dasein. Dasein bedingt Geburt.
Durch Geburt gibt es Krankheit, Leiden, Alter und Tod.
Das allumfassende Leiden ist entstanden.
Endet die Unwissenheit, endet karmisches Handeln.
Endet karmisches Handeln, endet das Bewusstsein.
Endet das Bewusstsein, enden Name und Form.
Enden Name und Form, enden die sechs Sinnesorgane.
Enden die sechs Sinnesorgane, endet die Berührung.
Endet die Berührung, endet die Empfindung.
Endet die Empfindung, endet das Verlangen.
Endet das Verlangen, endet das Ergreifen.
Endet das Ergreifen, endet das Dasein.
Endet das Dasein, endet die Geburt.
Gibt es keine Geburt mehr, enden Krankheit, Leiden, Alter und Tod.
Das allumfassende Leiden ist erloschen.

Die Beziehung zwischen Nicht-Erleuchtung und Erleuchtung.

Nicht-Erleuchtung ist der Grund weltlicher Sorgen und weltlichen Leidens. Obwohl in jedem Lebewesen die Buddha-Natur vorhanden ist, ist die zeitgebundene Form des Bewusstseins aufgrund der Unwissenheit zwischen Begierde und Furcht hin- und hergerissen. Erleuchtung ist Befreiung von Leid. Die wahre Natur, die Soheit, ist frei von Unterschieden: Die Soheit (das ursprüngliche Gewahrsein) der Buddhas und die Soheit gewöhnlicher Lebewesen weist keine Unterschiede auf wie besser und schlechter, größer und kleiner, höher und niedriger. Deshalb tragen alle Lebewesen die Möglichkeit des Erwachens in sich. Alle Lebewesen besitzen die Buddha-Natur, die sich nur insofern von einem Buddha unterscheidet, als ihre reine Natur erst hinter einem Schleier geistiger Befleckungen entdeckt werden muss

Es gibt zwei Sichtweisen



1. Die gleiche Sichtweise.
Wie die vielen verschiedenen Stücke der Töpferwaren gleicher Natur sind, da sie alle aus Töpfererde sind, und so wie der Töpfer aus dem gestaltlosen Lehm Gefäße formt, so schaffen wir durch Taten, Worte und Gedanken aus dem noch ungeformten Material unseres Lebens und aus unseren Sinneseindrücken die Gefäße unseres künftigen Bewusstseins, nämlich das, was diesem Bewusstsein Form und Richtung gibt. Da ist unermesslicher Raum. Da sind unermessliche Stille und kleine Wellen an der Oberfläche, die nicht voneinander getrennt sind, genauso wie die Wellen und der Ozean nicht voneinander getrennt sind. Da die Buddha-Natur als Essenz tief in unserem Herzen verwurzelt ist, kann man Tathata nicht erschaffen und es kann nichts über die Buddha-Natur ausgesagt werden.

2.Die unterschiedlichen Sichtweisen.
Genauso wie verschiedene Stücke von Töpferware sich voneinander unterscheiden, existieren auch Unterschiede bezüglich der Zustände der Erleuchtung. Erleuchtung ist die Erfahrung, dass Körper, Gedanken und Gefühle kein wirkliches Ich sind und störende Gefühle, weltliche Sorgen und Leiden nicht mehr vorhanden sind („kleine Erleuchtung"). Die Buddha-Natur des eigenen Geistes jenseits von Hoffnung und Furcht und falschen Vorstellungen erfahren zu können, nennt man die volle Erleuchtung.
Nicht-Erleuchtung, die wesentliche Natur der Soheit, verblendet, unwissend, mit weltlichen Sorgen, Leiden und niederen Motiven befindet sich in Übereinstimmung mit Verunreinigung. Die relative Wirklichkeit bezeichnet die Welt so, wie sie von nicht erleuchteten Wesen wahrgenommen wird. Die Erfahrung absoluter Wirklichkeit manifestiert sich im Nirvana und wird mit dem Erreichen der Erleuchtung dauerhaft.

Die Ursachen und Bedingungen: Das Speicherbewusstsein (Alaya).
Ohne Speicherbewusstsein gäbe es keine heilsamen bzw. unheilsamen Samen.
Die 6 Sinnes-Bewusstseinsarten sind aber mitunter positiv, mitunter negativ. Nur ein neutrales Bewusstsein kann der Speicher für positive und negative Samen sein, eben das Speicherbewusstsein – Alaya.
Das Speicherbewusstsein sammelt sämtliche Erfahrungen eines Lebewesens und stellt die Grundlage der gegenwärtigen und kommenden Existenzen dar. Es erhält Eindrücke der sieben Formen des Bewusstseins und bewahrt diese als mögliche Energie für weitere Handlungen. Es dient als Basis der übrigen Formen des Bewusstseins und wird auch als Basis-Bewusstsein oder ursächliches Bewusstsein bezeichnet.
Dass ein Mensch sich im Samsara, im Kreislauf der Wiedergeburten befindet, resultiert aus der Tatsache, dass sein Geist und sein Bewusstsein sich auf der Grundlage des Speicherbewusstseins entwickeln. Das bedeutet, dass er wegen des Aspekts der Nicht-Erleuchtung des Speicherbewusstseins und der Unwissenheit gefesselt im Samsara verweilt.
Jede Erscheinung in der Welt des Anscheins ist so kurzlebig und flüchtig, dass es aus der Sicht des Absoluten scheint, als wäre alles, was im manifesten Bereich geschieht, bloß ein Schattenspiel. Es scheint wie ein Dunst oder Nebel, in dem immer neue Formen entstehen und verweilen, sich verändern und verschwinden. Jemand, der zutiefst im Nicht-Manifesten verwurzelt ist, könnte es durchaus als irreal bezeichnen. Man nennt es die Gewissheit, weil man es nicht getrennt von Soheit (Tathata) sehen kann.
Freiheit ist ein geistiger Zustand, bedeutet frei zu sein von Bildern, Vorstellungen, Konditionierungen durch unsere Erziehung, wobei wir schon sehr früh intensive Prägungen erhalten haben.

Die Ursachen und Bedingungen:

Ein Phänomen tritt aufgrund seiner innewohnenden Natur, des ursächlichen und abhängigen Entstehens als Wirkung in Erscheinung. Aufgrund seiner innewohnenden Natur, des abhängigen Entstehens, verweilt ein solches Phänomen. Aufgrund seiner innewohnenden Natur, des abhängigen Entstehens, verändert sich dieses Phänomen. Aufgrund seiner innewohnenden Natur, des abhängigen Entstehens, vergeht dieses Phänomen.

Obwohl unser Geist kein körperliches Phänomen ist, entstehen die Geisteszustände ebenfalls aus dem Zusammentreffen verschiedener Ursachen und Bedingungen, so wie es in der physischen Welt der Fall ist.

In dem durch Gewohnheitstendenzen aufgewühlten Geist manifestieren sich Erscheinungen, als seien sie wirklich, doch sie sind nicht wirklich, sie sind aus dem Geist geboren. Sie als äußere Objekte zu betrachten, ist verkehrt. Die substanzielle Ursache unseres gegenwärtigen Geisteszustandes ist der vorherige Augenblick, dabei entwickeln nicht erleuchtete Wesen verwirrte Gedanken, obwohl es eine ständige Verbindung mit der Soheit, Tathata, gibt.

Wasser und Wind sind untrennbar, Wasser ist von Natur aus nicht in Bewegung und wenn der Wind sich legt, hört die Bewegung auf. Die nasse Natur bleibt unverändert. Auf gleiche Weise wird der Geist des Menschen, der in seiner Eigennatur rein ist, vom Wind der Unwissenheit bewegt. Weder Geist noch Unwissenheit verfügen von sich aus über bestimmte Formen und sie sind untrennbar. Damit sind wir alle Teile eines riesigen Ozeans schöpferischer Energie und es gibt keinen grundlegenden Unterschied zwischen Materie und Bewusstsein.
Alles ist mit allem verbunden und die Welt stellt ein komplexes System aus Ursachen und Wirkungen dar, wobei alles von allem beeinflusst ist.

Der aktivierende Geist: Er zerstört, ohne sich dessen bewusst zu sein, das Gleichgewicht des Geistes durch die Kraft der Unwissenheit, wobei sich die Wahrnehmung und das wahrgenommene Objekt gegenseitig bedingen. Wenn das Bewusstsein eine Form wahrnimmt, muss der Geist auf dem einen oder anderen Objekt verweilen. Die gewöhnliche Alltagskenntnis beruht auf der unterscheidenden Wahrnehmung. Jener erscheinen die Phänomene entweder als inhärent existent oder als vollkommen nicht existent.

Der sich entfaltende Geist: Er tritt in Abhängigkeit vom bewegenden Geist als das Subjekt hervor, das fälschlicherweise wahrnimmt.

Der reproduzierende Geist: Er lässt die ganze Welt der Objekte entstehen, so wie ein blanker Spiegel
alle materiellen Dinge widerspiegelt.

Der analytische Geist: Er sieht die Wirklichkeit so, wie sie ist, und unterscheidet zwischen dem, was beschmutzt und unbeschmutzt ist. In diesem Stadium sind wir in der Lage, uns vom trügerischen Geist zu trennen und entdecken, dass das Ich nicht unabhängig existiert. Da wir völlig voneinander abhängig und in jeder Situation Gefährten sind, gibt es keinen Grund, negative Emotionen zu entwickeln. Wenn wir erkennen, dass es kein unabhängiges Ich gibt, durchschneiden wir die Wurzeln des Samsara und erzeugen kein neues Karma mehr.


Der andauernde Geist: Er ist mit den vergänglichen Gedanken vereint und besteht ohne Unterbrechung seit endlosen Leben weiter. Alle jemals gemachten Erfahrungen, wie zum Beispiel Freude oder Leid, gutes oder schlechtes Karma, bewahrt er wie mit einem Maßstab gerechnet auf. Er ist in der Lage, die vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Resultate der Freude oder des Leids zur Reife zu bringen. Aus ihm tauchen die Geisteseindrücke und Erinnerungen auf, die wiederum gefühlsmäßig neu bewertet, wahrgenommen und in neuen Geistesaktivitäten für die Zukunft weiterverarbeitet werden.

Deshalb sind die drei Welten – die Welt der Wünsche und Begierden, die Welt der Formen und die Welt ohne Formen – nicht real. Vom Geist erschaffen sind alle Unterscheidungen nichts anderes als die Unterscheidungen des eigenen Geistes. Allerdings kann der Geist den Geist nicht wahrnehmen und die Natur der geistigen Aktivität selbst bleibt neutral. Ob die geistige Aktivität hilfreich oder schädlich ist, hängt von der Art des Geistesfaktors ab, der tatsächlich gegenwärtig ist, und nicht von seiner essenziellen Natur als geistige Aktivität. Alle Formen sind daher genau wie die Bilder in einem Spiegel, die leer von eigenständiger Existenz sind. „Geist selbst“ hat keine Makel. Die Schleier der Verwirrung und Täuschung – Unwissenheit und Halluzination – verhüllen ihn jedoch. Diese Schleier sind allerdings flüchtig, wie Wolken am Himmel oder ein beschlagener Spiegel. Daher kann man sie beseitigen.

Won-Hyo:
„Wenn das Bewusstsein entsteht, entstehen die unterschiedenen Phänomene.
Wenn das Bewusstsein verschwindet, verschwinden auch die Phänomene.
Die drei Welten [die Welt der Begierde, die Welt der Form, die formlose Welt des reinen Geistes) sind nichts anderes als geistige Erkenntnis.
Alle Phänomene sind nichts anderes als Bewusstsein."


Was Bewusstsein genannt wird, ist der andauernde Geist. Erscheinung ist Geist, Leerheit ist Geist, Erkenntnis ist Geist, Verwirrung ist der eigene Geist, ein Erscheinen ist Geist, ein Aufhören ist der Geist. Wegen ihrer tief verwurzelten Anhaftung bilden sich gewöhnliche Menschen ein, dass „ich“ und „mein“ wirklich sind und haften an dieser trügerischen Vorstellung. Bewusstsein ist eine Reaktion, die eine der sechs Fähigkeiten (Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper und Geist) als Grundlage und eine der entsprechenden äußeren Erscheinungen (sichtbare Form, Ton, Geruch, Geschmack, Tastobjekte und Geistobjekte, d.h. eine Vorstellung oder einen Gedanken) zum Objekt hat. Sehbewusstsein hat das Auge als Grundlage und eine sichtbare Form als Objekt. Denkbewusstsein hat den Geist als Grundlage und ein Geistobjekt, d.h. eine Vorstellung oder einen Gedanken, als Objekt. Bewusstsein ist daher mit anderen Fähigkeiten verbunden. Wie beim Gefühl, bei der Wahrnehmung und beim Wollen gibt es also auch beim Bewusstsein sechs Arten, entsprechend den sechs inneren Fähigkeiten und den sechs äußeren Objekten. Darum spricht man vom unterscheidenden und vom trennenden Bewusstsein. Die Neigung zur Unterscheidung in diesem Bewusstsein wird durch die weltlichen Sorgen und Leiden und durch die anhaftende Liebe aufgrund von Begierde verstärkt. Die Verschmutzungen durch den Schlamm der Dumpfheit und der Verwirrung setzen sich ab.
Die tatsächliche Natur nicht erkennend, kreisen wir im Ozean von Samsara. Die Tatsache, dass der verwirrte Geist und das Bewusstsein aus der Gewohnheit der Unwissenheit entstehen, können gewöhnliche Menschen nicht verstehen. Auch Hörer und Alleinerkenner können es nicht verstehen. Sogar Bodhisattvas korrekten Glaubens auf der zehnten Dharmawolken-Stufe, die die edle Lehre wie von Wolken herabregnen lassen können, verstehen es nur teilweise.
Nur die Erleuchteten haben ein vollkommenes Verständnis davon. Geist ist kein Geist – er ist leer von einer essenziellen Natur als Geist. Leer und daher ungehindert lässt er alles erscheinen.

Das Resultat der Reinigung ist ein makelloser Dharmakaya. Dharmakaya, das allwissende Gewahrsein eines Buddha bezüglich der untrennbaren zwei Wahrheiten, ist hier ein Synonym für „Geist selbst“, wenn er vollständig verwirklicht ist. Das Resultat, das durch die Reinigung erlangt wird, durch die endgültige Beseitigung flüchtiger Befleckungen, ist das Bloßlegen oder Enthüllen des Dharmakaya, ein Spiegel ohne den Staub der Unwissenheit, ein Himmel ohne Wolken.

Die natürliche Reinheit des Geistes ist der natürliche Zustand des „Geistes selbst“, der alle Wesen als die natürlich verweilende Buddha-Natur durchzieht. „Geist selbst“ ist von Natur aus frei von Makeln. Die erlangte Reinheit ist die Reinheit, die man als Resultat der endgültigen Beseitigung der Schleier flüchtiger Befleckungen erlangt. Dies verlangt die vollständige Verwirklichung der Leerheit, wie sie vom Buddha gelehrt wurde. Doppelte Reinheit ist also das vereinte Paar der anfangslosen ursprünglichen Reinheit tiefster Wahrheit (Gewahr sein und Leerheit, die untrennbar sind) und der Reinheit, erlangt durch die Reinigung der oberflächlichen Wahrheit (Erscheinungen), die von der tiefsten Wahrheit hervorgebracht wird.
Hier hat die immanente Buddha-Natur zwei Aspekte: In ihrer eigentlichen Natur ist sie rein und leuchtend, aber als Alaya, Speicherbewusstsein, erscheint sie befleckt. Damit ist die immanente Buddha-Natur Ursache für die heilsamen wie auch für die unheilsamen Samen. Die immanente Buddha-Natur wird wie von Wolken verdeckt durch eine Geisteshaltung, die immer von einem Ich als Subjekt ausgeht. Die Wahrnehmung, dass alle Gefühle und Gedanken vom Ich ausgehen und dieses Ich auch betreffen, bedingt das Leiden. Wird das Bewusstsein vom Ich aufgelöst, findet das Leid keinen Ansatzpunkt mehr.
Die Buddha-Natur wird als unzerstörbar und ungeboren beschrieben, denn sie ist weder von äußeren Einflüssen noch von psychischen Veränderungen beeinflussbar. Die Lehren über die Buddha-Natur stellen die gewöhnliche Wahrnehmung eines nicht erleuchteten Wesens als „relative Wirklichkeit“ der Wahrnehmung eines erleuchteten Wesens gegenüber. Diese nicht duale, erleuchtete Wahrnehmung wird als „absolute Wirklichkeit“ bezeichnet. Aus der Perspektive absoluter Wirklichkeit sind relative und absolute Wirklichkeit untrennbar.

Die geistigen Befleckungen der Lebewesen sind von flüchtiger und vorübergehender Natur. Aus diesem Grund ist der Geist dazu geeignet, sich von diesen Befleckungen wieder zu befreien. Gier und Hass sind beispielsweise aufgrund vorübergehender Umstände und Ursachen entstanden, sie sind aber nicht Teil der eigentlichen Natur des Geistes. Diese Beschaffenheit des Geistes, dass die Befleckungen nicht zur Natur des Geistes selbst gehören, wird als die natürlich anwesende Buddha-Natur betrachtet.
Die Befleckungen des Geistes können entfernt werden, weil sie nicht seiner eigentlichen Natur angehören. Ebenso gehören Wolken nicht zur eigentlichen Natur des Himmels; der Schmutz im Wasser gehört nicht zur eigentlichen Natur des Wassers; und die Oxidation auf der Oberfläche von Gold ist kein Teil der Natur des Goldes selbst. Ähnlich verhält es sich mit den Befleckungen des Geistes. Wären die Wolken ein Teil der Natur des Himmels, so wäre es unmöglich, dass sie entstehen und vergehen. Könnte man den Schmutz im Wasser nicht entfernen, wäre es nicht möglich, das Wasser von Schmutz zu reinigen. Und es gäbe kein reines Gold, wenn sich die Oxidation nicht beseitigen ließe.
Die Leidenschaften gehören nicht zur Natur des Geistes. Wären sie ein Teil der Natur des Geistes, so könnte man die Gegenmittel der Leidenschaften mit noch so großem Eifer anwenden; es würde nicht gelingen, den Geist von ihnen zu reinigen. Das ist aber nicht der Fall. Der Geist kann mit korrekten Mitteln weiterentwickelt und die Leidenschaften können beseitigt werden. Der Buddha hat gesagt: „Mönche, der Geist ist ohne Geist, der Geist ist klares Licht“. Die befleckten Geisteszustände sind nicht die eigentliche Natur des Geistes. Daher ist der Geist in seiner Natur klares Licht.

Verunreinigte Geisteszustände



Die sechs Arten verunreinigter Geisteszustände bedingt durch Unwissenheit.

Wie kann man die Unwissenheit beseitigen.

1. Die Verunreinigung der Hörer und Alleinerkenner durch Anhaftung.
Sie denken etwa, dass die attraktiven Dinge genau so bestehen, wie sie erscheinen.
Wenn etwas als angenehm duftend erscheint, dann sind sie der Auffassung, dass die Attraktivität im Objekt selbst liegt. Sie glauben, dass das Objekt aus sich heraus so anziehend ist, dementsprechend haften sie daran.
Auf der anderen Seite gibt es Objekte, die sie ablehnen. Wenn etwas unangenehm ist, haften sie ebenfalls daran. Sie sind der Überzeugung, dass das ungeliebte Objekt genau so existiert, wie es erscheint. Sie sehen es dann nicht nur als nachteilig an, sondern entwickeln noch dazu eine Abneigung dagegen.
Ihre Reinigung besteht darin, wie die Bodhisattvas zu praktizieren:
Mit reiner Weisheit die letztendliche Seinsweise alles Existierenden, die Leerheit von inhärenter Existenz erfassen.
Mit dem Verständnis der Leerheit von inhärenter Existenz allen Phänomenen Beachtung schenken.
Alle guten Handlungen praktizieren.
In völlig reinem Gewahrsein aus dem Schlaf der Unwissenheit zur Buddha-Natur erwachen.
Die wunderbaren geschickten Methoden praktizieren.
Mit befreiender Weisheit ohne falschen Gedanken in der tiefgründigen Wahrheit verweilen.
Die Leerheit von inhärenter Existenz aller Phänomene, die letztendliche Seinsweise alles Existierenden verstehen und nicht mehr davon abweichen. Um der Erleuchtung willen mit dem Geist achtsam jenseits von Gedanken verweilen, in kindgleicher Reinheit.
Mit dem Verständnis, dass alle Phänomene keinerlei eigene Natur besitzen, der Lehre des Buddha folgen, um so die Buddhaschaft zum Wohle aller Lebewesen zu erreichen.
Die Leerheit praktizieren, die Qualität des befreienden Wissens und der Weisheit erlangen, um die Fesseln von Geburt und Tod zu lösen.

2. Die Verunreinigung der Praktizierenden, die geschickte Hilfsmittel angewandt haben.
Seit ihrer menschlichen Geburt sind sie mit den fünf Ansammlungen (Aggregaten), Form, Empfindung, Unterscheidung, gestaltende Faktoren und Bewusstsein, verbunden und von ihnen abhängig. Ohne Erkenntnis der Leerheit identifizieren sie sich völlig mit diesen und erfahren dadurch Leid. Durch verwirrte Gedanken halten sie das Selbst, das sie in Verbindung mit dem veränderlichen Körper und Geist erfassen, für existent. Aus dieser falschen Sichtweise entstehen Begierde, Hass und andere Leid bringende Geistesfaktoren und daraus gehen erneut negative Handlungen hervor.
So weist auch der indische Meister Aryadeva in seiner Schrift „Die 400 Verse“ darauf hin: „Der Same des Samsara ist das Bewusstsein“, wobei hier ein verblendetes Bewusstsein gemeint ist. Mit korrekten Begründungen erkennen sie, dass es ein konkretes, unabhängiges Ich nicht geben kann, sondern dass hier Täuschung im Spiel ist. Je mehr sie sich dieser Täuschung bewusst werden, desto stärker reduzieren sie die Vorstellung eines greifbaren, konkreten Ichs, und umso schwächer werden ihre Leidenschaften, wie Verlangen und Abneigung. Das hindert sie aber nicht daran, zu sehen, dass einiges im Leben vorteilhaft und angenehm, anderes nachteilig und unangenehm ist. Aber das Haften daran nimmt ab und Leidenschaften können nicht so leicht aufkommen. Je mehr sie diese Sicht verinnerlichen, umso freier werden sie von Leiden; ihr Bewusstsein wird gereinigt.

3. Die Verunreinigung, die trotz Einhalten der Regeln und Meditation noch besteht.
Das gewöhnliche Bewusstsein wird durch die fortgesetzte, intensive Übung gereinigt. Das Ziel ist, das Bewusstsein von allen Fehlern zu reinigen. Das Bewusstsein geht während dieser Reinigung weiter. Insofern existiert auch die Person weiter, die in Abhängigkeit von diesem Bewusstsein benannt wird. Unser normales Ich, das im Moment mit Makeln behaftet ist, wird durch die Reinigung umgewandelt, denn die Untugenden gehören nicht zur eigentlichen Natur des Bewusstseins.

4. Die subtile Verunreinigung – wie wenn in einem Spiegel Formen erscheinen.
Die Täuschung besteht darin, dass die Dinge fälschlich für aus sich selbst heraus bestehend gehalten werden. Dazu gibt es ein direktes Gegenmittel, nämlich die Erkenntnis, dass alle Phänomene – weil sie abhängig bestehen – von einer solchen Eigennatur leer sind. Die Weisheit steht im direkten Gegensatz zur falschen Auffassung, die Dinge würden aus sich selbst heraus entstehen. Beide Annahmen können nicht gleichzeitig richtig sein. Ein Ding kann nicht unabhängig und abhängig zugleich sein.

Sobald sich die Erkenntnis der Abhängigkeit entwickelt, wird die Unwissenheit geschwächt. Sogar, wenn man nicht durch Überlegungen den Bezug zur endgültigen Natur der Dinge und des Bewusstseins herstellt, sondern sich auf die konventionelle Natur beschränkt, stellt man fest: Das Bewusstsein ist seinem Wesen nach Klarheit und Erkenntnis; es hat diese erkennende Natur. Die Praxis, um Reinheit zu erlangen, besteht darin, Wunschgebete zu sprechen und in der Übung der zehn befreienden Qualitäten:

1. das Leben anderer zu schützen

2. reichliche Gaben zu spenden

3. reines sexuelles Verhalten zu pflegen

4. aufrichtig die Wahrheit zu sagen

5. Zerstrittene oder Verfeindete auszusöhnen

6. ruhig und vertrauenswürdig zu sprechen

7. Sinnvolles zu reden

8. wenig zu begehren und zufrieden zu sein

9. Wohlwollen zu üben

10. sich dem wahren Sinn zuzuwenden.

Die Freiheit, die reinen Buddha-Länder aus eigener Erfahrung zu kennen.

5. Die subtilere Verunreinigung, wo keine Hindernisse mehr erscheinen und die vier Furchtlosigkeiten praktiziert werden.
Eine Furchtlosigkeit ist eine absolut feste, endgültige Verwirklichung, die vollständig ohne Furcht ist, den Dharma zu lehren. Es gibt vier Arten: (1) Furchtlosigkeit, den Dharma des definitiven Verlassens zu offenbaren, (2) Furchtlosigkeit, den Dharma der Überwindung von Behinderungen zu offenbaren, (3) Furchtlosigkeit, den Dharma ausgezeichneten Aufgebens zu offenbaren, (4) Furchtlosigkeit, den Dharma ausgezeichneter Verwirklichungen zu offenbaren.

Um die subtilen Befleckungen zu reinigen, ist es notwendig, die zehn befreienden Qualitäten zu praktizieren und sich besonders der Praxis der befreienden Qualität der Kraft zu widmen. Das Wissen um das Ende von Karma und Leidenschaften ist die Befreiung. Die Beendigung ist ein Glück verheißender Zustand, ein dauerhafter Frieden, der sich nicht wieder verändert oder vergeht; die Beendigung ist ein dauerhafter Zustand der Befreiung.

6. Die subtilste Verunreinigung.
Die subtilste Verunreinigung findet sich dort, wo sich die Bodhisattvas auf der zehnten Stufe durch die Praxis der befreienden Qualität üben, um durch Läuterung dieses subtilsten Bewusstseins zum Dharmakaya, zum Geist des Buddha zu werden. Der subtilste Wind wird einerseits zur Rede des Buddha, die man in diesem Fall auch als Sambhogakaya bezeichnet, und darüber hinaus zum Nirmanakaya, zur körperlichen Erscheinung eines Buddha, mit der er zum Wohle der Lebewesen wirkt. Ist man auf der elften Stufe selbst ein Buddha geworden, erkennt man schließlich den Dharmakaya vollkommen.


Wie man die Unwissenheit überwinden und somit auch das Leiden beenden kann.

Bei den Lebewesen im Samsara kann man grobes Bewusstsein mit den groben Aktivitäten und subtiles Bewusstsein unterscheiden.
Durch Dharmapraxis wird der verunreinigte Geist gereinigt. Meditation reinigt das subtile Bewusstsein. Anfänglich ist ein Fortschritt ohne Anstrengung und Disziplin nicht möglich, aber nach und nach treten positive, friedliche, glückliche Geisteszustände immer natürlicher und immer häufiger auf. Dualität entspringt der Einheit, doch auch daran haftet man nicht. Befindet sich der Geist im Einklang mit der Soheit, gibt es keinen Widerstand.
Wenn nichts mehr Widerstand auslösen kann, hören die Dinge auf, in gewohnter Weise zu existieren.
Entstehen keine wertenden Gedanken mehr, hört der alte Geist auf zu existieren.
Wenn Gedankenobjekte verschwinden, verschwindet auch das denkende Subjekt, wenn der Geist verschwindet, verschwinden auch die Objekte.
Man erkennt, dass die gegenseitige Bedingtheit ihrer Einheit in der Leerheit entspringt. In der Leerheit sind Subjekt und Objekt nicht unterscheidbar und die ganze Welt ist darin enthalten.

Unwissenheit kann zeitweise die Buddha-Natur, die grundsätzlich rein und unwandelbar ist, parfümieren wie Kleidungsstücke, die keinen Eigengeruch haben, aber wenn die Menschen sie parfümieren, einen Duft annehmen. Unwissenheit ist nichts Greifbares. Der von ihr verursachte Geruch ist ein flüchtiger Duft, der in keiner Weise die ursprüngliche Natur beeinträchtigt und nicht Teil von ihr ist.
Der reine Zustand der Soheit erhält durch die Unwissenheit einen Geruch, der weltliche Sorgen und Leiden entstehen lässt.
Wenn der Geist nur von unreinen Wünschen, Hindernissen und Unzufriedenheit umwölkt ist, wenn ihm die Weisheit verschlossen bleibt, dann beharrt er hartnäckig auf dem Ich- und Mein-Denken. Die Durchdringung der Unwissenheit ist von zweierlei Art. Eine ist die grundlegende Durchdringung anhand der Aktivität der Weisheit der Liebe und des Mitgefühls; und die andere ist die Durchdringung, die falsche Sichtweisen und Anhaftungen entwickelt.
Der dualistische Geist versteht einen Sachverhalt, indem er an Bezeichnungen festhält, indem er Dinge benennt und dabei die wahre Natur des Geistes nicht erkennt. Der Geist ist in der Lage, Formen, Töne und andere Phänomene zu erfassen sowie Glück und Leid zu erleben.
Soheit ist die Natur der Dinge.
Indem wir die Soheit nicht erkennen, gestatten wir diesen Dingen, uns zum Glauben an die Dualität zu verleiten: dies – das, Zuneigung – Abneigung, heiß – kalt, weiblich – männlich, befleckt – erleuchtet. Diese Täuschung ist die Ursache all unserer Probleme. Verfangen in den Gegensätzen, können wir die wahre Natur der Dinge nicht sehen.
Die Welt der Phänomene jedoch hat keine eigenständige Existenz. Wenn man sie analysiert, findet man nur Leerheit.
So wie der Raum die Vorbedingung ist, dass sich die Welten entfalten können, ist der reine Zustand der Soheit die Vorbedingung, die Wahrheit aller Dinge zu erkennen, die Realität der Dinge, bezüglich der wir uns bislang getäuscht haben.
Durch die kleinste Unterscheidung entfernen sich Himmel und Erde unendlich weit voneinander. Die Soheit intuitiv zu erfassen, heißt, zur Wurzel, Soheit, zurückzukehren, heißt, das Prinzip zu verstehen. Der reine Geist und der unreine Geist bedingen sich gegenseitig. Durch die Kraft des stillen Verweilens und der besonderen Einsicht bringt die Soheit den verwirrten Geist dazu, den Kreislauf von Werden und Vergehen zu verabscheuen und nach der Befreiung daraus zu streben.
Die Wahrheit kennt keine Unterscheidungen, aber der verblendete Geist hängt an seinen Wünschen. Daher erlaubt er jetzt den Gedanken, dass sie entstehen und sich wieder auflösen, ohne Spuren zu hinterlassen, und findet seine wesentliche ursprüngliche Natur. Durch die Erkenntnis, dass die Gedanken nicht wirklich geboren wurden und deshalb nicht existieren und aufhören zu existieren, haben sie keinen Einfluss und keine karmischen Auswirkungen mehr. Es gibt nichts mehr zu befürchten von unheilsamen Gedanken und nichts mehr zu erhoffen von heilsamen. Betrachtet man Bewegung als ruhend und Ruhe als bewegt, lösen sich beide auf.
In der Tat ist diese vollständige Akzeptanz, ohne dadurch/davon bewegt zu werden, gleichbedeutend mit Erwachen. Ein Phänomen, alle Phänomene bewegen und durchdringen sich gegenseitig ohne Unterscheidungen. In dieser Erkenntnis zu leben und dem nicht dualistischen Geist zu vertrauen, heißt, ohne Furcht vor Unvollkommenheit, auf dem Weg des Buddha zu sein.
Durch die Kraft dieser Durchdringung der Soheit über einen langen Zeitraum hört die Unwissenheit auf. Es gibt kein Entstehen verwirrter Aktivität des Geistes mehr. Wenn die Verwirklichung aufdämmert, wird der Geist völlig frei, entspannt, wunschlos glücklich, weit und friedvoll.
In dieser Welt der Soheit gibt es weder ein Selbst noch ein Anderes-als-Selbst.
Gleich wann oder wo, Erwachen bedeutet, in diese Wahrheit einzudringen.
Diese Wahrheit ist jenseits von Entstehen und Vergehen in Zeit und Raum.
Ein Moment und ein Äon sind darin gleich. Hier und dort, wohin man auch blickt: Leerheit – und doch steht das unendliche Universum direkt vor unseren Augen.
Unendlich groß, unendlich klein macht keinen Unterschied, denn Definitionen sind aufgehoben, Begrenzungen gefallen.
Sein und Nicht-Sein sind das Gleiche, jedes ein Aspekt des anderen.
Wenn man über das Meer meditiert, fühlt sich der Geist wohl. Die Wellen sind die Bewegungen des Meeres. „Wie der Ozean, aufgrund des Windes – eine Bedingung für die Bewegung auf seiner Oberfläche – viele Wellen produziert, während seine Möglichkeiten ohne Unterbrechung fortdauern, so wird das Speicherbewusstsein gleich dem Ozean durch den Wind der Objekte bewegt, Wellen von kurzzeitigem Bewusstsein erzeugend, während seine Möglichkeiten unaufhörlich fortdauern."

Die vier „gewohnheitsmäßige Tendenzen" oder „Schichten in der mentalen Verfassung".
Diese sind im aktuellen Inhalt des Bewusstseins nicht gegenwärtig, sie bestimmen unser Verhalten jedoch auf unterschiedlichste Weise, da sie nicht nur auf die frühe Kindheit, sondern auf unzählige frühere Leben zurückgeführt werden. Sie werden mit Ablagerungsschichten verglichen, die sich nach und nach im Flussbett des Bewusstseins angeschwemmt haben, und als „Speicherbewusstsein" bezeichnet. Konkret wird zwischen acht verschiedenen Komponenten des Bewusstseins unterschieden.

Das Speicherbewusstsein ist der allem zugrunde liegende Aspekt des Geistes. Dies ist schlicht und einfach die Tatsache, bei Bewusstsein zu sein und eine allumfassende, verschwommene Wahrnehmung von der Existenz des Universums zu haben. Dann gibt es die fünf Aspekte des Bewusstseins, die sich auf Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Fühlen beziehen. Der nächste Aspekt des Bewusstseins wird mit Gedanken oder mentalen Assoziationen in Verbindung gebracht und schließlich folgt jener Aspekt, der sich auf die positiven oder negativen Emotionen bezieht, die aus den Gedanken erwachsen.

Das Speicherbewusstsein ist Mittler und Träger der gewohnheitsmäßigen Tendenzen. Versucht man, den Bewusstseinsstrom zu reinigen, indem man durch spirituelle Praxis und Innenschau die Natur des Geistes untersucht, beinhaltet dies die Auflösung dieser Tendenzen. Da sie sich über einen beträchtlichen Zeitraum angesammelt haben, sind sie wesentlich schwieriger aufzulösen als gewöhnliche, eindeutige Gefühle. Es ist ähnlich wie bei einem Blatt Papier, das lange Zeit zusammengerollt war. Versucht man es glatt auf den Tisch zu legen, bleibt es nur dann auseinandergerollt liegen, wenn man die Hand darauf legt. Sobald man loslässt, rollt es sich von allein wieder zusammen.

Der reine Zustand der Soheit in Verbindung mit andauernden Gewohnheiten.

Wenn wir uns, relativ gesprochen, im unreinen Zustand im Samsara befinden, wo die Unwissenheit herrscht, brauchen wir die spirituelle Praxis. Verbunden mit der Läuterung gehen wir durch ein Stadium, in dem Unwissenheit und Wissen miteinander vermischt sind. Die immerwährende Kontinuität geistiger Aktivität, die dieses immanent aneinandergebundene Erscheinungspaar produziert, mag ungeläutert, teilweise geläutert oder völlig geläutert sein, abhängig von den Abfolgen von Momenten der Verwirrung und von den Gewohnheiten, die sie begleiten. Es gibt viele verschiedene Methoden auf dem spirituellen Weg, wobei sich augenscheinlich Umwandlungen vollzogen haben, und dennoch hat sich die Natur des Geistes nicht verändert. Sie ist am Anfang des Weges nicht minderwertig gewesen und am Ende des Weges nicht besser geworden.

Die allgemein begleitenden Ursachen.

Da die Buddhas und Bodhisattvas sich wünschen, kraft ihrer Weisheit alle Lebewesen zu befreien, manifestieren sie Aktivitäten den Bedürfnissen der Menschen gemäß, um sie mit ihren spirituellen Einflüssen zu durchdringen. Der Geist der Menschen ist in seiner Natur sauber, erst durch Unwissenheit und den karmischen Wind wird er beschmutzt. Die Natur des Geistes entdecken, heißt, seine Leerheit entdecken.

Alle Erscheinungen sind ohne eigenständige Existenz; die Leerheit ist ihre eigentliche Natur.

Die illusionshafte Natur der Erscheinungen.

Die andauernde Gewohnheit vergänglicher Gedanken.

Zwei Arten.

1. Gewöhnliche Menschen, Hörer und Alleinerkenner denken in Kategorien der Unterscheidung, die über den Geist hinweg ziehen. Wenn sie Geburt, Tod und Vergänglichkeit nicht mögen und sich der glaubensstarken Übung widmen, bedeutet das, dass sie sich langsam Stufe für Stufe weiterentwickeln, um eines Tages die Erleuchtung zu erlangen. Im Geist und Herzen sind sie von der Soheit durchdrungen.

2. Die andere Gruppe sind mutige Bodhisattvas mit starkem Willen.

Das gewöhnliche Bewusstsein entwickelt sich durch die fortgesetzte, intensive Übung in den Geist eines Buddha.

Durch die vollständige Läuterung wird der Geist zum Weisheitsbewusstsein des Buddha und die Person selbst wird zu einem Buddha. In diesem Zustand gibt es keinen Unterschied mehr zwischen tiefer Meditation und den Zeiten außerhalb der Meditation. Ein Buddha befindet sich gleichzeitig in tiefer Versenkung und wirkt ununterbrochen zum Wohle aller Lebewesen. Durch die Bezeichnung „Buddha“ eröffnet sich die Natur aller Dinge. Unsere Empfindungen beruhen auf flüchtigen Verbindungen von Körper und Geist; sie ändern sich ständig. Sobald die Verwirklichung der Leerheit die Schleier der Unwissenheit auflöst, offenbaren sich die natürlichen Qualitäten der Buddhaschaft von selbst. Die Unwissenheit hat keinen Anfang, aber ein Ende, während die ursprüngliche Soheit weder Anfang noch Ende hat. Wird das Mysterium der Soheit ergründet, gibt es keine Verstrickungen mehr.
Wenn alle Dinge mit einem leeren (unterscheidungsfreien) Geist betrachtet werden, offenbaren sie die Essenz der Soheit.
Weder Vergleiche noch Gleichnisse gibt es in diesem ursachenfreien, bezuglosen Zustand.

Die Eigenschaft der Soheit

Da alle Dinge in ihrer Soheit unbeschreibbar sind, gibt es kein Entstehen und kein Erlöschen, kein Leiden und keinen Ursprung des Leidens, kein Ende des Leidens und keinen Weg, kein Verstehen und kein Erlangen.

Das Sehen, wie die Dinge letztendlich sind, wird als Soheit bezeichnet. Wir können die Dinge nur beschreiben, weil wir sie mit unserem unreinen Geist voneinander trennen, sie in Gegensätze aufteilen, ihnen Namen geben, ihnen Eigenschaften zumessen, sie vergleichen, sie beurteilen und bewerten. In dem ursprünglichen Sehen, in diesem Nur-Sehen, in diesem ursprünglichen Gewahrsein, in diesem Sein, bevor unser Geist klassifiziert und damit trennt, gibt es kein Werden, kein Entstehen. Es gibt nichts zu erlangen, weil alles in wunderbarer Weise bereits ist. Entstehen, Weg, Leiden und so weiter sind nur Begriffe ohne Substanz. Wird das Mysterium der Soheit ergründet, gibt es keine Verstrickungen mehr.
Wenn alle Dinge mit einem unterscheidungsfreien Geist betrachtet werden, offenbaren sie die Essenz der Soheit.
Betrachte Bewegung als ruhend und Ruhe als bewegt, und beide lösen sich auf.
Wenn es keine Dualität gibt, was wird dann aus dieser Einheit?
Für dieses letzte Ende gibt es keine Gesetzmäßigkeit, hier sind keine Regeln anwendbar.

Für den geeinten Geist im Einklang mit dem Weg gibt es keine eigennützigen Bestrebungen mehr.
Zweifel und Unentschlossenheit verschwinden, und ein Leben in echtem Vertrauen ist möglich.
Mit einem Streich sind wir aller Fesseln ledig.
Nichts haftet an und wir halten nichts mehr fest. Es gibt keine Begierde, kein Leiden.
Ohne Anstrengung offenbart sich alles als leer, klar mit großer Weisheit und selbst erhellend als strahlendes Licht.
Hier haben Gedanken, Empfindungen, Wissen und Vorstellung keine Auswirkung mehr.

In dieser Welt der Soheit gibt es weder Selbst noch etwas anderes als Selbst.
Um in diese Welt einzutreten, sagt man, wenn Zweifel aufsteigt, einfach „Nicht-Zwei“.
In diesem „Nicht-Zwei“ ist nichts getrennt und nichts ist ausgeschlossen.
Gleich wann oder wo – Erwachen bedeutet, in diese Wahrheit aufzugehen.
Diese Wahrheit ist jenseits von Entstehen und Vergehen in Zeit und Raum. Ein Moment und ein Äon sind darin gleich. Hier und dort, wohin man auch blickt: Leerheit – und doch steht das unendliche Universum direkt vor unseren Augen.
Unendlich groß, unendlich klein macht keinen Unterschied, denn Definitionen sind aufgehoben, Begrenzungen gefallen.

Sein und Nicht-Sein sind das Gleiche, jedes ein Aspekt des anderen.

Form ist Leerheit, Leerheit ist Form, Form ist nichts anderes als Leerheit, Leerheit ist nichts anderes als Form.

Warum jemand nicht an die Soheit glauben kann.
Das negative Karma und die Störungen des Geistes bestehen darin, sich auf Bewertungen einzulassen. Wenn die Unwissenheit und Verwirrung des unreinen Geistes an Gedanken – zahlreich wie die Sandkörner des Ganges – gebunden sind und jener sich immer weiter von der Wahrheit entfernt, ist er durch Illusionen und Verunreinigungen charakterisiert, den Mangel an wahrer Erkenntnis. Alle weltlichen Sorgen und Leiden entstehen aus der Unwissenheit des verwirrten Geistes. Erscheinungen nachzujagen heißt den Ursprung übersehen.
Welcher Nutzen kann aus Unterscheidung und Trennung erwachsen? Jede Dualität entsteht aus ignoranten Wertbeimessungen – wie dumm, danach zu greifen wie nach Träumen oder Luftschlössern.
Zur Wurzel, Soheit, zurückzukehren, heißt, das Prinzip zu verstehen, dass die Soheit für alle unterschiedslos gleich ist und aus diesem Grund alle Lebewesen ihre Essenz besitzen.

In der Lehre des Buddha gibt es Ursachen und abhängiges Entstehen.
Die Entstehung des Leidens und der Weg zur Befreiung.
„In jedem Holz steckt der Keim des Feuers.“ Aber man muss etwas tun, damit dieses Feuer aus dem Holz befreit wird. Nur durch die Reibung mit einem anderen Stück Holz kann dies geschehen. Auch der Mensch muss den ihm innewohnenden Keim der Befreiung hegen und pflegen, damit er sich entwickeln und wachsen kann.
Der Buddha sagt, die wahre Natur der Lebewesen sei rein. Solange unser Geist benebelt ist, können wir die Erleuchtung nicht erlangen. Die Erleuchtung ist einfach nur ein anderer Zustand. Wenn wir geboren werden, bekommen wir einen Namen. Ein Name ist nichts Festes, hat keine Beständigkeit; er ist nur eine Bezeichnung.

Die meisten Menschen wissen nicht, dass sie den Keim der Befreiung in sich tragen. Wir sind immer auf der Suche nach irgendetwas „da draußen“. Über unsere sechs Sinne sind wir ständig auf der Suche nach Befriedigung. Mit unseren Augen suchen wir nach Schönheit, mit unseren Ohren nach angenehmen Klängen. Wenn wir keine Reize über unsere sechs Sinne empfangen, meinen wir unsere Lebendigkeit einzubüßen. Wir sehen nicht, dass wir uns eben durch diese Sinneswahrnehmungen in die Irre führen lassen. Wir suchen draußen nach etwas, was wir im Inneren bereits besitzen. Jeder Mensch hat die Möglichkeit, ein Buddha zu werden. Allerdings ist es dazu notwendig, dass wir praktizieren. Auch der Buddha selbst hat viele Leben hindurch praktizieren müssen, um ein Buddha zu werden.

Aspekte von Gewohnheiten und unterschiedlichen Bedingungen.

Im Daseinskreislauf werden durch das Leiden des Wandels die Verwandten, wie zum Beispiel unsere Eltern, in anderen Leben zu unseren Kindern, feindliche Wesen zu Freunden, und weil dies auch umgekehrt vorkommt, gibt es im Daseinskreislauf nicht die geringste Gewissheit.

Kraft der großen Liebe und des tiefen Mitgefühls, entfaltet von den Bodhisattvas auf dem Weg zur Buddhaschaft, vermögen sie es, die Lebewesen zu verändern. Sie unternehmen große Anstrengungen, um durch die Praxis der sechs Vollkommenheiten mit liebevoller Zuwendung, in Freude und Leid, durch zahllose Zeitalter unermesslich viele Lebewesen zu befreien. Sie arbeiten ständig für die Lebewesen, um ihnen Nutzen zu bringen.

Durch unterschiedliche Bedingungen sind die Einflüsse der Soheit von zweierlei Art.

Soheit:
Skr. tathāta, das wahre Wesen, die wahre Natur der Dinge, so wie sie der Geist direkt erfährt, wenn die Subjekt-Objekt-Dualität überwunden ist.

Wir können die Wirklichkeit nur durch direkte, unmittelbare Erfahrung erfassen.

Die Natur aller Dharmas ist nicht bedingt und kann als Soheit (Tathata) bezeichnet werden. Soheit ist die wahre Natur aller Dharmas. Aus der Soheit entsteht der Lotus. Alles entsteht aus der Soheit. Ein Wesen, das aus der Soheit hervorgeht, nennt man einen Tathagata; das bedeutet: Der So-Gekommene. In Wahrheit kommen die Dharmas nicht von irgendwoher, noch gehen sie irgendwohin, denn ihre Natur ist bereits Soheit.

Gewöhnliche Menschen, Anhänger des Hinayana und jene Bodhisattvas auf der Anfängerstufe, die den Erleuchtungsgeist in sich entstehen lassen, erkennen nicht, dass sie durch Unwissenheit etwas widerspiegeln – ganz im Widerspruch zu dieser Wirklichkeit –, das gar nicht existiert. Ihre Unwissenheit projiziert auf der Grundlage der Aggregate eine unabhängige Identität, obwohl es eine solche nicht gibt.

Die illusionäre Identität entsteht aus den Aggregaten. Die Menschen glauben, dass sie existieren und greifen nachhaltig danach – als Ich, Person oder Selbst.

Dieses Greifen nach einem Ich führt dann weiter zum Betrachten von Objekten als „mein“, wie zum Beispiel mein Körper, mein Geist, meine Freunde, meine Feinde, mein Land, meine Religion und so weiter. Alle diese Dinge scheinen im Besitz dieses unabhängigen Ichs zu sein. Dadurch entstehen viele Geisteszustände der Täuschung wie das Anhaften an etwas, die Abneigung gegenüber etwas anderem, Egoismus, Stolz und so weiter. Nun, das soll nicht heißen, dass es kein Ich gibt, sondern vielmehr gilt es, zu verstehen, dass das wirklich vorhandene Ich ein abhängiges Ich ist, das lediglich als Benennung besteht.

2. Bei den Bodhisattvas mit dem allwissenden Gewahrsein, die nicht mehr im unterscheidenden Bewusstsein verfangen sind und das unterscheidende Verständnis erlangt haben, wird die Einflussnahme der Soheit als sich widerspiegelnd reflektiert, in der Denkweise, die äußeren Einflüsse als unwirklich zu betrachten. Dies wird der Einfluss der Soheit in der Form der Glückseligkeit genannt, die mit dem Geist des klaren Lichtes, der feinsten Ebene des Geistes übereinstimmt. Durch die Praxis der sechs Vollkommenheiten erlöschen die Gewohnheiten, die von der Unwissenheit herrühren.

Erlöschen des unreinen Bewusstseins.
Seit anfangsloser Zeit hat sich das unreine Bewusstsein in einer ununterbrochenen Abfolge entwickelt. Von einem Augenblick zum nächsten geht es als Ursache zugrunde und wird als Wirkung geboren, solange bis alle Verunreinigungen beseitigt sind und es mit dem Erreichen der Buddhaschaft erlischt.

Dieses Bewusstsein, das mit der endgültigen Realität verschmolzen ist, nennt man den Dharmakaya. Der Geist wird voll manifestierter Dharmakaya, wenn Erleuchtung erlangt wird. Er stellt die Verwirklichung des höchsten eigenen Wohls des Buddha dar. Warum hat der Buddha einen Dharmakaya verwirklicht? Es geht allein um das Wohl der anderen. Der Dharmakaya kann sich in vielfältigen Formen zeigen, je nachdem wie es den Neigungen und Fähigkeiten der Schüler angemessen ist. Der Buddha manifestiert, ohne jemals die Sphäre der endgültigen Realität zu verlassen, aus dem Dharmkaya heraus vielfältige Formkörper zum Wohle der Wesen. Es gibt zwei Arten von Formkörpern: den Sambhogakaya und den Nirmanakaya. Der Sambhogakaya ist ein feinstofflicher Körper, der nur von hohen Bodhisattvas, die ihren Geist intensiv gereinigt haben, wahrgenommen werden kann. Darüber hinaus zeigt sich der Buddha den gewöhnlichen Wesen in den unreinen Welten in grobstofflichen Körpern, die als Nirmanakaya oder Ausstrahlungskörper bezeichnet werden.

Der erhabene Buddha sagte ganz klar in seinen Lehren, dass unser Körper momentan der Samen des Ausstrahlungskörpers, Nirmanakaya, ist, unsere Rede der Samen des Körpers der Glückseligkeit, Sambhogakaya, und unser Geist der Samen des Weisheitskörpers (auch Wahrheitskörper), Dharmakaya, ist.


Tathata – immerwährend so.

In dieser höchsten Wirklichkeit gibt es weder Subjekt noch Objekt. Dieser Zustand wird als Soheit der Dharmas bezeichnet. Soheit ist nichts anderes als unmittelbares, in spiritueller Erfahrung direkt erkanntes, reines Bewusstsein. Wenn die Psyche des Übenden sich in meditativer Versenkung von Subjektivität wie Objektivität befreit und stetig im reinen Bewusstsein verbleibt, wird die höchste Erkenntnis hervorgebracht, die unbeschreiblich, transzendent und vollkommene Freude ist. Der Wahrheitskörper strahlt in vollkommener Tugend und allumfassender Weisheit in die zehn Richtungen, alles leuchtet im unermesslichen Glanz.

Die verschiedenen Bodhisattva-Stufen mit der Annäherung an die vollkommene Übereinstimmung:

1. Die universelle Soheit, Tathata, die durch die Welt der Leerheit (Shunyata) enthüllt wird. Es gibt kein einziges Phänomen, das aus dieser Perspektive nicht leer ist.

2. Die höchste Soheit, Tathata, verfügt über unendlich erhabene Qualitäten und ist die höchste aller Lehren.

3. Die Lehren, die aus dieser Soheit, Tathata, fließen, sind die vorzüglichsten aller Lehren.

4. Die unabhängige Soheit, Tathata, die nicht dafür anfällig ist, „zu eigen gemacht zu werden". Diese Soheit hat nichts Abhängiges, denn sie hat keine Grundlage für den Glauben an ein Ich und kann daher von diesem Glauben auch nicht vereinnahmt werden.

5. Die Soheit, Tathata, der subjektiven Nichtunterscheidung.
Diese zeigt sich nicht in irgendeiner Unterscheidung, denn sie unterscheidet nicht wie das Auge und so weiter.Sie bildet eine einzelne Substanz – Samsara und Nirvana sind eins. Form und Leerheit sind letztlich eins; es gibt keine Dualität von Form und Nicht-Form – beide sind Ausdrucksformen ein und derselben Wirklichkeit.
Solange aber ein haarfeiner Spalt zwischen Subjekt und Objekt besteht, sind wir verblendet und sehen die Dinge nicht so, wie sie wirklich sind.

6. Die Soheit, Tathata, jenseits von Reinheit und Unreinheit. Die Soheit, Tathata, ist grundsätzlich nicht befleckt und es kann von ihr nicht gesagt werden, sie sei zuerst unrein und danach rein.

7. Die Soheit, Tathata, der objektiven Nichtunterscheidung.
Sie ist ohne Unterscheidung, dennoch kann sie auf verschiedene Weise definiert werden wie: das Reich der Wahrheit, oberste Bedeutung, heilsame Taten.

8. Die Soheit, Tathata, welche die Vorstellung von Zunahme und Abnahme überschreitet. Weder nimmt sie durch Reinheit zu noch durch Unreinheit ab. Ob gute oder schlechte Angelegenheiten der Ethik und des Glaubens zunehmen oder abnehmen, diese verbleibt immer, wie sie ist.

9. Die Soheit, Tathata, bildet die Grundlage für die Meisterschaft der überweltlichen Weisheit.

10. Die Soheit, Tathata, bildet die Grundlage für die Meisterschaft über alle Handlungen. Man stimmt mit der

Soheit /Tathata vollkommen überein.

Die Ausstrahlungskörper der Buddhas.

Dharmakaya ist die Dimension, welche die Essenz von allem ist, die Verkörperung von allem.
Sambhogakaya ist der „Körper“ völliger Entwicklung.
Nirmanakaya bedeutet Emanation oder Manifestation des Geistes in einem physischen Körper. Ein Individuum kann – abhängig von seiner Entwicklung – zahllose Formen gleichzeitig manifestieren. Wenn eine Person erleuchtet wird, ist der Geist Dharmakaya; die Energie, die Rede und der Ausdruck sind Sambhogakaya; und der physische Körper ist Nirmanakaya.

Drei Arten weitreichender geistiger Konzentration

Der durch Geradlinigkeit gekennzeichnete Geist, der über die Soheit meditiert, sieht vor sich, hinter sich und in den zehn Richtungen, wohin er auch blickt, Soheit. Dieser Geist der Tiefe kennt keine Grenze für sein freudvolles Ansammeln von positiven Dingen aller Art. Es ist der mit großer Liebe und Mitgefühl versehene Geist, der die weltlichen Sorgen und Leiden an der Wurzel auszumerzen wünscht.
Es gibt die sechs Daseinsbereiche, Welten oder Existenzformen, in denen die Wesen je nach der Qualität ihrer Taten (Karma) und Handlungen wiedergeboren werden: den Bereich der Götter, der eifersüchtigen Götter, der Menschen, der Tiere, der hungrigen Geister und der Höllenwesen. Jeder wird in der Existenzform wiedergeboren, die er sich durch die selbst gelegten karmischen Ursachen verdient hat. In jedem der sechs Bereiche ist der Buddha bemüht, den Wesen Erleichterung ihres Loses und die Kenntnis seiner Lehre zu bringen.
Es gibt verschiedene Gruppen von Praktizierenden: Einige glauben an das Karmagesetz, andere glauben nicht daran.
Karma bedeutet Handlung und das Gesetz von Karma ist das Gesetz von Ursache und Wirkung, das absichtliche Handlungen betrifft.
Gute Handlungen erzeugen Glück und schlechte Handlungen erzeugen Leid für die Person, welche die Handlung begeht. Schlechte oder unheilsame Handlungen werden durch anhaftendes Verlangen, Aggression oder Verblendung veranlasst.
Es sind selbstsüchtige oder ich-bezogene Handlungen.
Gute oder heilsame Handlungen entstehen aus Großzügigkeit, Güte und Weisheit und nutzen allen Beteiligten.
Die karmischen Auswirkungen bzw. Resultate können zu jedem Zeitpunkt in der Zukunft und sogar in zukünftigen Leben heranreifen.

Das Gesetz von Karma bedeutet, dass jedes menschliche Wesen für seine eigene Situation verantwortlich ist. Es gibt keinen Schöpfer, der uns richtet. Karma ist ein Universalgesetz. Seit unermesslichen Zeiten wandern die Menschen in Unwissenheit umher, bedingt durch ihre eigenen Taten und verblendet durch zwei grundlegende Missverständnisse. Erstens glauben sie, dass ihr dualistisches Denken ihr wirkliches Wesen sei, zweitens wissen sie nicht, dass sie, verborgen hinter dem unterscheidenden Geist, einen reinen Geist der Erleuchtung besitzen, der ihr wahres Wesen ist.

Andere Praktizierende erfahren aufgrund der unbeständigen Natur ihrer Fähigkeiten Rückschritte, wenn sie mit ungünstigen Umständen konfrontiert werden. Die Freiheit, ethische Entscheidungen zu treffen, ist relativ und hängt von dem Grad ab, in dem wir unseren Geist von anhaftendem Verlangen, Aggression und Unwissenheit befreien können. Es ist genauso, wie wenn ein kostbarer heller reiner Diamant durch Unreinheiten beeinträchtigt ist. Das Prinzip der Soheit im Menschen ist völlig rein und mit dem makellosen Diamanten vergleichbar. Im Grunde hat jeder einen reinen und klaren Geist, aber dieser ist gewöhnlich von der Verunreinigung und dem Schmutz der irdischen Wünsche überdeckt, die aus den Umständen entstanden sind. Diese irdischen Wünsche entstehen nicht aus dem Geist unseres Wesens; sie sind etwas Zusätzliches. Da der Zustand der Unreinheit grenzenlos ist und alles Seiende durchdringt, ist es notwendig, diese unreine Situation durch das Praktizieren der Lehre des Buddha zu reinigen; dadurch wird man zum Prinzip der Soheit zurückkehren. Reines Gold wird hergestellt, indem Erz geschmolzen und alle unreinen Substanzen entfernt werden. Wenn die Menschen das Erz ihres Geistes schmelzen und alle Unreinheiten der irdischen Leidenschaften und des Egoismus entfernen, werden sie alle die reine Buddha-Natur wiedererlangen.

Die Kultivierung von Weisheit und Mitgefühl: Wenn man erst einmal verstanden hat, dass wir alle miteinander verbunden sind, ist es schwer, nicht Mitgefühl zu empfinden. Und – wenn wir Mitgefühl mit anderen entwickeln, dann verstehen wir wiederum, wie sehr wir alle miteinander verbunden sind. Die Realisation von Leerheit ist die absolut notwendige Bedingung für die Erleuchtung, nur so können wir erkennen, dass alle Dinge ungeboren sind. Mitgefühl ist der relative Geist der Erleuchtung: mit Liebe all jenen zu begegnen, die die Leerheit noch nicht verstanden (oder verwirklicht) haben und nicht wissen, dass alles ungeboren ist. Man folgt der Lehre des Buddha und sollte diese beiden Einstellungen entwickeln. „Ein Vogel braucht zwei Flügel zum Fliegen; daher ist eine Person, die über großes Mitgefühl verfügt, jedoch keine Weisheit besitzt, nur ein liebenswerter Narr. Und eine Person, die Weisheit besitzt, jedoch nicht mitfühlend ist, ist wie ein einsamer Einsiedler in einem Elfenbeinturm, einem immateriellen Ort der Abgeschiedenheit und Unberührtheit.“

Tathata
Nicht-Zweiheit
Shariputra,
Form ist nicht verschieden von Leerheit,
Leerheit ist nicht verschieden von Form.
Form ist Leerheit, Leerheit ist Form.
Das Gleiche gilt für Empfindung,
Wahrnehmung, Wollen und Bewusstsein.
Alle Dharmas sind ausgezeichnet durch Leerheit.
Sie entstehen nicht und sie vergehen nicht,
sind weder vollkommen noch unvollkommen, nehmen weder zu noch ab. (Herz-Sutra).
Frage: Wenn der Dharmakörper der Buddhas frei von der Manifestation der körperlichen Form ist, wie kann er dann in körperlicher Form erscheinen?
Da der Dharmakaya (Wahrheitskörper) die Essenz der körperlichen Form ist, ist er in der Lage, in körperlicher Form zu erscheinen.
Von Anfang an gab es keine Dualität zwischen körperlicher Form und Geist; weder Zeichen noch Worte sind es, die uns Eingang in die Lehre der Nicht-Zweiheit verschaffen. Wer das erkennt, der tritt in die Lehre der Nicht-Zweiheit ein.
Die natürlich anwesende Buddha-Natur tragen alle Lebewesen seit anfangsloser Zeit in sich. Man muss zwei Arten der Buddha-Natur verstehen: Die sogenannte natürlich anwesende Buddha-Natur und die zu entwickelnde Buddha-Natur. Sie stehen zueinander im Verhältnis von Grundlage und dessen, was auf der Grundlage beruht; die natürlich anwesende Buddha-Natur ist die Grundlage für die zu entwickelnde Buddha-Natur. Wenn diese Grundlage durch Hören, Kontemplation und Meditation genährt wird, wandelt sie sich in die zu entwickelnde Buddha-Natur.

Vom Samsara zu Nirvaṇa
Wie man aus dem Bereich des Samsara in den Bereich der Soheit eintritt.

Die Objekte der fünf Sinne und des Geistes sind Skandhas, im Einzelnen die Empfindungen des materiellen Körpers mit seinen Sinnesorganen, die Gefühle, die Wahrnehmung, die Geistesformationen und schließlich das Bewusstsein. Sie werden auch Gruppen der Anhaftung, Aggregate, Daseins- oder Aneignungsgruppen oder Zusammenhäufungen genannt. Ist die dualistische Geistesausrichtung überwunden, tritt die Vision der Soheit hervor, um sich in die absolute Ordnung zu bringen.

Tathata
ein Begriff für die Form wahrer bzw. fundamentaler Wirklichkeit (nicht aber, wie oft irrtümlich angenommen wird, diese Wirklichkeit selbst), meist in Bezug auf den ihr unterstellten Aspekt der Leere bzw. wesentlichen Wesenlosigkeit. In der buddhistischen Tradition heißt es von ihr, sie lasse sich nur erfahren, nicht aber sprachlich realisieren.

Das bedeutet, dass alle Lebewesen vom Wahrheitskörper, von der Leerheit, durchdrungen sind. Da Buddhaschaft identisch mit dem Wahrheitskörper ist und der Wahrheitskörper (Dharmakaya) identisch mit Leerheit ist und Leerheit alle Lebewesen durchdringt, tragen alle Lebewesen bereits die Buddha-Natur, die Essenz vollkommenen Erwachens, in sich. Die wahre Natur, die Soheit, ist frei von Unterschieden: Die Soheit (das ursprüngliche Gewahrsein) der Buddhas und die Soheit gewöhnlicher Lebewesen weisen keine Unterschiede auf – wie besser und schlechter, größer und kleiner, höher und niedriger. Deshalb tragen alle Lebewesen die Möglichkeit vollkommenen Erwachens in sich.
Die Erscheinungen der materiellen Form haben keine Begrenzungen und der Zustand der Verblendungen durchdringt alle zehn Richtungen. Der Buddha verglich die Dinge mit Wolken und Wasserblasen, um auf ihre flüchtige Natur hinzuweisen. Er sagt im Diamant-Sutra: „So sollte dir die ganze vergängliche Welt erscheinen: wie ein Stern im Morgengrauen, eine Luftblase auf dem Fluss, ein Blitz in einer Sommerwolke, ein flackerndes Licht, ein Schatten und ein Traum." Der Dharma, den der Buddha durch Untersuchung und Prüfung vollendet hat, ist der höchste Dharma, der noch nie da gewesen und schwierig zu verstehen ist. Nur ein Buddha und andere Buddhas können den wahren Dharma erkennen: die wahre Natur aller Phänomene, die wahre Existenz, die Erscheinungen wie sie sind, die Natur, die Substanz, die Kraft, die Funktionen, die Ursachen, die Bedingungen, die Früchte, die Wirkungen, die Folgerichtigkeiten wie sie sind - von Anfang bis zum Ende.

Die Buddhas erziehen und retten die Lebewesen.
Mit ihrer großen Liebe und ihrem tiefen Mitgefühl in endlosen Zeitaltern, kultiviert durch die Praxis der Vollkommenheiten, kümmern sich die Buddhas und Bodhisattvas um die Lebewesen. Ihre großen Gelübde, alle Lebewesen zu erretten, und ihre ausstrahlenden Körper wirken ständig auf vielfältige Weise für das Wohl der Lebewesen, solange es Welten gibt.
Das bewusste Verständnis der Wirkungsweise von Ursache und Wirkung soll den Schülern des Buddha helfen, daher lehren sie das Gesetz der Ursachen und Wirkungen, die zehn Regeln: nicht töten, nicht stehlen, keinen Ehebruch begehen, nicht lügen, nicht sinnlos schwätzen, nicht verleumden, nicht doppelzüngig sein, nicht begehren, nicht böse sein, und keine voreingenommenen Sichtweisen hegen.
Die Buddhas lehren sie, die Vollkommenheiten zu praktizieren.

Die zehn Vollkommenheiten (Paramitas)



1. Geben, Dana.
Es gibt drei Arten von Geben: materielle Geschenke, Schutz vor oder Freiheit von Furcht und Gaben des Dharma.
2. Ethische Disziplin, Shila.
Es gibt drei Arten von Shila: Die Methode der persönlichen Führung, die Methode der Sammlung und die Methode, den fühlenden Lebewesen beizustehen und sie zu unterstützen.
3. Geduld, Kshanti.
Ist von dreierlei Art: Ausdauer im Ertragen von Schmerz, Ausdauer im Ertragen von Leiden und Ausdauer im Festhalten an der Lehre des Buddha.
4. Tatkraft, V
īrya.
Ist von dreierlei Art: Tatkraft im Fassen von großen Entschlüssen, Tatkraft im Erwerben guter spiritueller Dharmas und Tatkraft im Einsatz für das Wohlergehen aller fühlenden Lebewesen.
5. Meditation, Dhyana.
Ist von dreierlei Art: Meditation, die zu Samadhi führt: Meditation der reinen Beobachtung, bei der das menschliche Ego und seine Gedanken keine Rolle mehr spielen. Voraussetzung dafür ist, dass der Meditierende seine geistige Energie über lange Zeit fokussieren kann, ohne abgelenkt zu werden. Durch die Konzentration dieser Energie kommt es zum Erleben der Integration - die Person löst sich auf und der Zustand der Zeitlosigkeit und der kosmischen Verbundenheit durch Liebe und Mitgefühl wird erfahrbar. Meditation, die zur Vollendung der Pflichten führt.
6. Weisheit, Prajñ
ā.
Ist von dreierlei Art: Intuitive Weisheit von der Leerheit des Selbst, intuitive Weisheit von der Leerheit der Dinge,
und intuitive Weisheit von der Leerheit des Selbst und der Dinge.
7. Geschicklichkeit, Upayakaushalya.
Geschicklichkeit in der Wahl der Mittel ist von zweierlei Art: Geschick darin, den Geist auf die höchste Erleuchtung zu richten, und Geschicklichkeit darin, Lebewesen vor Leid zu beschützen.
8. Gelübde, Pranidhana.
Sind von zweierlei Art: Gelübde zur Erlangung des Erwachens (Bodhi) und Gelübde zum Wohl und zum Glück der Lebewesen.
9. Kraft, Bala.
Ist von zweierlei Art: Kraft zur Denkfähigkeit und Kraft zur Selbstkultivierung.
10. Übersinnliche Weisheit, Jñana.

Ist von zweierlei Art: Weisheit, durch welche die Bodhisattvas das „Glück des Dharma" genießen und Weisheit, durch welche die Bodhisattvas den Lebewesen ermöglichen, spirituelle Reife zu erlangen.
Wenn Menschen verwirrt sind und sagen „im Osten ist der Westen“, ändert sich die Richtung dadurch nicht. Die Soheit ist immer vorhanden, dessen ungeachtet machen die verwirrten Menschen aufgrund der unbeständigen Natur ihrer Fähigkeit manchmal Fortschritte und manchmal Rückschritte und fallen zum Beispiel in das Stadium des Erlangens der Anhänger des Hinayana zurück. Die weltlichen Sorgen, Leiden und Befleckungen, die ihrer Natur nach vergänglich sind, sind zahlreicher, als es Sandkörner im Ganges gibt.

Die fünf Skandhas.

Die Skandhas sind die Empfindungen des materiellen Körpers mit seinen Sinnesorganen, die Gefühle, die Wahrnehmung, die Geistesformationen und schließlich das Bewusstsein. Die Skandhas werden auch Gruppen der Anhaftung, Aggregate, Daseins- oder Aneignungsgruppen oder Zusammenhäufungen genannt.

Die vier Grundformen des Anhaftens.

1. Sinnliches Anhaften, Kamupadana
Hiermit ist das Anhaften an Sinnesempfindungen gemeint, zum Beispiel an das Empfinden von Lust.

2. Anhaften an Ansichten und Meinungen, Ditthupadana
Gemeint ist das Anhaften an feste Meinungen, aus denen dann ein falsches Weltbild entsteht.

3. Anhaften an Riten und Regeln, Silabbatupadana
Hiermit ist sowohl das Anhaften an feste Gewohnheiten gemeint sowie der Glaube, durch das bloße Ausüben bestimmter Rituale könne eine spirituelle Weiterentwicklung oder gar die Erleuchtung erlangt werden.

4. Anhaften am Glauben an eine feste Persönlichkeit, Attavadupadana
Dies bezeichnet das Anhaften an die fünf Gruppen von Daseinsfaktoren (Skandhas) und die Annahme, es gebe (darin) einen festen, unveränderlichen Wesenskern, ein Ich.

Die Soheit selbst ist ohne Anhaftung und ohne vergänglichen Gedanken. Ist man in der Lage, die dualistische Mentalität zu überwinden, kann man die Vision der Soheit gewinnen und sich selbst wieder in Übereinstimmung mit der absoluten Ordnung bringen.

Die verschiedenen Wege zur Erleuchtung

- Alle Bodhisattvas streben nach der von allen Buddhas realisierten Erleuchtung. Durch die Praxis der Meditation erwacht die Kraft des Glaubens und des Vertrauens.

- Durch das Training in Mitgefühl verstehen sie und üben gute Taten.

- Mit dem Verständnis der Natur des Geistes vervollkommnen sie ihren Glauben.


Das Streben nach Erleuchtung mit einem gläubigen Herzen.

Von wem und durch welche Art von Schulung kann der Glaube vervollkommnet werden, damit die Erleuchtung erreicht werden kann?

Antwort: Einige werden als die Menschen bezeichnet, die zur Tathagata-Familie gehören und in die richtige Gruppe eintreten können.

Wenn zehntausend Zeitalter vorbei sind, wird ihr gläubiges Herz vollkommen erwachen, denn sie glauben an das universale Gesetz von Ursache und Wirkung im Einklang mit dem abhängigen Entstehen und sie halten die zehn Regeln. Sie schützen die wahre Lehre, sind den Buddhas innig nahe und werden in die Gruppe derer eintreten, die nie zurückfallen, da sie die Leiden von Geburt und Tod fürchten und die höchste Erleuchtung anstreben.

Dann gibt es jene Menschen, die zur Gruppe der Unentschlossenen gehören. Ihre weltlichen Sorgen und Leiden sind sehr groß. Obwohl sie den richtigen Weg des Mahayana suchen, wandern sie mal vorwärts und mal zurück. Wenn ihr negatives Karma heranreift, verlieren sie den Erleuchtungsgeist. Ihre Fähigkeit zum Gutsein ist gering. Obwohl sie den Buddhas manchmal Opfergaben bringen, ist ihre Art zu streben unbeständig, denn wenn sie mit ungünstigen Umständen konfrontiert sind, werden sie Rückschritte machen und in das Stadium der Hinayana-Anhänger zurückfallen.

Welche Geisteshaltung ist nun mit einem gläubigen Herzen zu kultivieren?

Man soll mit einem durch Aufrichtigkeit und von der Vernunft geprüften Geist auf richtige Weise in der Meditation von einer vertieften Einsicht in die Soheit der Wirklichkeit ausgehen. Man soll mit einem Geist der Tiefe alle guten Handlungen ausüben und mit großem Mitgefühl die Lebewesen von den Leiden befreien.

Frage: Es wurde erklärt, dass die buddhistische Lehre zwischen der relativen Wirklichkeit und der absoluten Wirklichkeit unterscheidet, und dass die Essenz der Buddhas keine Dualität aufweist. Warum meditieren die Menschen dann nicht aus eigenem Antrieb über die Soheit und warum müssen sie erst lernen, gute Taten auszuüben?

Die relative Welt entspricht der alltäglich von jedem nicht erleuchteten Wesen individuell erlebten Welt, die von Leiden geprägt ist (Samsara). Die absolute Wirklichkeit, frei von individuellen Prägungen bzw. Bedingungen, wird in Nirvanaa, als die tatsächlichen Verhältnisse, Prozesse bzw. Wirkungen, frei von allem Leiden, erkannt.

Die relative Wirklichkeit (oder Erfahrungswelt) ist aus buddhistischer Sicht wie ein Traum zu sehen. Mithilfe von Praktiken wie der Meditation ist es möglich, die „Traumhaftigkeit“ unseres Erlebens zu erkennen. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass es keine Trennung zwischen Beobachter, zu Beobachtendem und dem Prozess des Beobachtens gibt. Ein wichtiger Punkt in diesem Prozess ist die Erzeugung von Liebe und Mitgefühl allen Wesen gegenüber. Diese Emotionen fördern die Entwicklung hin zu einer Erkenntnis der „absoluten Wirklichkeit“, die frei von Leiden ist (Nirvana).

Antwort: Verblendung ist nichts Fundamentales, sondern etwas, das hinzugekommen ist.

Unwissenheit kann die Buddha-Natur, die grundlegend rein und strahlend wie ein Mani-Juwel ist, zeitweise verschleiern, so wie der Schmutz ein Juwel verdecken kann, ohne einzudringen.
Durch Praktizieren der edlen Lehre werden die Schleier der Unwissenheit aufgelöst. Die Sonne, die nie aufgehört hat zu strahlen, erscheint, sobald der Wind die Wolken vertrieben hat. Die natürlichen Qualitäten der Buddhaschaft offenbaren sich. Seit anfangsloser Zeit haben wir das Potenzial in uns, alle Qualitäten der Buddhas hervorzubringen. Das Prinzip der Soheit im Menschen ist völlig rein in seiner wesentlichen Natur, aber es ist mit unzähligen Befleckungen versehen.
Da der Zustand der Unwissenheit grenzenlos ist und alle Seinszustände durchdringt, ist es notwendig, gute Taten zu tun und sich der geschickten Hilfsmittel zu bedienen, um rein zu werden.

Was die geschickten Mittel anbelangt, gibt es kurz gesagt vier Arten.

Mit dem Ziel, alle falschen Gedanken hinter sich zu lassen, um zur Soheit, zu Tathata, zurückzukehren, werden die geschickten Hilfsmittel angewandt.
Man soll den Irrglauben an die Substanzialität der Phänomene aufgeben, da diese sowie auch die Leerheit und ebenso die Buddhaschaft lediglich kraft der abhängigen Benennung bestehen. Weil es dieses gibt, entsteht jenes. Man soll sich von verwirrten Sichtweisen trennen und verstehen, dass alle Dinge in ihrer wesentlichen Natur ungeboren sind.
Man sollte wissen, dass die Wirkung von Karma nicht verloren geht, und in Ruhe, frei von Konzepten meditierend, verweilen, bis Existierendes und Nicht-Existierendes vor dem Geist nicht mehr erscheinen.
Voller Mut soll man gute Taten tun und verstehen, dass, wenn es weder etwas Seiendes noch etwas Nich-Seiendes zu erkennen gibt, dann nur der vollkommene, zeichenlose und merkmalslose Frieden bleibt.
Man soll mit großem Mitgefühl allen Wesen Glück bringen, dabei nicht im Nirvana verweilen, sondern sich mit unzähligen geschickten Mitteln auf das Verständnisvermögen der verschiedenen Lebewesen einstellen, ihnen die vielfältigen Bedeutungen der Lehre darlegen und der Natur des Dharma folgen.

In diesem Kapitel werden drei Grundgedanken vorgestellt: der Glaube an die universelle Ordnung; die begründete Anerkennung der Ordnung der Erscheinungen, auf der das Gesetz der Kausalität wirksam ist; die Verbindung dieser beiden Ordnungen in Bezug auf eine Lebensweise für Menschen.

2. Man stoppt das Negative.

Reue zu entwickeln, kann das Negative stoppen und davon abhalten, zu wachsen. Die Wahrheit von Ursache und Wirkung sorgt dafür, dass Taten Folgen haben, daher vermeidet man alles Tun, das negativ und unheilsam ist, kultiviert Weisheit und Mitgefühl. Wenn man erst einmal verstanden hat, wie verbunden wir alle miteinander sind, ist es schwer, nicht Mitgefühl zu spüren. Wenn wir Mitgefühl mit anderen haben, dann erkennen wir wiederum, wie verbunden wir alle miteinander sind.

3. Man verbessert diese bereits entwickelte Fähigkeit zum Gut sein.

Dabei nimmt man rückhaltlos und mit vollem Vertrauen Zuflucht zu den drei Kostbarkeiten mit Körper, Rede und Geist, ehrt und lobpreist die Buddhas, bittet sie innig um ihre Unterstützung und ruft sie an. Wegen der Aufrichtigkeit der eigenen Liebe und der Ehrerbietung für die drei Kostbarkeiten wird man im Glauben gestärkt und man strebt nach der Erleuchtung, um den Lebewesen zu helfen.

4. Man verspricht, durch die Kraft des Glaubens und der geschickten Mittel die Lebewesen dazu zu bringen, vollkommenes Nirvana zu erreichen.

Durch die Ausübung guter Taten und durch Reinigung kehrt man wieder in das Reich der Soheit zurück. Das große Gelübde, für das Wohlergehen der Lebewesen zu wirken, gleicht der Sonne, die sich auf jeder Wasserfläche spiegelt und schließt alle Lebewesen mit ein. Man möge Erleuchtung erlangen, um die kostbaren Lehren an alle anderen Wesen weiterzugeben und um sie so zur Buddhaschaft zu führen. Die wesentliche Natur der Wirklichkeit ist allumfassend und durchdringt alle Lebewesen; sie ist überall die Gleiche und sie ist ohne Dualität; sie unterscheidet nicht das eine vom anderen, denn sie ist in der letztendlichen Versenkung, im Zustand der stillen Ruhe.

Bodhisattvas können, weil sie von der Kraft des Glaubens inspiriert sind, dazu fähig sein, den Dharmakaya zu verwirklichen. Aufgrund dieser Verwirklichung, indem sie der Lehre des Buddha voll Hingabe folgen, um die Lebewesen zu befreien, können sie sich in acht Manifestationen zum Wohle der Lebewesen darstellen. Diese sind: das Hinabsteigen vom Tushita-Himmel; das Eintreten in eine menschliche Gebärmutter; die Geburt; die Entsagung; die Erlangung der Erleuchtung; die Drehung des Dharmarades der Lehre und der Eingang ins Parinirvana. Allerdings kann von einem solchen Bodhisattva nicht gesagt werden, er habe den Dharmakaya vollkommen verwirklicht, da er das negative Karma aus zahllosen vergangenen Existenzen noch nicht vollständig beendet hat. Er erfährt noch ein leichtes Leiden, das vom Zustand der Geburt herrührt.

Das Streben nach Erleuchtung durch Verständnis und Taten.

Durch große Hingabe, mit der Kraft des Glaubens hat man eine von der Vernunft geprüfte, tiefgründige Einsicht in die Soheit der Wirklichkeit entwickelt.

Damit man schnell die vollkommene Erleuchtung hervorbringt, trachtet man danach, die sechs befreienden Qualitäten, Paramitas, zu vollenden.

Man übt sich, nach Erleuchtung strebend, frei von Begierde mit dem Wissen, dass Geizige als hungrige Geister wiedergeboren werden oder als Menschen, deren Leben voller Armut ist. Und man widmet sich den befreienden Qualitäten der Freigebigkeit. Man weiß, dass die Soheit keine Gier kennt.

Die Essenz der Freigebigkeit ist eine von Anhaftung freie Geisteshaltung. Man unterscheidet drei Formen der Freigebigkeit: Geben von materiellen Dingen, Schutz gewähren bei Gefahren und die Gabe der edlen Lehre.

Man hält die Regeln anhand von Gelübden ein, durch das Vermeiden schädlicher Handlungen und das Ausführen heilsamer Handlungen, sowie anhand der Disziplin, die das Wohl der Wesen bewirkt.

Sie ist ohne Anfang, ohne Ende; die Befleckungen können durch die Praxis der Paramitas erlöschen.

Wenn man die befreiende Qualität der Disziplin vervollkommnet, verwirklicht man die unübertreffliche, reine, vollendete Erleuchtung, die vollkommene Buddhaschaft.

Man übt die Geduld, da man weiß, dass der Zorn die in Hunderttausenden von Zeitaltern angesammelten Wurzeln des Heilsamen zerstört. Man widmet sich den befreienden Qualitäten der Geduld.

Die Essenz von Geduld besteht darin, durch nichts aus der Ruhe gebracht zu werden, durch nichts gestört zu werden, weil der Geist frei von Streben nach persönlichem Vorteil und voller Mitgefühl ist. Man weiß, dass die Soheit frei von Faulheit ist.

Da man weiß, dass das Gegenmittel bei Tatenlosigkeit, Faulheit, die Geisteshaltung der wirklichen Freude an heilsamen Handlungen ist, widmet man sich den befreienden Qualitäten der Praxis freudiger Ausdauer.

Die Essenz der freudigen Ausdauer ist reiner, freudiger Einsatz für das Heilsame.

Man übt Meditation, Samadhi, mit einem im Heilsamen weilenden Geist und versteht, dass eine Abgeschiedenheit des Körpers und des Geistes die Entstehung begrifflichen Denkens verhindert. Da man weiß, dass Menschen mit abgelenktem Geist in den Fängen emotionaler Verblendung leben, widmet man sich der befreienden Qualität der meditativen Stabilität. Wenn man sich im Zustand meditativer Ausgeglichenheit befindet, sieht man die Wirklichkeit so, wie sie ist, und weil man die Wirklichkeit sieht, wie sie ist, tritt man in das große Mitgefühl für alle Lebewesen ein. Man weiß, dass die Soheit frei von Verwirrung ist.

Die Essenz von meditativer Stabilität ist geistige Ruhe. Da man versteht, dass sich auch der Dharma nur im Geist befindet, ist nur dieser ein Ort für die Meditation. Da sich auch der Dharma nur im Geist befindet, gibt es keinen anderen Platz der Wahrheit für die Einhaltung eines Gelübdes. Da sich auch der Dharma nur im Geist befindet, gibt es nirgendwo sonst einen Dharma, mit dessen Hilfe Befreiung erlangt werden kann.

Man erkennt, dass, wer auch nur kurz die tiefe Meditation der Soheit praktiziert, mehr Verdienste erwirbt als jemand, der ein Weltzeitalter lang die edle Lehre studiert. Alle Bodhisattvas, denen die Buddhaschaft prophezeit wurde, weilen einzig und allein in dieser tiefen Meditation. Wieder und wieder schauen sie in ihren eigenen Geist.

Ohne die Disziplin der Kontrolle des Geistes wäre jede andere Disziplin sinnlos.

Die Essenz von Weisheit ist ein genau unterscheidendes, umfassendes Verständnis aller Phänomene. Die Bodhisattvas verstehen, dass ihrem Wesen nach alle Phänomene ungeboren sind, von Natur aus nicht verweilend, frei von allen Begrenzungen durch Karma und Handlungen, jenseits des Bereiches von Denken und Nicht-Denken. Da sie wissen, dass der Geist nicht innen, nicht außen, nicht dazwischen und nirgendwo sonst zu finden ist, nehmen sie Zuflucht zur Weisheit der Buddhas, die in fünf Aspekten bzw. Weisheiten unterschieden wird:

1) Die „Weisheit der absoluten Weite“: Diese Weisheit ist die Erkenntnis des natürlichen Zustands aller Phänomene, also die Erkenntnis der absoluten Wahrheit.

2) Die „Spiegelgleiche Weisheit“: Diese Weisheit wird mit einem Spiegel verglichen. So wie sich in der klaren Seite eines Spiegels alle Formen widerspiegeln können, so besitzt die Weisheit des Buddha den Aspekt ungehinderter Klarheit, in dem alle Phänomene von Samsara und Nirvana völlig ungehindert wahrgenommen werden.
Dieser Klarheitsaspekt wird „Spiegelgleiche Weisheit“ genannt.

3) Die „Weisheit der Wesensgleichheit“: So, wie in einem Spiegel ohne Unterschied gute wie schlechte Bilder erscheinen können und sich als Spiegelbilder gleichen, ohne Konzept von Gut und Böse, so nimmt die „Weisheit der Wesensgleichheit“ Samsara und Nirvana als wesensgleich wahr.

4) Die „Unterscheidende Weisheit“: Obwohl vom Standpunkt des Absoluten aus gesehen, alle Phänomene in ihrer Natur wesensgleich sind, so sind vom Standpunkt der Phänomene selbst (d.h. vom konventionellen Standpunkt aus gesehen) Samsara und Nirvana klar unterschieden und nicht vermischt. Dieses klar unterscheidende Wissen nennt man „Unterscheidende Weisheit“.

5) Die „Alle Taten vollbringende Weisheit“: Indem die Buddhas klar erkennen, was die unterschiedlichen Lebewesen benötigen, manifestieren sich ihre Handlungen anstrengungslos und spontan.
Alle Weisheiten der Buddhas sind in der „Allumfassenden Weisheit der Allwissenheit“ enthalten.

Das Streben nach Erleuchtung durch Einsicht. Man haftet nicht mehr am Vergänglichen.

Die Bodhisattvas realisieren auf dem Weg der Erleuchtung die Soheit, Tathata; sie lösen die Anhaftung an sich selbst und an die Phänomene und verstehen, dass aufgrund der Anhaftung die meisten Menschen ihre physische Form oder ihr Selbst für dauerhaft und gültig halten. Diese Lebewesen lehren sie mit geschickten Hilfsmitteln.
Sie verwirklichen die Lehre von der Leerheit, da der materiellen Welt eine letztendlich vorhandene Wirklichkeit fehlt und die Lebewesen keine wirklich existierende Persönlichkeit besitzen. Sie gehen „den Mittleren Weg", frei von den extremen Sichtweisen des Vorhandenseins der Dinge (Existenzialismus) und der konsequenten Verneinung aller wahrnehmbaren Erscheinungen (Nihilismus).

Den Lebewesen in unserem schwierigen Zeitalter wird es durch die geschickten Hilfsmittel ermöglicht, zum Lotos-Sutra zu gelangen, um durch die Praxis des Lotos-Sutra die weltlichen Sorgen und Leiden zu beenden und die Buddhaschaft zu erreichen. Als gläubig Praktizierender des Lotos-Sutra benötigt man keine geschickten Hilfsmittel mehr.
Erklärung dazu im anschließenden Kapitel.

Die Lebensdauer des Tathagata

Die Lebensdauer des Tathagata aus dem Lotos-Sutra

Zu dieser Zeit sprach der Buddha zu allen Bodhisattvas und zu der ganzen großen Versammlung: „Ihr guten Kinder, ihr alle müsst glauben und unterscheiden des Tathagata Worte der Wahrheit!“ Wiederum sprach er zu der großen Versammlung: „Ihr sollt glauben und unterscheiden des Tathagata Worte der Wahrheit!“ Und wiederum sprach er zu der großen Schar: „Ihr sollt glauben und unterscheiden des Tathagata Worte der Wahrheit!“ Zu dieser Zeit faltete die große Schar der Bodhisattvas mit ihrem Haupt Maitreya die Hände verehrungsvoll zusammen und sie sprachen zum Buddha: „In aller Welt Verehrter, wir wünschen nur, du mögest lehren, wir alle wollen glauben und Buddhas Wort empfangen.“ Dreimal sprachen sie so. Wiederum sagten sie: „Wir wünschen nur, du mögest lehren, wir alle wollen den Worten des Buddha gläubig vertrauen.“ Nun, da der von aller Welt Verehrte erkannte, dass alle Bodhisattvas, nachdem sie ihn dreimal gebeten hatten, nicht abließen, ihn zu bitten, sprach er die Worte: „Ihr alle, hört die Wahrheit von der geheimen, geheimnisvollen, mysteriösen, durchdringenden Kraft des Tathagata! Alle die Welten von Himmelswesen, Menschen und kämpfenden Geistern, die gut oder böse sein können, sie alle sagen, dass Buddha Shakyamuni zu dieser Zeit den Palast der Familie Shakya verlassen habe, nicht fern dem Schloss Gaya auf dem Platz, an dem der Dharma praktiziert wird, gesessen und die höchste vollkommene Erleuchtung erlangt habe. Aber, ihr guten Kinder, seitdem ich in Wahrheit die Buddhaschaft erreichte, ist eine unvorstellbare Größenordnung von Zeitaltern vergangen. Angenommen, es gäbe fünfhunderttausend Myriaden Kotis Nayutas Asamkhyeyas der Dreitausend-Vieltausendfachen-Welt und da wäre nun ein Mann, der sie zu winzigen Staubkörnern verriebe, dann ostwärts durch fünfhunderttausend Myriaden Kotis Nayutas Asamkhyeyas von Ländern ginge und ein Staubkörnchen fallen ließe. In gleicher Weise ginge er weiter ostwärts, bis er diese winzigen Staubkörner alle aufgebraucht hätte. Ihr guten Kinder! Wie ist es nach eurer Meinung? Kann es gelingen, sich all diese Welten vorzustellen und sie zu berechnen, sodass man deren Zahl wissen kann oder nicht?“ Maitreya und die Bodhisattvas sprachen zum Buddha: „In aller Welt Verehrter, von diesen Welten allen, die unermesslich und unbegrenzt sind, kann man die Zahl mathematisch nicht berechnen, noch sie durch die Kraft des Geistes ermessen, zu viele sind diese Welten. Keiner der Hörer und der Alleinerkenner mit Weisheit ohne weltliche Sorgen und Leiden könnte sich solche Zahlen denken oder vorstellen. Obwohl wir selbst an dem Ort Avaivartika, von dem man nicht mehr zurückfallen kann, verweilen, geht es über unser Fassungsvermögen. Von aller Welt Verehrter, so unermesslich und unendlich sind diese Welten.“
Zu dieser Zeit sprach der Buddha zur Versammlung der großen Bodhisattvas: „All ihr guten Kinder, nun werde ich euch ganz klar darlegen und verkünden: Angenommen, all diese Welten, in denen ein Staubkörnchen fallen gelassen oder auch keines fallen gelassen wurde, zerkleinert man und jedes dieser Staubkörnchen steht für ein Weltzeitalter, dann ergibt eine solche Anzahl von Myriaden von Hunderttausenden Zeitaltern die Zeitspanne, die vergangen ist, seitdem ich die Buddhaschaft erlangte. Seit dieser Zeit bin ich weiterhin beständig hier in der Saha-Welt, lehre den Dharma und verwandle die Lebewesen. Ferner führe ich auch an allen übrigen Orten in Myriaden zahlloser Millionen von Ländern die Lebewesen auf den Weg und lasse ihnen Gaben zuteil werden. Ihr guten Kinder alle! In diesem Zeitraum sprach ich vom Buddha Dipamkara (Brennende Lampe) und anderen. Ferner sprach ich davon, dass sie ins Nirvana eingingen. So habe ich über alle mit geschickten Hilfsmitteln unterscheidend gelehrt. Ihr guten Kinder alle! Wenn es Lebewesen gab, die zu mir kamen, so sah ich mit meinen Buddha-Augen deren Glauben, all ihre Aufnahmefähigkeit, scharf und stumpf. Dementsprechend rettete und lehrte ich sie mit verschiedenen Namen an verschiedenen Plätzen, mit unterschiedlichen Lebensspannen. Außerdem machte ich in Reden deutlich, dass ich ins Nirvana eingehen müsse und erlöschen werde. Ferner lehrte ich mit verschiedenen geschickten Hilfsmitteln den feinen, wunderbaren Dharma, der imstande ist, die Lebewesen zu veranlassen, das Herz freudig aufzutun, um den Dharma zu verstehen. Ihr guten Schüler! Der Tathagata sieht alle Lebewesen, die sich am kleinen Dharma erfreuen, die schwach sind an Tugend und deren Karma schwer ist. Für diese Menschen lehre ich, dass ich erst vor Kurzem in den hauslosen Stand eingetreten bin und die höchste vollkommene Erleuchtung erlangt habe. Aber tatsächlich bin ich schon vor geraumer Zeit – wie zuvor ausgesagt – Buddha geworden. Mit dem geschickten Hilfsmittel lehre und verwandle ich die Lebewesen und veranlasse, dass sie in den Buddha-Weg eingehen. So lehre ich. Ihr guten Schüler! Der Tathagata legt die Sutren und Regeln insgesamt dar, um die Lebewesen zu befreien. Entweder er lehrt mit seinem Körper oder er zeigt seinen eigenen Körper, oder er zeigt einen anderen Körper, oder er zeigt seine eigene Arbeit, oder er zeigt die Arbeit der anderen. Alles, was ich lehre, das ist wahr und nicht falsch. Wie steht es damit? Der Tathagata weiß und sieht wahrhaftig die Form der drei Welten. Es gibt keine Geburt und keinen Tod. Sie werden nicht geboren und sterben nicht, sie gehen nicht zurück und kommen nicht hervor. Auch besteht die Welt nicht und sie vergeht nicht. Sie ist nicht wahr und ist nicht falsch, sie ist nicht gleich und nicht unterschiedlich. Es gibt keine in der Welt bleibenden Menschen und erlöschende Menschen gibt es auch nicht. Nicht wie die Lebewesen in den drei Welten sehe ich auf die drei Welten. So ist es. Das klare Sehen des Tathagata hat nichts Falsches und ist ohne Irrtum. Weil die Lebewesen verschiedene Charaktere, verschiedenes Begehren, verschiedenen Wandel, verschiedene Erinnerungsvermögen, verschiedene Gedanken, verschiedene Absichten und Unterscheidung haben, wünsche ich, alle Lebewesen zu veranlassen, dass sie sorgfältig die guten Samen keimen lassen. Mit den Ursachen und dem abhängigen Entstehen, mit Gleichnissen und Reden lehre ich in vielfacher Weise den Dharma mit diesen Taten, die der Buddha tut, ohne auch nur für einen Moment innezuhalten. Es ist äußerst lange her und weit entfernt, seit ich Buddha geworden bin. Meine Lebensdauer erstreckt sich über unermessliche, zahllose, unendliche Zeitalter, beständig bleibe ich, ohne zu erlöschen. Ihr guten Schüler alle, mein Leben, seit ich ursprünglich den Bodhisattva-Weg praktizierte, ist noch nicht beendet. Auch dann nicht, wenn man die oben genannte Zahl verdoppelt. Obwohl jetzt also in Wahrheit das Erlöschen nicht stattfindet, verkünde und sage ich mit dem geschickten Hilfsmittel, dass ich erlöschen werde. Mit dem geschickten Hilfsmittel lehrt und verwandelt der Tathagata die Lebewesen. Warum ist es so? Wenn der Buddha lange in der Welt weilt, dann pflanzen die Menschen mit geringen Tugenden nicht die guten Wurzeln. Sie sind armselig, erschöpft und ganz niedrig. Sie haften an den fünf Begierden nach Besitz, Nahrung, Sexualität, Ruhm und Schlaf. Sie verstricken sich in einem Netz von Erinnerung und falschen Ansichten. Wenn sie sehen, dass der Tathagata beständig da ist und nicht erlischt, dann lassen sie Stolz und Überheblichkeit ausschweifend aufsteigen, werden herablassend und faul. Sie kommen dann nicht auf den Gedanken, dass es schwierig sein könnte, ihn zu treffen, und haben kein Herz der Verehrung. Die Lebewesen denken, dem Tathagata sehr nahe zu sein, deshalb praktizieren sie nicht eifrig, um die drei Welten zu verlassen. Um das zu vermeiden, lehrt der Tathagata mit dem geschickten Hilfsmittel: ‚Ihr Mönche sollt wissen, schwer ist es, einen Buddha zu treffen, der in der Welt erscheint. ‘ Wie steht es damit? Die Menschen, die alle von seichter Tugend sind, können nach unermesslichen Myriaden von Zeitaltern entweder den Buddha treffen oder sie treffen ihn nicht. Daher sage ich: ‚Ihr Mönche alle! Schwierig ist es und sehr selten, den Tathagata zu sehen.‘ Wenn sie diese Worte hören, müssen all diese Lebewesen sicherlich erkennen, dass es schwierig ist, ihn zu treffen. In ihrem Herzen hegen sie dann Liebe und dürsten voll Hoffnung und großer inniger Sehnsucht nach dem Buddha. Dann pflanzen sie gute Samen. Deshalb lehrt der Tathagata, obwohl er in Wahrheit nicht erlischt, dennoch sein Erlöschen. Ferner, ihr guten Schüler! Der Dharma aller Buddhas Tathagatas ist genauso: Um die Lebewesen zu retten, ist er ganz wahr und nicht falsch.
Nehmen wir ein Gleichnis: Es gibt einen guten Arzt. Er ist gescheit, durch und durch klug, und mit klarem Sinn wählt er die geeignete Medizin und heilt trefflich alle Krankheiten. Er hat viele Söhne, zehn oder zwanzig, ja sogar hundert an der Zahl könnten es sein. Weil er etwas zu tun hatte, ging er fort in andere Länder. Danach tranken alle seine Söhne Gift. Das Gift verursachte Kummer und Verwirrung. Schließlich wurde ihnen ganz schwindlig und sie wanden sich auf dem Boden. Zu dieser Zeit kam nun der Vater nach Hause zurück; von all den Söhnen, die das Gift getrunken hatten, hatten die einen ihr natürliches Wesen verloren, die anderen hatten es nicht verloren. Aus der Feme sahen sie den Vater. Alle freuten sich sehr. Sie knieten nieder und fragten: ‚Geht es dir gut, bist du friedlich und bequem zurückgekehrt? Wir waren unüberlegt und voll Zweifel und haben den Fehler gemacht, Gift zu trinken. Wir wünschen uns, von dir gerettet und geheilt zu werden. Verhilf uns wieder zu einem langen Leben!‘ Der Vater sah, wie sehr seine Söhne litten und in Schwierigkeiten waren. Er hielt sich an alle Rezepte und suchte nach vortrefflichen Heilkräutern. Farbe und Duft und guter Geschmack waren vollkommen. Er rieb sie durch ein Sieb, vermischte sie und gab sie seinen Söhnen. Und er sagte: ‚Diese sehr gute Medizin ist an Farbe, Duft und gutem Geschmack ausgezeichnet. Ihr könnt sie nehmen. Schnell beseitigt sie eure Beschwerden, sodass ihr nicht länger an Verstörtheit leiden müsst. Nie wieder sollt ihr so etwas Schlimmes erleiden.‘ Die Söhne waren alle betroffen. Jene, die ihr natürliches Herz nicht verloren hatten, sahen, dass diese gute Arznei an Farbe und Duft gut war und nahmen sie mühelos ein. Die Krankheit wurde geheilt und sie wurden wieder gesund. Die Übrigen, die ihr ursprüngliches Wesen verloren hatten, sahen ihren Vater kommen und hatten doch, obwohl sie sich freuten, ihn befragen wollten und danach strebten, dass er die Krankheit behandle und heile, nicht den Wunsch, diese Medizin einzunehmen. Was hatte es damit auf sich? Die Kraft des Giftes war tief eingedrungen. Weil sie ihr natürliches Herz verloren hatten, bezeichneten sie diese an Farbe und Duft gute Medizin als nicht schön. Der Vater stellte diese Überlegung an: ‚Diese Söhne muss man bemitleiden. Aufgrund des Giftes, von dem sie betroffen sind, sind sie in ihrem Geist verwirrt. Obwohl sie sich freuten, mich zu sehen, nach Rettung und Heilung streben und sich an diese klammern, wünschen sie, eine gute Medizin wie diese nicht einzunehmen. Ich muss mir jetzt etwas Gutes ausdenken, um sie zu veranlassen, diese Arznei zu nehmen.‘ Somit sagte er: ‚Ihr sollt alle wissen, dass ich gebrechlich bin und alt. Es ist die Zeit gekommen um zu sterben. Dieses gute Heilmittel bleibt jetzt hier. Ihr könnt es nehmen.‘ Nachdem er sie so unterrichtet hatte, ging er wieder in andere Länder. Er schickte Boten, die zurückkehren und melden sollten: ‚Euer Vater ist gestorben.‘ Zu dieser Zeit fühlten die Söhne, als sie hörten, dass der Vater sie verlassen habe und gestorben sei, in ihrem Herzen großes Leid und Verwirrung. Und sie dachten sich: ‚Wenn der Vater noch lebte, hätte er Liebe und Mitgefühl mit uns, wir könnten gerettet und beschützt werden. Jetzt hat er uns alle verlassen. Fern in einem anderen Land ist er gestorben. Wir sind nun verwaist und einsam. Wir haben niemanden mehr, an den wir uns halten und dem wir anhängen können. Beständig haben wir Betrübnis und Kummer.‘ Ihr Herz wurde folglich wach. Nun wussten sie, dass diese Medizin an Farbe, Duft und Geschmack gut war und nahmen sie ein. Von Gift und Krankheit wurden sie ganz geheilt. Sobald der Vater hörte, dass die Söhne alle die Heilung erlangt hatten, kehrte er sogleich zurück und zeigte sich ihnen. Ihr guten Söhne alle! Zu welchem Zweck, kann man fragen, geschah das alles? Gibt es irgendwo einen Menschen, der sagen könnte, dass dieser gute Arzt das Vergehen der Irreführung und der Unwahrheit begangen hätte oder nicht, was meint ihr?“ „Nein, das hat er nicht, in der Welt höchst Verehrter.“ Der Buddha sagte: „Ich bin wie dieser. Seitdem ich Buddha geworden bin, sind unzählige, unbegrenzte Myriaden von zahllosen Zeitaltern vergangen. Um der Lebewesen willen sage ich mit der Kraft des geschickten Hilfsmittels, dass ich erlösche. Niemand kann mit gutem Recht sagen, dass ich den Dharma falsch lehrte.“
Zu dieser Zeit wünschte der in aller Welt Verehrte, diese Bedeutung nachdrücklich zu sagen und sprach die Verse:

Buddhaschaft

Seitdem ich die Buddhaschaft erlangte,
Sind endlose, unendliche Zeitalter vergangen.
Beständig lehre ich den Dharma,
Veranlasse zahllose, unzählige Millionen von Lebewesen,
Den Buddha-Weg zu gehen.
Unermessliche Zeitalter sind seither vergangen.
Um alle Lebewesen zu erretten,
Enthülle ich durch geschickte Hilfsmittel das Nirvana.
In Wahrheit bin ich nicht erloschen,
Sondern lehre den Dharma für immer.
Beständig verbleibe ich in dieser Welt.
All meine überirdisch durchdringende Kraft benutzend,
Bewirke ich, dass mich die verwirrten Lebewesen,
Obwohl ich nahe bin, nicht sehen.
Wenn die Lebewesen mich als erloschen betrachten,
Werden sie weithin meine Reliquien verehren,
Alle zusammen werden Liebe und verlangendes Sehnen hegen
Und ihre Herzen werden dürsten voller Hoffnung.
Wenn dann alle Lebewesen glauben und nachfolgen
Mit aufrechtem Charakter und sanftem Geist
Und von ganzem Herzen wünschen, den Buddha zu sehen,
Und nicht um ihr eigenes Leben besorgt sind,
Dann werde ich mit der gesamten Mönchsgemeinde
Auf dem Geiergipfel erscheinen.
Dort werde ich den Lebewesen sagen,
Dass ich beständig hier bin und nicht erlösche.
Mit der Kraft meiner taktvollen, geschickten Hilfsmittel
Werde ich mich als erloschen oder nicht erloschen enthüllen.
Wenn es in den anderen Ländern und Regionen
Lebewesen gibt, die mich verehren und voller Glauben sind,
Werde ich wiederum unter jenen sein,
Um für sie den höchsten Dharma zu lehren.
Ihr, die ihr nichts davon hört,
Meint nur, dass ich erloschen bin.
Ich aber sehe alle Lebewesen
Wie sie versunken sind im Meer des Leidens.
Deshalb enthülle ich mich nicht,
Sondern erwecke ihr Streben, bis ich wieder,
Wenn ihre Herzen Liebe und Sehnsucht erfüllen,
Erscheine, um den unübertroffenen Dharma zu lehren.
Aufgrund meiner überirdisch durchdringenden Kraft
Bin ich zahllose Zeitalter immerzu auf dem Geiergipfel
Und in allen anderen Wohnstätten.
Wenn alle Lebewesen am Ende des Weltzyklus
Die Feuersbrunst sehen, wo das große Feuer brennt,
Ist mein Reich friedlich, ruhig und behaglich.
Mit himmlischen Wesen und Menschen ist es beständig angefüllt.
Reich an Parks, Wäldern und vielen Palästen,
Die mit mannigfaltigen verschiedenen Juwelen geschmückt sind,
Mit kostbaren Bäumen voller Blüten und Früchten in den Juwelen-Wäldern,
In welchen die Menschen sich freuen und vergnügt wandeln.
Alle Gottheiten und himmlischen Wesen schlagen die Himmelstrommel.
Stets lassen sie verschiedene Arten wunderbarer Musik erklingen,
Lassen Mandarava-Blumen herabregnen
Und streuen diese über den Buddha und die große Versammlung.
Mein reines Land ist unzerstörbar;
Doch alle sehen es an, als ob es verbrenne,
Und sind deshalb mit Schrecken und Verzweiflung erfüllt.
Alle jene Lebewesen können durch ihr negatives Karma
Aufgrund der verschiedenen Ursachen
Im Einklang mit dem abhängigen Entstehen
Über zahllose Zeitalter hinweg
Nicht den Namen der drei Juwelen (Buddha, Dharma, Sangha) hören.
Aber alle, die die Wohltaten der Tugend praktizieren,
Gutes Karma sammeln, aufrichtig, sanft und versöhnlich sind,
Werden meinen Körper wahrnehmen,
Und ich bin hier, den Dharma zu lehren.
Manchmal lehre ich für diese alle,
Dass das Leben des Buddha ewig währt.
Für jene, die den Buddha lange nicht sehen konnten,
Lehre ich, dass man selten einen Buddha trifft.
Die Kraft meiner Intelligenz ist wie diese:
Das Licht meiner allwissenden Weisheit
Leuchtet unendlich in strahlendem Glanz
Und mein Leben dauert zahllose Zeitalter.
Durch langes Praktizieren
Habe ich dieses gereinigte Karma erlangt,
Und ihr alle, die ihr Weise seid,
Lasst keinen Zweifel darüber aufkommen,
Schneidet das negative Karma geradewegs ab
Und beendet für immer die Zweifel,
Denn die Worte des Buddha sind wahr und nicht falsch.
Wie der gute Arzt, der mit Klugheit und dem geschickten Hilfsmittel,
Um seine verwirrten Söhne zu heilen,
Verkündet, obwohl er lebt, er sei gestorben,
Und niemand ihn der Lüge bezichtigt,
So sage auch ich, der Vater dieser Welt,
Der alle Leiden und Bedrängnisse heilt,
Um der verzweifelten, verwirrten, gewöhnlichen Menschen willen,
Ich sei erloschen, obwohl ich in Wahrheit lebe,
Denn, wenn sie mich allzeit sähen,
Erzeugten sie Hochmut und Stolz,
Wären faul und unentschlossen und hafteten an den fünf Begierden,
Sie fielen auf üble Pfade und in eine schlechte Welt.
Ich, der alle Lebewesen immer kennt,
Jene, die den Dharma praktizieren oder nicht,
Um sie, ihnen entsprechend, retten zu können,
Lehre ich für sie die verschiedenen Dharmas.
Beständig denke ich darüber nach:
„Wie kann ich alle Lebewesen veranlassen,
In den unübertroffenen Dharma einzugehen
Und rasch die Buddhaschaft zu erlangen?“

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